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Deutschland / Welt Machtspielchen und Intrigen – Wie Politiker miteinander umgehen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Machtspielchen und Intrigen – Wie Politiker miteinander umgehen
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20:31 03.06.2019
Andrea Nahles hat ein Erwachsenen-Leben lang in der SPD gearbeitet. Jetzt zieht sie sich komplett aus der Politik zurück. Quelle: Andreas Arnold/dpa
Berlin

„Brutal“. „Unglaubliche Rohheit“. „So wäre man mit einem Mann nicht umgesprungen.“ Nach dem Rücktritt von Andra Nahles (SPD) von allen Posten mahnen führende Sozialdemokraten wie Olaf Scholz oder Karl Lauterbach einen menschlichen Umgang in der Politik an. Ist die bisherige SPD-Vorsitzende besonders brutal abgesägt worden?

„Da werden nun viele Krokodilstränen vergossen“, sagt die Politikwissenschaftlerin Prof. Ursula Münch von der Akademie für politische Bildung in Tutzing dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Brutale und rücksichtslose – ich möchte sogar sagen widerliche – Machtkämpfe und Intrigen gab es auf dieser Flughöhe in der Politik schon in den 50er und 60er Jahren. Der Unterschied zu heute: Damals blieben diese oft im Verborgenen.

Das hat Politiker auch ein Stück weit geschützt. Heute ist das mit dem Druck der Öffentlichkeit und den sozialen Medien anders. Vieles kommt an die Oberfläche.“

Hat Frauenfeindlichkeit eine Rolle beim Sturz von Nahles gespielt?

Nach Ansicht Münchs hält dieses Phänomen schon heute viele Menschen davon ab nach höheren politischen Ämtern zu streben, obwohl sie die Befähigung dazu hätten. „Viele denken sich wohl: Das tue ich mir und meiner Familie nicht an.“

Hat das Scheitern von Andrea Nahles mit „frauenfeindlichen Anteilen“ in der Politik zu tun, wie sie unter anderem Finanzminister Scholz anprangert? „Ich kann das in diesem Fall nicht erkennen, auch wenn für Frauen in der Politik im Vergleich zu Männern zusätzliche Kriterien gelten – wie beispielsweise ihr Aussehen“, so Münch.

Auch mit männlichen SPD-Vorsitzenden wie Kurt Beck sei in der Vergangenheit brutal umgegangen worden. Die Expertin: „Auf mich wirken solche Äußerungen schon fast wieder herablassend, nach dem Motto: Seht her, was mit Frauen in der Politik geschieht, überlegt es euch gut!

Dabei ist klar, dass Andrea Nahles oder auch Frau Kramp-Karrenbauer gestandene Frauen sind, die sehr genau wissen und gewusst haben, worauf sie sich einlassen.“

Der fatale Hang in der SPD, immer das Haar in der Suppe zu suchen

Dass ausgerechnet die Sozialdemokraten ihre Vorsitzenden so oft stürzen, ist für Münch kein Zufall: „Die SPD ist eine Überzeugungspartei, kein pragmatischer Zusammenschluss verschiedener Gruppen wie die Union. Ihre Mitglieder tendieren deshalb dazu, in jeder Situation das Haar in der Suppe zu suchen und das auch den Vorsitzenden anzulasten. Kommen dann schlechte Wahlergebnisse hinzu, wird es kritisch.“

Nahles’ Rückzug aus der Politik ist für Münch nur konsequent: „Sie weiß genau, wie die Partei mit Vorsitzenden in ihrer Position umgeht und was sie die nächsten Monate erwartet hätte – schließlich hat sie selbst in der Vergangenheit oft genug verdeckte Machtspielchen gespielt.“

Von Christian Burmeister/RND

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