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Deutschland / Welt Neuer Ton, alte Geldpolitik: Lagarde rückt an EZB-Spitze
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Neuer Ton, alte Geldpolitik: Lagarde rückt an EZB-Spitze
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19:32 12.09.2019
Christine Lagarde soll künftig die Europäische Zentralbank führen.
Brüssel

Die Frau untertreibt gerne, vor allem, wenn es um ihre Person geht. „Ich bin völlig irrelevant“, ließ Christine Lagarde vor einigen Tagen in Brüssel wissen. Wie bitte? Die künftige Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), die Hüterin des Euros, findet sich selbst unwichtig?

Nein, so ist es sicher nicht. Die 63 Jahre alte Französin ist durchaus selbstbewusst. Sie gebrauchte nur einen rhetorischen Kniff, um auf den Punkt zu kommen. Sie werde dann relevant, wenn die Menschen in der Euro-Zone die Entscheidungen der EZB verstünden. Das ist eine gewaltige Aufgabe. Derzeit sind Sparer in der Euro-Zone wohl eher schwer vom Sinn der Nullzinspolitik zu überzeugen. Schließlich werden ihre Ersparnisse wegen der Inflation unterm Strich weniger.

Lob für Vorgänger Draghi

Daran wird sich aller Voraussicht nach auch nichts ändern. Lagarde hat schon angekündigt, dass sie die lockere Geldpolitik ihres Amtsvorgängers Mario Draghi aus Italien fortführen will. Hätte Draghi nicht so unkoventionell gehandelt, sagte die Französin vor einem Ausschuss des Europaparlaments, dann stünde die Wirtschaft im Euro-Raum heute schlechter da. Es sieht also nicht danach aus, als würden die Zinsen demnächst wieder steigen.

Ändern wird sich dagegen der Ton, den die EZB anschlägt. Das mag daran liegen, dass sich die gelernte Anwältin eher als Politikerin versteht als der Wirtschaftswissenschaftler Draghi. Lagarde will zum Beispiel die Beamtensprache der EZB ächten und viele der bislang verwendeten Abkürzungen loswerden.

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Die Mutter zweier erwachsener Söhne war bislang Chefin des Internationalen Währungsfonds in Washington, ist also im internationalen Geldgeschäft sehr bewandert. Jetzt rückt sie als erste Frau an die Spitze der EZB. Ihre Bestätigung beim EU-Gipfel Mitte Oktober ist nur noch Formsache. Am 1. November geht es für die Vertraute von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron in Frankfurt los. Die Amtszeit beträgt acht Jahre.

Auf Macron-Kurs

Apropos Macron: Er hat es während der zähen Verhandlungen um die Besetzung der Top-Jobs in Europa geschickt angestellt. Er wollte nie den Chefposten der EU-Kommission für Frankreich, der letztlich an Ursula von der Leyen ging. Ihm war eine Französin als EZB-Präsidentin allemal lieber.

Denn ähnlich wie Macron selbst scheut auch Lagarde nicht davor zurück, massiv Geld einzusetzen, wenn die Wirtschaft in Gefahr gerät. Daran ändern auch alle Bekenntnisse zur freien Marktwirtschaft nichts, die Lagarde aus dem Effeff beherrscht.

Wolfgang Schäuble kann davon ein Lied singen. Als Griechenland in die Krise geriet, wollte Schäuble als deutscher Finanzminister das Land zum Sparen zwingen. Lagarde widersprach vehement. Ein Schuldenerlass und frisches Geld sollten den Aufschwung bringen.

Solche Grundsatzkonflikte könnten sich, wenn die Wirtschaft in der Euro-Zone ins Trudeln kommen sollte, leicht wiederholen. Angesichts der relativen Unabhängigkeit der EZB hätte Lagarde in diesem Fall ein bisschen mehr Spielraum als von der Leyen an der Spitze der EU-Kommission. Die britische Zeitschrift „Economist“ hat das Ergebnis des europäischen Postengeschachers in zwei Worten zusammengefasst: „Vorteil Macron“.

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Von Damir Fras/RND

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