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Deutschland / Welt Nahles-Rückzug und die Folgen: Schluss mit den Spielchen
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08:48 03.06.2019
Andrea Nahles Anfang April vor einer Fraktionssitzung im Bundestag. Quelle: imago images / photothek
Hannover

Aufstieg und Fall von Andrea Nahles geben den drei Buchstaben SPD eine bittere neue Bedeutung: sozialdemokratisches Psychodrama. Tagelang wollte Nahles mit dem Kopf durch die Wand. Zuletzt plante sie eine eiskalte, rein mechanische Machtdemonstration. Es drohte exakt jene Art von Führung, die sie selbst einst als Juso-Chefin kritisiert hat: Basta.

Als ihre Genossen murrten, suchte Nahles nicht etwa eine Neuaufstellung im Team. Nein, sie warf nun alles hin: den Parteivorsitz, den Fraktionsvorsitz und ihr Bundestagsmandat. Plötzlich will sie nicht mal mehr die Menschen in ihrer Heimat, der Vulkaneifel, im Bundestag vertreten.

Muss Politik so sein? So extrem, so krampfhaft, mit dieser ungesunden Steigerung in ein Alles-oder-nichts?

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Treuherzig bekunden nun viele SPD-Politiker vor den Kameras ihren „Respekt für die Entscheidung von Andrea Nahles“. Unter vier Augen sagen die gleichen Leute: Die Zeit mit Nahles an der Spitze war ein einziges Desaster. Eine ehrliche Bestandsaufnahme geht anders. Allzu oft schon hat die SPD es zugelassen, dass sich rund um ihre Führung schädliche Vier-Augen-Wahrheiten ausbreiten.

In der SPD gibt es viele, die leidenschaftlich gern über links oder rechts streiten – aber nur wenige, die sich einlassen auf eine Diskussion über Schein und Sein in ihrer Partei. Dabei sind Glaubwürdigkeit und Authentizität an der Spitze der Anfang von allem. Nur so ist der Langstreckenerfolg von Angela Merkel erklärbar. Nur so versteht man auch die Bedeutung des Duos Annalena Baerbock und Robert Habeck für den gegenwärtigen Höhenflug der Grünen.

Voreilig rufen manche in der SPD jetzt nach Neuwahlen. Doch welches Problem soll damit gelöst werden? Besser wäre es, wenn gerade in Zeiten immer neuer Youtube-Aufregungen alle Parteien mal einen Gang zurückschalten würden.

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Die Berliner politische Szene muss ihre dienende Funktion gegenüber den Bürgern neu entdecken. Die Deutschen haben bei der Bundestagswahl 709 Abgeordnete gewählt, davon sind 87 Prozent untereinander koalitionsfähig und pro-europäisch. Es gibt insofern überhaupt kein Problem in Deutschland. Dass die Politik immer wieder stockt, liegt allein an den jämmerlichen Spielchen von Politikern, die die Interessen ihrer Person und ihrer Partei zu wichtig nehmen und keine dienende Funktion gegenüber ihrem Land und in der EU akzeptieren.

Unvergessen ist das freidemokratische Psychodrama, die Ursünde der aktuellen Berliner Krisen: Christian Lindner verlor auf dem Weg zum Jamaika-Bündnis in letzter Minute die Nerven, weil er dachte, für ihn und seine FDP könne es nützlicher und eleganter sein, Zuschauer zu bleiben. Auch bei der FDP – Europawahlergebnis: 5,4 Prozent – steht eine ehrliche Bestandsaufnahme noch aus.

Von Matthias Koch/RND

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