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Deutschland / Welt „Neue IRA“? Zwei Festnahmen nach tödlichem Schuss in Nordirland
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „Neue IRA“? Zwei Festnahmen nach tödlichem Schuss in Nordirland
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14:11 20.04.2019
In Londonderry: Vermummte werfen Brandsätze in Richtung eines Polizeiwagens. Quelle: Niall Carson/PA Wire/dpa
Londonderry

Nach dem Mord an der Journalistin Lyra McKee sind in Nordirland zwei junge Männer festgenommen worden. Die 29-Jährige war am Donnerstagabend bei gewaltsamen Ausschreitungen in der Stadt Londonderry erschossen worden. Sie stand in einer Menschengruppe in der Nähe von Polizeifahrzeugen, als eine Kugel ihren Kopf traf.

Die Männer sind 18 und 19 Jahre alt, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Sie werden in Belfast, der Hauptstadt des britischen Landesteils, verhört. Die Polizei hatte am Freitagabend ein Video mit einem vermummten Verdächtigen zur Veröffentlichung freigegeben.

Steckt die „Neue IRA“ hinter dem Schuss?

Die Ermittler gehen von einem Terrorakt aus. Sie vermuten, dass hinter der Tat eine militante Republikaner-Gruppe namens Neue IRA stecken könnte. Sie hatte im März auch Paketbomben für sich reklamiert, die in London und Glasgow aufgetaucht waren.

Die politische Journalistin galt als Talent und war erst kürzlich von Belfast nach Londonderry gezogen. „Ein erstaunliches Potenzial wurde durch eine einzige barbarische Tat ausgelöscht“, sagte ihre Lebenspartnerin am Freitagabend in einer öffentlichen Rede.

Unruhen wegen eines historischen Datums

In Tatortnähe am Rande von Londonderry waren vor dem Mord mehr als 50 Brandsätze auf Polizisten geschleudert worden. Fahrzeuge brannten. Zuvor hatten Polizisten in dem Wohnviertel nach Waffen gesucht.

Auslöser für die Krawalle soll der jährliche Protest an Ostern im Zusammenhang mit dem Nordirland-Konflikt gewesen sein. Die neuen Unruhen trugen sich zu einem Zeitpunkt zu, an dem irisch-katholische Nationalisten an den Aufstand gegen die Briten im Jahr 1916 erinnern.

Politiker aus Großbritannien, der Republik Irland und aus Brüssel verurteilten die Tat scharf. EU-Chefunterhändler Michel Barnier sprach von einem „tragischen Mord“ und wertete die Tat als „Erinnerung daran, wie zerbrechlich der Frieden in Nordirland“ sei. „Wir müssen alle daran arbeiten, die Errungenschaften des Karfreitagsabkommens zu erhalten“, twitterte der Franzose.

Offiziell Frieden in Nordirland seit 20 Jahren

In Nordirland hatte jahrzehntelang ein Bürgerkrieg gewütet, bei dem Tausende Menschen ums Leben kamen und Zehntausende verletzt wurden. In dem Konflikt standen katholische Nationalisten, die eine Vereinigung mit Irland anstreben, protestantischen Unionisten gegenüber, die weiter zu Großbritannien gehören wollen.

Auch mehr als 20 Jahre nach dem friedensstiftenden Karfreitagsabkommen sind paramilitärische Gruppierungen aktiv. Sie agieren wie ein Staat im Staat und finanzieren sich unter anderem durch Drogenhandel. Die bewaffnete Gruppen erhoffen sich von einem Wiederaufflammen des Konflikts eine neue Legitimation und Geld.

Bloody Sunday machten Londonderry bekannt

Befürchtet wird, dass im Zuge des bevorstehenden Brexits die Gewalt zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland bei Einführung von Grenzkontrollen wieder aufflammen könnte.

Seit Jahresbeginn sind in Londonderry wiederholt Sprengsätze explodiert, ohne dass es dabei Verletzte gegeben hatte. Ein der Sprengsätze detonierte im Januar vor einem Gericht mitten in der Stadt.

Traurige Berühmtheit erlangte Londonderry durch den sogenannten Blutsonntag, an den auch Wandgemälde an Häusern erinnern. Britische Fallschirmjäger erschossen dort am 30. Januar 1972 – dem „Bloody Sunday“ – 13 katholische Demonstranten. Ein weiterer erlag Monate später seinen Verletzungen. Als Folge verschärfte sich der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten. Aus Rache verübte die irisch-republikanische Untergrundorganisation IRA mehrere Anschläge.

Von RND/dpa

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