Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Deutschland / Welt Mehr Freiheit für Bachelor-Studenten
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Mehr Freiheit für Bachelor-Studenten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:50 16.10.2009
Von Marina Kormbaki
Der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Mecklenburg- Vorpommerns Bildungsminister Henry Tesch (CDU), spricht zu Beginn der Kultusministerkonferenz im Naturkundemuseum Müritzeum mit Schulsenatorin Christa Goetsch (GAL, l.) und Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU, beide aus Hamburg) sowie Elisabeth Heister-Neumann (CDU, r.), Kultusministerin des Landes Niedersachsen.
Der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Mecklenburg- Vorpommerns Bildungsminister Henry Tesch (CDU), spricht mit Schulsenatorin Christa Goetsch (GAL, l.) und Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU, beide aus Hamburg) sowie Elisabeth Heister-Neumann (CDU, r.), Kultusministerin des Landes Niedersachsen. Quelle: lni
Anzeige

Nach ihrer Sitzung in Waren an der Müritz stellte die Kultusministerkonferenz (KMK) gestern einen Katalog an Forderungen und Empfehlungen vor, mit denen sie der „empfundenen Überregulierungen und einzelnen Schwächen des Bologna-Prozesses“ begegnen möchte, wie es hieß.

Dazu sollen die Hochschulen bei der Einführung oder Überarbeitung der neuen Studiengänge die vorhandene Bandbreite von Regelstudienzeiten in Bachelor-Studiengängen nutzen. Bisher sind fast alle Bachelor-Studiengänge an deutschen Hochschulen auf sechs Semester angelegt – nach den europaweiten Vorgaben kann jedoch die Regelstudienzeit bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss bis zu acht Semester betragen.

Mit ihren Appellen und Empfehlungen an Hochschulen und Länder fordern die Kultusminister nicht weniger als die realistische Studierbarkeit der neuen Studiengänge ein. So soll jedes Fach darauf geprüft werden, ob die zu vermittelnden Kompetenzen sinnvoll definiert sind, der Stoff in der vorgegebenen Regelstudienzeit zu bewältigen ist, der Prüfungsumfang nicht zu groß ist und die Ziele des Studiengangs tatsächlich erreicht werden. Hierauf sollen die Akkreditierungsagenturen achten, wenn sie über die Zulässigkeit der reformierten Studiengänge entscheiden. Neben Studierenden sollen nach dem Willen der KMK künftig auch Arbeitgeber verstärkt in die Umstellung der Studiengänge eingebunden werden und Einfluss auf die Gestaltung der Lehrpläne nehmen können. Bei Arbeitgebern sehen die Minister noch Informationsdefizite, die für das „Imageproblem“ der neuen Abschlüsse verantwortlich seien. Viele Unternehmen wüssten die neuen Abschlüsse noch immer nicht richtig einzuordnen.

Kritiker des seit 1999 vorangetriebenen Bologna-Prozesses, der die Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes vorsieht, bemängeln die Überfrachtung und unflexible Gestaltung der Lehrpläne. Dies erschwere einen Auslandsaufenthalt – dabei ist die Internationalisierung eines der Hauptziele der Hochschulreform. Derzeit gehen nur 15 Prozent der Bachelor-Studenten ins Ausland, in den Diplomstudiengängen waren es 24, in den Magisterstudiengängen sogar noch 49 Prozent. Die KMK fordert die Hochschulen zur Einrichtung von „Mobilitätsfenstern“ auf, die den Wechsel zwischen Hochschulen erleichtern sollen. Um dem durch die Einführung von Studiengebühren erhöhten finanziellen Druck auf Studierende zu begegnen, wollen sich die Minister auch für einen Ausbau der staatlichen Bafög-Unterstützung einsetzen.

SPD und Grüne kritisierten den KMK-Katalog: Die Vorschläge seien halbherzig und unkonkret. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zeigte sich enttäuscht und bemängelte, es fehlten „konkrete Schlussfolgerungen für die eigene Politik der KMK“.