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Deutschland / Welt Nach Laufzeitverlängerung wird es in den Zwischenlagern eng
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Nach Laufzeitverlängerung wird es in den Zwischenlagern eng
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22:16 19.11.2010
Von Margit Kautenburger
Im Zwischenlager des Kernkraftwerks Gundremmingen (Schwaben) stehen Castor-Behälter mit verbrauchten Kernbrennstäben.
Im Zwischenlager des Kernkraftwerks Gundremmingen stehen Castor-Behälter mit verbrauchten Kernbrennstäben. Quelle: dpa
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Die Atomwirtschaft sieht sich vor neue Entsorgungsprobleme gestellt. Aufgrund der beschlossenen Laufzeitverlängerung könnte es in den Zwischenlagern eng werden. Nur am niedersächsischen Kernkraftwerk Unterweser und am Reaktor Brunsbüttel in Schleswig-Holstein gibt es nach der Kalkulation des BfS genügend Platz für die abgebrannten Brenn­stäbe, wenn die Kernkraftwerke wie jüngst beschlossen acht bis 14 Jahre länger laufen.

Besonders eng werde es im AKW Gundremmingen (Bayern), wo die Lagerkapazitäten im Vollbetrieb nur noch für drei Jahre reichten, im hessischen AKW Biblis (vier Jahre) und im schleswig-holsteinischen AKW Krümmel (sechs Jahre). Allerdings relativierte die Behörde ihre Angaben gestern. „Das sind Berechnungen, die sich auf Zahlen des Atomkonsenses von 2000 stützen“, erklärte ein BfS-Sprecher. Man habe die Betreiber der Zwischenlager gebeten, ihre Zahlen zu aktualisieren.

Das Bundesumweltministerium bestreitet mögliche Engpässe und beruft sich auf Kalkulationen der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS). Auch die Kraftwerksbetreiber sehen keine Probleme. „Bei uns stellt sich die Kapazitätsfrage nicht“, versicherte eine e.on-Sprecherin. Das Unternehmen betreibt die unter anderem die Reaktoren Grohnde und Unterweser. Bei den Genehmigungen der Zwischenlager seien Puffer eingeplant. Allerdings erwarte e.on, dass der Bund, wie vereinbart, bis 2030 ein Endlager bereitstelle. Weil die Atomkraftwerke wegen des starken Zubaus an regenerativen Energien immer seltener voll ausgelastet würden, falle ohnehin weniger Müll an. Notfalls gebe es aber auch noch Kapazitäten in den Zwischenlagern Gorleben und Ahaus. „Die Lagerkapazitäten an allen unseren Standorten reichen aus“, heißt es auch bei RWE.

Offen ließ ein Unternehmenssprecher allerdings, ob für die Lagerung künftig auch die Abklingbecken in den Atomkraftwerken genutzt werden. Beides, trockene Aufbewahrung in Castor-Behältern und Nasslagerung, sei erlaubt. Einige Experten stufen die Nasslagerung allerdings als riskanter ein. Die Brennstäbe seien im Wasser anfälliger für Korrosion, die Terrorgefahr steige. Laut Bundesumweltministerium verursacht die Laufzeitverlängerung rund ein Drittel zusätzlichen hochaktiven Atommüll – rund 4400 Tonnen. Nach Ansicht der Grünen fallen sogar bis zu 4800 Tonnen mehr an. „Die Atomwirtschaft hat ein ungelöstes Problem“, sagt die Grünen-Atomexpertin im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl. Fast keines der Zwischenlager verkrafte die Laufzeitverlängerungen.

Das zeitliche Konzept der Bundesregierung gehe nur auf, wenn es in Gorleben bis 2030 ein Endlager gebe. „Nach allem, was wir im Bundestagsuntersuchungsausschuss hören, ist das unwahrscheinlich.“