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Deutschland / Welt Erdogan will in Köln für Wählerstimmen werben
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Erdogan will in Köln für Wählerstimmen werben
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11:55 19.05.2014
Foto: Der türkische Ministerpräsident Erdogan will am Sonnabend in Köln in der Lanxess-Arena auftreten.
Der türkische Ministerpräsident Erdogan will am Sonnabend in Köln in der Lanxess-Arena auftreten. Quelle: Oliver Berg (Archiv)
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Köln

Trotz massiver Proteste von deutschen Politikern will der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Sonnabend eine Rede in der Kölner Lanxess-Arena halten. Offiziell würdigt er damit das zehnjährige Bestehen der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD). Kritiker gehen jedoch davon aus, dass Erdogan türkischer Präsident werden und in Köln um Stimmen werben will. An der Präsidentenwahl am 10. August dürfen erstmals auch die im Ausland lebenden Türken teilnehmen. Gökay Sofuoglu, der Co-Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, spricht im dpa-Interview über die Hintergründe des Auftritts.  

Ist das jetzt ein Wahlkampfauftritt oder ist es keiner?
Es ist natürlich ein Wahlkampfauftritt.

Und die UETD, die ja sagt, dass sie unabhängig ist, wie sehen Sie deren Rolle?
Die UETD agiert für die AKP, für die Partei von Erdogan, das ist deren Rolle. Eine Lobbyorganisation der AKP in Europa.

Werden denn auch mal Oppositionspolitiker eingeladen?
Bisher habe ich eher das Gegenteil gehört.

Was wird Erdogan in der Lanxess-Arena sagen?
Er wird eher innenpolitische Signale geben. Da die Türken hier ja im August bei den Staatspräsidentenwahlen wählen können, geht’s bei ihm in erster Linie um die Türkei. Er wird natürlich seine Regierung loben, er wird die Türkei im Wettbewerb mit anderen Ländern darstellen und versuchen, um die Leute zu werben.

Wie interessiert sind die in Deutschland lebenden Türken überhaupt an der türkischen Politik?
Schwer zu sagen. Die türkische Politik ist eher ein Interessengebiet der ersten Generation der Türken. Ich weiß nicht, wie die Wahlbeteiligung im August sein wird.

Wie groß ist die Anhängerschaft Erdogans und der AKP in Deutschland?
Sie sind stark. Erdogans Anhänger sind zweierlei: einmal die konservativen Wähler und auf der anderen Seite Menschen, die sich in Deutschland ausgegrenzt fühlen und mit Erdogan eine Symbolfigur haben, jemanden, bei dem sie das Gefühl haben, von ihm moralisch unterstützt zu werden. Er hat eine große Anhängerschaft in Deutschland, deswegen macht er das ja auch.  

Zur Person

Gökay Sofuoglu (53) kam als 18-Jähriger aus Mittelanatolien nach Stuttgart. Er lernte Deutsch, machte eine Ausbildung zum Erzieher und wurde Sozialarbeiter. Bei der Caritas leitete er mehrere Jahre ein internationales Stadtteilzentrum. 1999 gehörte Sofuoglu zu den Gründungsmitgliedern der Türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg. Seit Anfang dieses Monats ist er neben Safter Çinar Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland.  

Kölns OB gegen Erdogan-Auftritt

Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) hat sich gegen den geplanten Auftritt des türkischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Köln ausgesprochen. „Es gibt jetzt Wichtigeres als reine Wahlkampftermine im Ausland wahrzunehmen“, sagte Roters dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Montag) angesichts des schweren Grubenunglücks in der Türkei. Roters sagte der Zeitung, für ihn als verantwortungsbewussten Politiker wäre die Entscheidung angesichts der dramatischen und noch zu klärenden Ereignisse mit so vielen Toten klar. Erdogan will am kommenden Sonnabend in der Kölner Lanxess-Arena sprechen.  Unterdessen bereitet sich die Kölner Polizei auf einen Großeinsatz wegen des Erdogan-Besuchs vor. Mehr als zehntausend Gegendemonstranten hätten sich angemeldet, sagte eine Polizeisprecherin der Zeitung. 

Özdemir hält nichts von Boykott-Aufruf

Grünen-Chef Cem Özdemir hält nichts von Empfehlungen an die Türken in Deutschland, dem Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Köln wegen seiner Innenpolitik fernzubleiben. Er selbst habe auch schon bei Grünen-Organisationen im Ausland Wahlkampf gemacht, sagte Özdemir am Montag im Deutschlandfunk. Der Grünen-Politiker machte weiter deutlich, dass er nicht glaubt, dass mit solchen Aufrufen etwas erreicht werden kann. „Die, die gegen ihn sind, sind sowieso gegen ihn. (...) Und die, die ihn vergöttern und seine Anhänger sind und im Prinzip auch nicht mehr wahrnehmen, was es an Kritik an ihm gibt, die werden seine Fans bleiben und jetzt erst recht wahrscheinlich hinpilgern“, sagte er.  In der Union waren am Wochenende Empfehlungen an die deutschen Türken laut geworden, nicht zu Erdogans Auftritt am Sonnabend zu gehen. 

dpa/mhu

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