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Deutschland / Welt Nico Lange – der Mann hinter Kramp-Karrenbauer
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Nico Lange – der Mann hinter Kramp-Karrenbauer
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08:00 20.06.2019
CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und der bisherige Bundesgeschäftsführer der Partei, Klaus Schüler. Quelle: Michael Kappeler/dpa
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Berlin

Auf der Internetseite der CDU findet sich dieser Schnappschuss: Ein Mann in Jackett und mit gestreifter Krawatte strahlt in die Kamera, neben ihm, einen Kopf kleiner, steht eine Frau mit einem etwas verhaltenen Lächeln. „Überglücklich und happy.

AKK und ihr ‚zweitwichtigster Mann‘“, steht unter dem Foto. Es ist ein privates Foto vom Parteitag im vergangenen Dezember, Kramp-Karrenbauer hatte gerade das Rennen um den CDU-Vorsitz gewonnen. Der Mann im Zentrum heißt Nico Lange. Er ist Kramp-Karrenbauers engster Mitarbeiter.

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Lange begleitet den Aufstieg Kramp-Karrenbauers in der CDU seit zwei Jahren. Er beriet sie als Generalsekretärin und im Kampf um den Parteivorsitz. Als sie den übernommen hatte, testete er via Twitter Botschaften für Reden seiner Chefin.

Nun gilt Lange als Favorit für den Posten des Bundesgeschäftsführers, der am 1. Juli frei wird. Klaus Schüler, der über viele Jahre Merkels wichtigster Planer in der Parteizentrale war, hat ein halbes Jahr nach seiner früheren Chefin seinen Rückzug angekündigt.

Eine Chefin mit Problemen

Ausgerechnet jetzt aber ist Kramp-Karrenbauer ins Schwanken gekommen, wegen des historisch schlechten Wahlergebnis bei der Europawahl, wegen fehlender Antworten in der Klimapolitik, wegen des Umgangs mit dem CDU-kritischen Youtuber Rezo.

Zuletzt hat sie Ärger bekommen, als sie das Stichwahl-Ergebnis bei der Oberbürgermeisterwahl in Görlitz via Twitter erstmal für die CDU reklamierte – obwohl der CDU-Kandidat auch von SPD, Grünen und Linkspartei unterstützt worden war.

Eine Wahlanalyse Langes zur Europawahl brachte die Parteichefin zusätzlich in Bedrängnis. Lange verwies neben anderen Problemen auf „einen vermeintlichen ’Rechtsruck’ bei der JU“. Die Junge Union sah sich als Sündenbock für das schlechte Wahlergebnis hingestellt. Kramp-Karrenbauer musste nachsteuern. Teile der JU fordern jetzt, Lange dürfe nicht weiter aufsteigen.

Entschlossen und selbstbewusst

In der CDU gibt es die, die sagen, Lange sei das eigentliche Problem. Der 44-Jährige sei ein Theoretiker, habe zu wenig Erfahrung in der Positionierung einer Partei im Wahlkampf. Kramp-Karrenbauer habe sich zu eng und zu ausschließlich an ihn gebunden.

Es kann gut sein, dass sich in diese Kritik auch Interessen mischen: Wenn der engste Mitarbeiter schwankt, schwächt das schließlich auch die Chefin.

Franz Müntefering ist vor Jahren mal als SPD-Vorsitzender zurückgetreten, als er seinen engsten Vertrauten nicht als Bundesgeschäftsführer durchsetzen konnte. Damals war im Übrigen Andrea Nahles diejenige, die Müntefering Widerstand leistete. Sie hat es mittlerweile selbst auf den Parteivorsitz geschafft und vielleicht bald schon wieder runter davon. Aber das nur nebenbei.

Lange gibt sich nicht als Typ, der sich leicht aus der Fassung bringen lässt. Entschlossen und selbstbewusst präsentiert er seine Analysen. Der CDU hat er schon vor Jahren attestiert, sie müsse mehr auf Nachwuchs setzen und auch auf Frauen, auf Integration statt auf Konfrontation. Das war Kramp-Karrenbauers erste Erzählung als Parteichefin: alle mitnehmen.

Erfahrung aus der Ukraine und den USA

Den studierten Politologen Lange hatte die damalige saarländische Ministerpräsidentin Ende 2017 als Mitarbeiter verpflichtet, kurz nach der Bundestagswahl. Sie schuf dafür den neuen Posten eines „Bevollmächtigten für Innovation und Strategie“.

Lange kam für sie aus Washington ins Saarland. Er hatte in den USA für die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung gearbeitet, wie auch zuvor mehrere Jahre in Berlin und in der Ukraine. Lange hatte also internationale Erfahrung, er hatte die Bundespolitik aus der Nähe beobachtet.

Kramp-Karrenbauer präparierte sich für den nächsten Schritt: Wenige Monate später war sie CDU-Generalsekretärin, ein weiteres halbes Jahr danach Parteichefin. Ihr Innovationsbeauftragter folgte ihr in die Parteizentrale.

Seinem weiteren Aufstieg kann sich die Partei nur schlecht in den Weg stellen: Der Bundesgeschäftsführer wird nicht gewählt, sondern von der Parteichefin ernannt.

Der wichtigste Mann in Kramp-Karrenbauers Leben, stellt die CDU im Text zu dem Lange-Schnappschuss allerdings auch klar, sei ihr Ehemann, Helmut Karrenbauer.

Von Daniela Vates/RND