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Deutschland / Welt Afghanische Regierung fordert nach Trump-Aussage Erklärung
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Afghanische Regierung fordert nach Trump-Aussage Erklärung
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16:44 23.07.2019
US-Präsident Donald Trump ist überzeugt, einen Krieg gegen Afghanistan in einer Woche gewinnen zu können. Er wolle jedoch keine zehn Millionen Menschen töten. Quelle: imago images / UPI Photo
Washington

US-Präsident Donald Trump sieht Erfolge bei den Friedensbemühungen für Afghanistan. Die USA hätten in den vergangenen Wochen „große“ Fortschritte gemacht, sagte Trump am Montag bei einem Treffen mit dem pakistanischen Premierminister Imran Khan in Washington.

Trump erklärte, Pakistan werde den USA bei dem Prozess helfen und so dazu beitragen, die US-Truppen aus dem Land abzuziehen. Er betonte, dass er eine friedliche Lösung wolle. „Wenn wir einen Krieg in Afghanistan führen und gewinnen wollten, könnte ich diesen Krieg in einer Woche gewinnen. Ich möchte nur nicht zehn Millionen Menschen töten.“

Khan sagte bei dem Treffen, dass es keine militärische Lösung für Afghanistan geben könne. Der Besuch des Premiers in Washington kommt zu einer Zeit, in der intensive Bemühungen um eine politische Lösung des langjährigen Konflikts laufen. Die USA sprechen seit Juli des Vorjahres direkt mit Vertretern der Taliban über Wege zum Frieden. In den Gesprächen geht es vor allem um den Abzug von Truppen sowie um Garantien, dass Afghanistan kein sicherer Zufluchtsort für Terroristen wird. 

Pakistan könnte entscheidende Rolle spielen

Pakistan wird immer wieder großer Einfluss auf die afghanischen Taliban nachgesagt. Viele Taliban-Führer sollen mit ihren Familien in der südwestlichen Provinz Baluchistan leben. Analysten zufolge ist eine Kooperation Pakistans notwendig, um dauerhaften Frieden in Afghanistan zu erreichen.

Die jüngste, mittlerweile siebte USA-Taliban-Gesprächsrunde mit dem US-Sondergesandten für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, war vor rund zwei Wochen für Konsultationen unterbrochen worden. Khalilzad sprach danach von „bedeutenden Fortschritten“. Es ist unklar, wann Khalilzad ins Golfemirat Katar reist, um die Gespräche fortzusetzen.

Erst vor drei Wochen hatte Trump betont, dass er die US-Truppen gern sofort aus Afghanistan abziehen würde. Doch sei das Land „das Havard für Terroristen“. Auch wolle man den Staat nicht ohne Rücksprache mit der Nato verlassen.

Afghanische Regierung reagiert empört

Die afghanische Regierung hat US-Präsident Donald Trump aufgefordert, Äußerungen zum Krieg in dem Land zu erklären. Die afghanische Nation werde es nie einer ausländischen Regierung erlauben, über das Schicksal Afghanistans zu bestimmen, hieß es in einer Mitteilung des Präsidentenpalastes am Montag. Der Ex-Geheimdienstchef und Präsidentschaftskandidat Rahmatullah Nabil sagte laut TV-Sender ToloNews, Trump beleidige mit seinen Aussagen die Opfer, die die afghanischen Streitkräfte, das Volk und die US-Soldaten in Afghanistan gebracht hätten.

Trumps Aussagen sorgten auch bei vielen Nutzern sozialer Medien für Furor. Manche Afghanen sahen darin gar eine Anspielung, Atomwaffen in Afghanistan einzusetzen. Das führte zu Empörung, aber auch zu Witzen. Ein Facebook-Nutzer postete das Bild der Landesflagge und schrieb: „Seid standhaft, Ihr könnt eine Atombombe überleben!“

In der Vergangenheit gab es Vorwürfe in Afghanistan an das US-Militär, das Land als Testgebiet für Waffensysteme zu missbrauchen, nachdem die USA im April 2017 erstmals ihren größten konventionellen Sprengkörper mit fast 8200 Kilogramm Sprengstoff eingesetzt hatten. Die MOAB, nach ihrem Kürzel auch „Mother of all Bombs“ („Mutter aller Bomben“) genannt, war im Osten des Landes auf vermeintliche Stellungen und Höhlen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) abgeworfen worden.

Von RND/dpa