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Deutschland / Welt Pressestimmen: „Erdogans Macht hat ihren Zenit überschritten“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Pressestimmen: „Erdogans Macht hat ihren Zenit überschritten“
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10:26 24.06.2019
Ekrem Imamoglu hat sich bei der Bürgermeisterwahl in Istanbul gegen die Partei von Erdogan durchgesetzt. Quelle: Lefteris Pitarakis/AP/dpa
Istanbul

Istanbul hat gewählt – und zwar gegen die Partei von Staatschef Recep Tayyip Erdogan. Oppositionskandidat Ekrem Imamoglu ist der neue Bürgermeister der Metropole. Sein Sieg steht für eine Zeitenwende in der Türkei.

Das sehen auch Medienvertreter als ganz Europa als Fakt an – einige sehen das Wahlergebnis als Hoffnungsschimmer für das ganze Land. Andere Stimmen wiederum sind zunächst skeptisch.

Die internationalen Pressestimmen im Überblick:

Badische Zeitung“ (Freiburg): Erdogan muss beweisen, dass er auch verlieren kann

Interessant wird nun sein, wie der Staatschef und die Regierungspartei AKP mit dem Ergebnis umgehen. Werden sie das Resultat erneut anzweifeln? Oder macht Erdogan seine Drohung wahr, den Wahlsieger vor Gericht zu stellen und einen ihm gefügigen Treuhänder als Bürgermeister zu berufen? Eine solche Intervention würde wohl nicht nur einen Aufschrei der Empörung auslösen. Eine Absetzung Imamoglus könnte die Türkei in schwere Turbulenzen stürzen. Die Wahl ist gelaufen. Erdogan muss beweisen, dass er nicht nur gewinnen, sondern auch verlieren kann.

Neue Zürcher Zeitung“: Der Anfang vom Ende der Ära Erdogan

Klar ist: Diese erste wirkliche und große Niederlage Erdogans markiert eine Zäsur. Denn wenngleich der Präsident weiter am längeren Hebel sitzen wird, wenngleich der Staatsapparat und die Justiz auf seinen Willen hören und die Medien keinen Widerspruch mehr leisten, kann er seine autoritäre Herrschaft nicht mehr allein mit dem „nationalen Willen“ begründen. Dieser Automatismus funktioniert seit dem 23. Juni nicht mehr, und das könnte auf lange Sicht tatsächlich den Anfang vom Ende der Ära Erdogan einleiten.

Süddeutsche Zeitung“: Erdogans Macht hat ihren Zenit überschritten

Für die Zukunft der Türkei ist diese Wahl ein Hoffnungszeichen, weil sie zeigt, dass das politische System des Landes trotz aller Mängel zu demokratischer Korrektur fähig ist. Erdogans Macht hat ihren Zenit überschritten. Das heißt aber nicht, dass sich an den Verhältnissen in der Türkei so schnell etwas ändert. Parlamentswahlen stehen erst 2023 an – und sollten sie doch früher stattfinden, müsste sich die Opposition im ganzen Land so einig zeigen wie gerade in Istanbul, um erfolgreich zu sein.

„de Volkskrant“ (Amsterdam): Ergebnis vergrößert die Chance auf vorgezogene Wahlen

Noch hält Recep Tayyip Erdogan mit seinem Präsidialsystem die Zügel fest in den Händen. Nationale Wahlen stehen nicht vor 2023 an. Doch das Ergebnis von Istanbul vergrößert die Chance auf vorgezogene Wahlen. Dabei müsste Erdogan dann wohl mit einem gefürchteten Gegner rechnen: Ekrem Imamoglu. Der Mann, der noch bis vor Kurzem selbst in Istanbul kaum große Bekanntheit genoss, ist zum Hoffnungsträger der Opposition in schwierigen Zeiten herangewachsen.

„Spiegel“: „Von diesem 23. Juni geht ein Zeichen aus“

Erdogan dürfte durch das Ergebnis so sehr unter Druck geraten wie nie zuvor in seiner Karriere. Zwar hat er durch seinen Sieg bei den Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr seine Macht gefestigt. Sämtliche Institutionen sind auf ihn zugeschnitten. Und doch geht von diesem 23. Juni ein Zeichen aus. ‚Wer Istanbul gewinnt, gewinnt die Türkei’, hat Erdogan einmal gesagt. Er selbst begann seine Laufbahn als Istanbuler Bürgermeister.

„Der Standard“ (Österreich): Ende der Ära Erdogan eher Wunsch als Realität

Was der Wahlausgang langfristig bedeutet, lässt sich noch nicht absehen. Zwar rufen manche türkischen Journalisten und Beobachter schon den Anfang vom Ende der Ära Erdogan aus. Doch da dürfte eher der Wunsch Vater des Gedanken sein.

Lesen Sie auch: Istanbuler Bürgermeisterwahl: Zehntausende Türken unterbrechen Urlaub

Von RND/dpa/lf

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