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Deutschland / Welt “Wir können nicht warten, bis jede Person an Bord zu einem Notfall wird“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt “Wir können nicht warten, bis jede Person an Bord zu einem Notfall wird“
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15:59 27.06.2019
Seit zwei Wochen kreuzt die „Sea Watch 3“ auf dem Mittelmeer. Quelle: dpa/Symbolbild

Herr Neugebauer, seit zwei Wochen kreuzt die „Sea Watch 3“ mit ursprünglich 53 Flüchtlingen an Bord auf dem Mittelmeer, erhält aber keine Anlege-Erlaubnis in europäischen Häfen. Am Mittwoch hat sich die Kapitänin Carola Rackete trotz des Verbotes entschlossen, den sizilianischen Hafen Lampedusa anzufahren. Wie ist die Situation?

Derzeit sind noch 42 Personen an Bord. Kleinkinder, ihre Begleitpersonen und medizinische Notfälle wurden evakuiert. Wir sind in italienische Gewässer eingefahren, weil es keine andere Möglichkeit gibt. Der Kapitänin bleibt im Sinne der Sicherheit der Menschen nichts anderes übrig.

Vor dem Hafen hat die Finanzpolizei die „Sea Watch“ allerdings gestoppt. Wie geht es jetzt weiter?

Es wurden Kontrollen durchgeführt, aber wir können immer noch nicht in den Hafen einlaufen. Wir haben mehrfach darauf hingewiesen, dass eine Evakuierung nötig ist. Wir warten auf Anweisungen und haben schon eine Liste mit allen Geretteten, den Nationalitäten und Alter an die Hafenbehörde zu senden. Das könnte ein Zeichen sein, dass es bald vorangeht.

Wie geht es den Menschen an Bord? Können alle versorgt werden?

Die Vorräte reichen im Moment noch. Wir können das Schiff auch von Land aus versorgen. Problematisch ist allerdings die psychologische Situation der Geretteten. In der Vergangenheit ist es vorgekommen, dass Menschen aus Verzweiflung von Bord gesprungen sind, und versucht haben an Land zu schwimmen. Das ist eine Gefahr für die Sicherheit an Bord. Man muss sich vorstellen, dass viele der Menschen in libyschen Gefängnissen waren und dort gefoltert wurden. Auf dem Meer sind sie quasi wieder eingeschlossen. Das ist extrem belastend und ein unnötiges Risiko. Es sind auch noch drei Minderjährige an Bord.

Wie sieht es mit der körperlichen Gesundheit aus?

Wir hatten eine Person, die aus medizinischen Gründen evakuiert werden musste. Aber wir können nicht warten, bis jede Person an Bord zu einem Notfall wird. Es ist absehbar, dass das auf lange Sicht passiert. Das können wir nicht zulassen.

Ruben Neugebauer (Initiative "Sea Watch") Quelle: picture alliance/dpapicture alliance/dpa

Ein neues Sicherheitsgesetz der Regierung in Rom besagt, dass private Schiffe mit Geretteten eine Strafe zwischen 10.000 und 50.000 Euro zahlen müssen, wenn sie in italienische Gewässer fahren. Wie geht „Sea Watch“ damit um?

Theoretisch müssen wir die Strafe zahlen. Wir wissen nicht genau, ob sie auch greift, denn die Vereinten Nationen halten das Dekret für völkerrechtswidrig. Wahrscheinlich wird die Strafe gegen uns verhängt, aber nicht gleich rechtskräftig werden. Und wir werden dagegen klagen, weil wir das Gesetz auch in der italienischen Verfassung für nicht zulässig halten.

Wie geht es jetzt mit der „Sea Watch 3“ weiter?

Wenn alles gut läuft, gehen die Geretteten an Land und wir fahren wieder auf Mission.

Und wenn nicht?

Dann wird das Schiff beschlagnahmt. Wir gehen davon aus, dass wir irgendwie mit den Leuten an Land kommen. Wie lange das dauert, wissen wir nicht.

Wie läuft diese Beschlagnahmung ab?

Das letzte Mal haben wir eine Mitteilung bekommen, dass wir die „Sea Watch“ in einen Hafen fahren müssen. Im Fall des Rettungsschiffs Iuventus war es so, dass es von den Behörden übernommen wurde. Im Moment gibt es aber noch keine Ermittlungen. Wir wissen nicht, wie es weitergeht.

Haben Sie Rückmeldungen aus Deutschland bekommen?

Es gibt verschiedene Solidaritätserklärungen. Am Dienstag hat sich auch die evangelische Kirche solidarisiert und die Kanzlerin hat geklatscht. Wir brauchen aber mehr als das. Die Stadt Rottenburg hat angekündigt, alle Geretteten aufzunehmen. Es gibt also Möglichkeiten, aber es müssen Taten folgen. Die italienischen Häfen sind jetzt fast ein Jahr lang geschlossen – das ist ein Jahr, um eine Lösung zu finden. Und wir haben seit mehr als zwei Wochen die Geflüchteten an Bord. Das ist beschämend.

Von Manuel Behrens/RND

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