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Deutschland / Welt Neuer CSU-Parteichef: Markus ist der neue Horst
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12:35 20.01.2019
Markus Söder (l, CSU), bayerischer Ministerpräsident und der bisherige CSU-Vorsitzende Horst Seehofer stehen beim CSU-Sonderparteitag zur Neuwahl des Parteivorsitzenden in der Kleinen Olympiahalle in München (Bayern) hintereinander. Quelle: Tobias Hase/dpa
München

Um 11.14 Uhr ist Schluss. Schluss für Horst Seehofer nach gut zehn Jahren – genau 3739 Tagen – als Chef der Christlich-Sozialen Union. „Ich gebe heute das Amt weiter. Aber es bleibt mir ein glühendes Herz für meine politische Familie, die CSU“, ruft er den Delegierten am Samstag in der kleinen Olympiahalle in München zu. Und Seehofer, der gelernte Sozialpolitiker, schreibt „seiner“ Partei noch etwas ins Stammbuch: „Vergesst mir die kleinen Leute nicht!“

Zum Abschied gibt es gerade einmal drei Minuten Standing Ovations. Und eine Miniatur der Parteizentrale für Seehofers Modelleisenbahn-Keller. Dabei wäre manchem in der CSU wohl lieb, der bald 70-Jährige würde sich ganz dorthin zurückziehen und nicht mehr länger Bundesinnenminister in Berlin sein.

Kühle Verabschiedung Seehofers

Die Delegierten halten sich nicht lange mit dem Blick zurück auf, der Abschied für Seehofer fällt eher pflichtschuldig aus. Die große Inszenierung – sie fällt aus. Viele zieht es schnell dorthin, wo es Leberkäs und Weißbier gibt. „Ich hätte ihm einen anderen Abgang gewünscht“, meint Andreas Spreng (83), ein langjähriger Seehofer-Weggefährte aus Eichstätt, und drängt sich mit einem „Danke, Horst“-Pappschild nach vorn in die Menge, wo die Kameras sind.

Der neue Hoffnungsträger heißt Markus Söder, aber es ist kein wirklich glänzendes Ergebnis, das der 52-Jährige einfährt. 87,4 Prozent, da ist noch Luft nach oben. Schon im Herbst muss sich der Franke erneut einem Parteitagsvotum stellen. Ausgerechnet Söder soll die Christsozialen aus der Krise führen – jener Mann, der im vergangenen Herbst bei der Landtagswahl die absolute Mehrheit der CSU verlor, eine Koalition mit den Freien Wählern bilden musste.

Söder und Seehofer werden keine Freunde mehr

Söder und Seehofer – die beiden verbindet eine ganz besonders Geschichte. Eine Geschichte von Misstrauen und Machtkämpfen. Zwei Politiker mit Alphatier-Gen, die sich ähnlicher sind als ihnen lieb sein mag. Legendär ist eine CSU-Weihnachtsfeier 2012, bei der Seehofer Söder „Schmutzeleien“ vorgeworfen hatte, „charakterliche Schwächen“ und „pathologischen Ehrgeiz“. Und nun musste er gleich zweimal, seinen Dauer-Widersacher als seinen Nachfolger vorschlagen. Zunächst vor einem Jahr als Regierungschef in Bayern, jetzt als Parteivorsitzender.

„Das Leben spielt manchmal ganz eigenartig“, frotzelt Seehofer beim Parteitag. Am Morgen habe er in der Zeitung sein Tageshoroskop gelesen. „Sie verlieren keinesfalls ihr Gesicht, wenn Sie eine bereits getroffene Entscheidung revidieren“, stand da. Kurz geht ein Raunen durch den Saal, doch dann schiebt Seehofer hinterher. „Vor 15, vielleicht auch noch vor zehn Jahren hätte ich das noch als Auftrag empfunden. Heute fehlt mir die Risikobereitschaft.“ Kein Rückzug vom Rückzug also. Auch wenn Seehofer gerne damit kokettiert.

Söder nimmt’s locker, bedankt sich freundlich bei Seehofer, schlägt ihn auch noch als Ehrenvorsitzenden der CSU vor. „Ich habe von Dir viel gelernt“, sagte er. „Wir haben uns manchmal auch gegenseitig geprüft.“ Und dann ist bei der CSU vor allem von Erneuerung die Rede. Die CSU müsse Volkspartei bleiben, sich aber neu aufstellen.

CSU muss Partei der „Leberkäs-Etage“ sein

Bodenständig und nicht abgehoben, weltoffen und nicht provinziell, lässig, nicht spießig – „das könnte der neue Sound der CSU“ sein, gibt Söder als Marschroute aus. „Wir wollen nicht dem Zeitgeist hinterherlaufen, wir müssen ihn prägen.“ Die Partei dürfe keine ihrer Wurzeln vernachlässigen – auch nicht die soziale. Franz-Josef-Strauß-Fan Söder zitiert sein politisches Vorbild. Die CSU müsse immer „die Partei für die Leberkäs-Etage“ sein. Das mit der Erneuerung werde „kein Sprint, sondern ein Marathonlauf“.

Plötzlich ist der bayerische Regierungschef nicht nur Ministerpräsident eines Landes, sondern Bundespolitiker. Einer, der in Berlin am Koalitionstisch mitmischt. Effizienz statt Effekthascherei, so Söder, könne ein Leitmotiv für dieses Jahr werden: „Eine Große Koalition macht dann Sinn, wenn sie Ergebnisse bringt.“ Sein Motto in der Zusammenarbeit mit der Union sei jedenfalls: „Miteinander, nicht Gegeneinander.“

Kuschelkurs mit AKK

Das passt zur Art und Weise, mit der die CSU Annegret Kramp-Karrenbauer empfängt, die neue Chefin der CDU. Erst einmal nimmt sie ein Bad in der Menge, schüttelt Hände. „Liebe Brüder und Schwester“, beginnt „AKK“ ihre Rede in München. „Wir sind und wir waren eine politische Familie.“ Die CDU-Chefin rockt den Saal bei der CSU.

Was für ein Kontrast zu 2015, als Seehofer die Vorsitzende der Schwesterpartei, die damals noch Angela Merkel hieß, wegen ihrer Flüchtlingspolitik auf offener Parteitagsbühne abkanzelte. Söder und „AKK“ hinterlassen in München den Eindruck, als wollten sie diese Zeiten vergessen machen.

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