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Deutschland / Welt Saudi-Arabien räumt Tötung von Journalist Khashoggi ein
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Saudi-Arabien räumt Tötung von Journalist Khashoggi ein
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07:01 20.10.2018
Tod bestätigt: Der Journalisten Jamal Khashoggi. Quelle: Metafora Production via AP
Riad

Saudi-Arabien hat die Tötung des seit mehr als zwei Wochen vermissten Journalisten Jamal Khashoggi eingeräumt. Er sei im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul mit Verdächtigen in einen Streit geraten, der in einen „Faustkampf“ ausgeartet sei, meldete die amtliche Nachrichtenagentur SPA und das Staatsfernsehen unter Berufung auf Staatsanwälte in der Nacht zum Samstag. Die Prügelei habe zum Tod Khashoggis und Versuchen der Personen geführt, das Geschehene zu verbergen. 18 saudi-arabische Verdächtige seien in Gewahrsam genommen worden. Wie all diese Personen in die angebliche Auseinandersetzung verwickelt sein konnten, war indes zunächst ebenso unklar wie der Verbleib von Khashoggis Leiche.

Die Staatsmedien gaben auch die Entlassung von vier ranghohen Geheimdienstlern an, darunter Generalmajor Ahmed bin Hassan Assiri, ein Vertrauter von Kronprinz Mohammed bin Salman. Zugleich werteten Beobachter die Erklärung als Versuch, den Thronanwärter selbst aus der Sache herauszuhalten. König Salman habe seinen Sohn zum Leiter eines Gremiums ernannt, das die Geheimdienste des Königreichs als Konsequenz aus dem Fall Khashoggi umstrukturieren solle, hieß es weiter.

Trump begrüßt Festnahmen in Saudi-Arabien

US-Präsident Donald Trump begrüßte die Festnahmen in Saudi-Arabien, hält den Fall aber noch nicht für restlos aufgeklärt. „Es ist nur ein erster Schritt, aber es ist ein großer erster Schritt“, sagte Trump am Freitagabend (Ortszeit) in Arizona. Trump wollte keine öffentlichen Zweifel an der offiziellen Darstellung Saudi-Arabiens zum Tod Khashoggis äußern, betonte aber auch: „Wir haben einige Fragen.“ Er wolle deshalb mit Kronprinz Mohammed bin Salman sprechen.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres äußerte sich „zutiefst beunruhigt“ zum Tod Kashoggis und kondolierte der Familie des Journalisten. „Der Generalsekretär verweist auf die Notwendigkeit einer sofortigen, gründlichen und transparenten Untersuchung der Todesumstände“, sagte sein Sprecher Stephane Dujarric. Zudem müssten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Khashoggi hatte sich in Kolumnen der Zeitung „Washington Post“ kritisch über den politischen Aufstieg des Kronprinzen geäußert. Der Journalist war zuletzt lebend gesehen worden, als er am 2. Oktober das Konsulat in Istanbul betrat. Dort hatte er Dokumente für eine geplante Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abholen wollen. Türkischen Medienberichten zufolge wurde er von Agenten mit Verbindungen zum saudi-arabischen Kronprinz Mohammed getötet und dessen Leiche daraufhin zerstückelt.

Türkische Ermittler vermuten, dass Leiche aus dem Konsulat geschafft wurde

Die regierungsnahe türkische Zeitung „Yeni Safak“ hatte erst am Mittwoch gemeldet, es existiere eine Audioaufnahme von der Ermordung Khashoggis. Danach habe das saudi-arabische Kommando den Journalisten überrumpelt, als er das Konsulat betreten habe. Erst seien ihm die Finger abgeschnitten worden, später sei er enthauptet worden.

Türkische Ermittler äußerten die Vermutung, dass die Leiche des vermissten Journalisten Jamal Khashoggi aus dem Konsulat geschafft wurde. Aus ihren Kreisen verlautete am Freitag, die sterblichen Überreste Khashoggis seien entweder in einen Wald nördlich von Istanbul oder die Stadt Yalova gebracht worden. Zuvor hatten türkische Ermittler das saudi-arabische Konsulat und die nahe Residenz des Generalkonsuls durchsucht sowie Personal befragt.

Riad hatte Berichte über eine saudi-arabische Verwicklung sowie eine Tötung Khashoggis als haltlos zurückgewiesen, bis zuletzt aber keine Erklärung für dessen Verschwinden geliefert.

In der nun von saudi-arabischen Staatsmedien verbreiteten Darstellung hieß es, die Verdächtigen seien nach Istanbul gereist, um „sich mit dem Bürger Jamal Khashoggi zu treffen“, da es Hinweise auf dessen mögliche Rückkehr ins Land gegeben habe. Im Konsulat „liefen Gespräche mit ihm nicht wie verlangt ab und entwickelten sich auf eine negative Weise, die zu einem Faustkampf geführt“ habe. Das Königreich drücke sein tiefes Bedauern über den Tod Khashoggis aus.

Von RND/AP/dpa