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Deutschland / Welt Mindestens 16 Tote bei schwerem Anschlag auf NATO-Truppe in Kabul
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Mindestens 16 Tote bei schwerem Anschlag auf NATO-Truppe in Kabul
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17:37 17.09.2009
Bei dem Selbstmordanschlag sind 16 Menschen ums Leben gekommen.
Bei dem Selbstmordanschlag sind 16 Menschen ums Leben gekommen. Quelle: AFP
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Unterdessen wies Präsident Hamid Karsai Betrugsvorwürfe gegen die Präsidentschaftswahl zurück, die laut Experten zu einem Erstarken der Aufständischen führen könnten.

Der Anschlag ereignete sich zur Mittagszeit auf einer belebten Straße zum Flughafen, rund einen Kilometer vor den Toren der US-Botschaft in Kabul. Augenzeugen zufolge steuerte ein Selbstmordattentäter ein mit Sprengstoff beladenes Auto in ein gepanzertes Fahrzeug, das die italienische Flagge trug. Wie der italienische Verteidigungsminister Ignazio La Russa in Rom sagte, waren zum Zeitpunkt des Angriffs zehn italienische Fallschirmjäger in zwei Fahrzeugen unterwegs. Sechs von ihnen seien getötet, drei weitere verletzt worden.

Wie der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Semarai Baschari, der Nachrichtenagentur AFP sagte, wurden 55 Zivilisten verletzt. „Es handelte sich um einen Bombenanschlag auf die internationalen Truppen.“

Für Italien sind derzeit 3250 Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Rom ist damit der sechstgrößte Truppensteller am Hindukusch. Ministerpräsident Silvio Berlusconi bekundete den Angehörigen sein Beileid. Der afghanische Staatschef Karsai verurteilte den Anschlag als „barbarisch“ und „anti-islamisch“. Kabul war in jüngster Zeit häufig Schauplatz von Anschlägen, mit denen die Taliban versuchen, die Regierung zu torpedieren.

Im Europaparlament löste die Tat Bestürzung aus. Die Abgeordneten gedachten der Opfer mit einer Schweigeminute. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Gabriele Albertini, äußerte sich „schockiert und entsetzt“.

Um ein Erstarken der Aufständischen durch die Betrugsvorwürfe gegen die Präsidentschaftswahl zu verhindern, schlug das in London ansässige Forschungsinstitut International Council on Security and Development (ICOS) eine Übergangsregierung vor. Da sich die Bekanntgabe des amtlichen Endergebnisses durch die Neuauszählung in mehr als 2500 Wahllokalen verzögere und ein möglicher zweiter Durchgang wegen des bevorstehenden Winters vielleicht erst im Mai abgehalten werden könne, sei eine Übergangsregierung „die einzige Möglichkeit“, mit der Afghanistan aus einem „gefährlichen politischen Vakuum“ befreit werden könne, sagte ICOS-Analyst Alexander Jackson.

Präsident Karsai wies die Betrugsvorwürfe am Donnerstag zurück und verbat sich eine Einmischung des Auslands in die Neuauszählungen. „Wenn es Betrug gab, dann war es gering - das passiert überall in der Welt“, sagte er. Die Medien hätten von großangelegtem Betrug berichtet, aber das stimme nicht. Er hoffe, dass das Ausland die unabhängige Wahlkommission (IEC) und die von der UNO unterstützten Beschwerdekommission (ECC) ohne Einmischung ihre Arbeit tun lasse.

Nach dem am Mittwoch vorgelegten vorläufigen Endergebnis erhielt Karsai bei der Wahl am 20. August 54,6 Prozent der Stimmen; sein schärfster Herausforderer Abdullah Abdullah kam auf knapp 28 Prozent. Dieser forderte eine Stichwahl. „Betrug kann nicht die Grundlage für Stabilität in Afghanistan sein“, sagte er.

afp