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Deutschland / Welt USA senden vorerst keine Soldaten nach Korea
Nachrichten Politik Deutschland / Welt USA senden vorerst keine Soldaten nach Korea
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12:21 24.11.2010
US-Präsident Barack Obama stellt sich klar auf die Seite Südkoreas.
US-Präsident Barack Obama stellt sich klar auf die Seite Südkoreas. Quelle: ap
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US-Präsident Barack Obama zeigte sich empört über den nordkoreanischen Angriff auf eine südkoreanische Insel und verurteilte ihn als weitere Provokation. Washington sicherte Seoul vollen Rückhalt zu. „Südkorea ist unser Bündnispartner seit dem Korea-Krieg“, erklärte Obama am Dienstag in einem Interview des US-Fernsehsenders ABC und unterstrich, der Verteidigung des Bündnispartners verpflichtet zu sein. Die USA stünden mit Südkorea „Schulter an Schulter“. Über einen möglichen militärischen Gegenschlag wollte er aber nicht spekulieren. Die USA haben mehr als 29.000 Soldaten in Südkorea stationiert.

Pjöngjang beschoss am Dienstag die südkoreanische Insel Yeonpyeong mit Artillerie und drohte mit weiteren Angriffen. Die südkoreanischen Streitkräfte erwiderten das Feuer. Die Regierung in Seoul kündigte bei einem neuerlichen Angriff einen „enormen Gegenschlag“ an. Nach südkoreanischen Militärangaben wurden zwei Soldaten und zwei Zivilisten getötet. 15 Militärangehörige und drei Zivilisten wurden zum Teil schwer verletzt.

Obama sagt Lee Unterstützung zu

Obama telefonierte mit seinem südkoreanischen Kollegen, Lee Myung Bak, und erklärte, die USA würden mit der internationalen Gemeinschaft in der Verurteilung des Angriffs zusammenarbeiten. Nordkorea müsse seine Provokationen beenden, die nur zu einer weiteren Isolation des Landes führe. Pjöngjang müsse das Waffenstillstandsabkommen von 1953 einhalten und seinen Verpflichtungen gemäß dem internationalen Gesetz nachkommen. Eine geplante gemeinsame Militärübung südkoreanischer und amerikanischer Truppen in den Gewässern westlich der Halbinsel vom 28. November bis 1. Dezember soll ungeachtet der jüngsten Konfrontation stattfinden.

Das US-Außenministerium hatte angekündigt, die Vereinigten Staaten würden sich wegen des Zwischenfalls mit China, Russland und Japan in Verbindung setzen, die an den Gesprächen über das nordkoreanische Atomprogramm beteiligt sind. Nordkorea hatte vor wenigen Tagen einem amerikanischen Atomexperten zufolge die Fertigstellung einer neuen Anlage zur Urananreicherung verkündet und neue bilaterale Gespräche mit den USA verlangt. Das Land steht vor einem dynastischen Führungswechsel. Der bevorstehende Winter dürfte Lebensmittel- und Stromknappheit bringen.

USA verfügen über wenig Druckmittel gegenüber Pjöngjang

Nordkorea hat in der Vergangenheit wiederholt mit atomarer Abschreckung gedroht und verfügt über ein riesiges stehendes Heer. Die USA haben kaum Druckmittel gegenüber Pjöngjang, da Nordkorea sowohl auf finanzieller als auch auf diplomatischer Ebene international weitgehend isoliert ist. Eine Hebelwirkung über Sanktionen wie beispielsweise gegenüber dem Iran gibt es daher nicht.

Die Regierung in Pjöngjang ließ sich auch von seinem engsten Verbündeten China nicht beeinflussen, der die internationale Besorgnis über die jüngste Eskalation zu teilen scheint und zu Besonnenheit aufrief. Beide Seiten müssten mehr zum Frieden und zur Stabilität auf der Halbinsel beitragen, forderte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking.

Das Gefecht am Dienstag begann südkoreanischen Angaben zufolge, nachdem die Truppen trotz einer Warnung des Nordens ein Manöver in der Region fortgesetzt hatten. Pjöngjang habe daraufhin die Insel Yeonpyeong beschossen, Südkorea reagierte mit der Entsendung von Kampfflugzeugen.

Beide Staaten formell immer noch im Krieg

Nord- und Südkorea haben nach dem Koreakrieg kein Friedensabkommen geschlossen und befinden sich formal immer noch im Kriegszustand. Pjöngjang erkennt die von den Vereinten Nationen zum Kriegsende 1953 einseitig gezogene Seegrenze nicht an. In den vergangenen Jahren haben sich die beiden Seiten drei blutige Gefechte geliefert, zuletzt im November vergangenen Jahres. Im März spitzten sich die Spannungen nach dem Untergang des südkoreanischen Kriegsschiffs „Cheonan“ zu, bei dem 46 Seeleute ums Leben kamen.

Internationalen Ermittlern zufolge wurde die „Cheonan“ von einem nordkoreanischen Torpedo versenkt.Darüber hinaus haben nordkoreanische Agenten immer wieder Anschläge auf zivile Ziele durchgeführt. So wird das Regime im Norden für ein Bombenattentat auf ein südkoreanisches Verkehrsflugzeug im Jahr 1987 verantwortlich gemacht, bei dem 115 Menschen ums Leben kamen. 1996 jagten 60.000 südkoreanische Soldaten eine Gruppe von nordkoreanischen Agenten, die von einem U-Boot aus in Südkorea an Land gegangen waren und über mehrere Wochen drei Zivilisten und einen Soldaten töteten.

dapd