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Deutschland / Welt Trump glaubt trotz neuer nordkoreanischer Raketentests an Atom-Deal
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21:14 04.05.2019
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un (links) in Hanoi neben US-Präsident Donald Trump. (Archivbild) Quelle: AP Photo/Evan Vucci
Seoul

Nordkorea hat am Samstag nach südkoreanischen Angaben mehrere Geschosse kurzer Reichweite abgefeuert. Unklar war zunächst der genaue Typ der Projektile, die 200 Kilometer von der Ostküste entfernt im Meer einschlugen, teilte der südkoreanische Generalstab mit. Beobachter in Seoul sahen darin ein Zeichen wachsender Frustration in Pjöngjang angesichts festgefahrener Atomverhandlungen und der Weigerung der USA, Sanktionen gegen das isolierte Land zu lockern.

US-Präsident Donald Trump reagierte gelassen auf den Vorfall, mit dem sich Miliäranalysten in Seoul, Washington und Tokio beschäftigten. Er twitterte, er sei sich sicher, dass es einen Atom-Deal geben werde, weil Machthaber Kim Jong Un wisse, dass er bei ihm sei. Kim werde auch nicht das Versprechen brechen wollen, dass er ihm gegeben habe. Trump bezog sich dabei vermutlich auf die vage Zusage Kims zu einer Denuklearisierung beim ersten Gipfeltreffen der beiden im Juni 2018 in Singapur. Das zweite Gipfeltreffen in Hanoi im Februar scheiterte aber an der Weigerung Trumps, Sanktionen vor einer unumkehrbaren atomaren Abrüstung Nordkoreas zu lockern.

Deal wird kommen!“

Kim habe „das große wirtschaftliche Potenzial Nordkoreas voll erkannt und wird nichts tun, das zu stören oder zu beenden“, schrieb Trump. „Deal wird kommen!“.

US-Außenminister Mike Pompeo telefonierte wegen des Zwischenfalls mit seinem japanischen Kollegen Taro Kono. Man werde Informationen und Erkenntnisse darüber austauschen und mit Südkorea kooperieren, teilte Konos Ministerium mit. Das japanische Verteidigungsministerium erklärte, die verwendeten Geschosse hätten keine Sicherheitsbedrohung Japans dargestellt.

Das südkoreanische Außenministerium teilte nach einen Telefonat mit Pompeo mit, beide Seiten arbeiteten bei der Analyse des Vorfalls zusammen.

Sollte sich bestätigen, dass Nordkorea verbotene ballistische Raketen abfeuerte, wäre es der erste derartige Vorgang seit November 2017. Damals hatte das isolierte Land eine interkontinentale ballistische Rakete getestet. 2017 hatte Pjöngjang gleich eine Serie von Waffentests ausgeführt und damit eine martialische Reaktion von Trumps provoziert, die bei vielen Experten die Sorge vor einem Krieg in der Reaktion befeuerte.

Südkorea „sehr besorgt“ wegen des Vorfalls

Später schwenkten Nordkorea und USA auf einen Kurs der diplomatischen Annäherung ein. Kim erklärte damals, sein Land werde auf Tests mit Atomwaffen und interkontinentalen ballistischen Raketen verzichten. Beobachter gehen davon aus, dass der mutmaßliche Einsatz von Kurzstreckengeschossen nicht gegen den selbst auferlegten Stopp verstößt. Im April meldete Pjöngjang einen Test einer nicht näher genannten „taktischen Lenkwaffe“.

Das Verhältnis zu Washington trübte sich seit dem Gipfel in Hanoi ein – Nordkorea forderte den Rückzug Pompeos aus den Atomgesprächen und übte Kritik am nationalen Sicherheitsberater John Bolton.

Die südkoreanische Regierung erklärte, sie sei „sehr besorgt“ wegen des Vorfalls, der ein Verstoß gegen die im vergangenen Jahr geschlossenen innerkoreanischen Vereinbarungen zur Reduzierung der Feindseligkeiten zwischen beiden Staaten sei.  

Von RND/dpa