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Deutschland / Welt Kramp-Karrenbauer bei Maischberger: Neue CDU-Chefin tritt zum Vorstellungsgespräch an
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07:07 31.01.2019
„Katholisch, konservativ, Kanzlerin?“, wollte die ARD-Moderatorin Sandra Maischberger von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer wissen. Die bemühte sich, den Zuschreibungen zu entsprechen. Quelle: WDR/Max Kohr
Berlin

Die Sendung ist schon fast zu Ende, als Sandra Maischberger mit ihrem Gast noch über Männer sprechen will. Ein Thema, auf das Annegret Kramp-Karrenbauer offenbar nur gewartet hat. Jedenfalls scheint die CDU-Chefin einigen Spaß bei der Beantwortung von Maischbergers Entweder-Oder-Fragen zu haben.

„Trump oder Putin?“, fragt TV-Moderatorin, und Kramp-Karrenbauer erwidert: „Naja. Beide gleichermaßen schwierig.“ Christian Lindner oder Robert Habeck? „Gilt das gleiche.“ Friedrich Merz oder Wolfgang Schäuble? Kramp-Karrenbauers Mundwinkel zucken leicht, die Augen leuchten listig auf, sie wartet. Und sagt: „Sind mir beidermaßen lieb.“ Es ist einer von mehreren Momenten an diesem Mittwochabend, die offenbaren, dass hinter der bieder-höflichen Erscheinung dieser Frau Kampfeslust und Ambitionen stecken.

Kramp-Karrenbauer wird persönlich

Kramp-Karrenbauer war in der ARD-Sendung „Maischberger“ zu Gast – zum ersten Mal ganz allein, ohne sich die Redezeit mit anderen Gästen teilen zu müssen. Eine seltene, meist nur Kanzlerinnen und Kanzlern vorbehaltene Ehre in den abendlichen Talkshows von ARD und ZDF. Ganz so, als wüsste sie auch nicht recht, ob nun so viel Exklusivität angebracht ist, hatte die Redaktion die Sendung unter den zweifelnden Titel „katholisch, konservativ, Kanzlerin?“ gestellt. Es wurde eine Sendung, die über weite Strecken mehr einem Vorstellungsgespräch als einem Polit-Talk glich.

AKK, wie die einstige saarländische Ministerpräsidentin im politischen Berlin genannt wird, gewährte dem Publikum einen tiefen Einblick in ihre Lebensgeschichte. Sie erzählte davon, dass es als jüngstes von sechs Kindern nicht immer leicht war, zu seinem Recht zu kommen. Dass sie nach dem Tod des Vaters beinah das Politikstudium geschmissen hätte. Dass sie mit der frühen Heirat und der Gründung einer eigenen Familie wieder Halt fand. Kramp-Karrenbauer gab sich in dem bemerkenswert persönlichen Plausch mit Maischberger aber auch Mühe, den im Titel der Sendung aufgelisteten Zuschreibungen zu entsprechen – und nebenbei den von vielen Konservativen vorgebrachten Vorwurf der Verwechslungsgefahr mit Angela Merkel zu entkräften. 

AKK – die Katholikin: Der wöchentliche Kirchenbesuch war bei Familie Kramp Pflicht. Sie habe auch gebeichtet, erzählt Kramp-Karrenbauer. Seit dem letzten Mal aber seien schon viele Jahre vergangen. Auf die Frage, ob sie an ein Leben nach dem Tod glaube, antwortet sie prompt mit Ja. Als Maischberger sie auf ein Foto anspricht, das sie beim Besuch von Papst Benedikt verschleiert zeigt, verweist Kramp-Karrenbauer auf das Protokoll, spricht von einem „Zeichen des Respekts“. Das sei etwas ganz anderes als das Kopftuch bei Musliminnen. Im Islam sei das Kopftuch ein ambivalentes Symbol, weil es bei ihr ambivalente Gefühle auslöse. Beim Anblick von Musliminnen mit Kopftuch frage sie sich stets, ob die Frauen zum Tragen gezwungen seien, erzählt Kramp-Karrenbauer. Gegen den Bau einer Moschee in ihrer Straße hätte sie aber nichts. Das wäre „als Ausdruck der Religiosität ok.“

Bei der Ehe für alle gibt sich AKK konservativ

AKK – die Konservative: Als Beleg für die vermeintlich traditionellen gesellschaftspolitischen Ansichten Kramp-Karrenbauers soll stets ein vor einigen Jahren geäußertes Zitat dienen, in dem sie die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare in die Nähe von Inzest und Polygamie gerückt hat. Mit dem Verweis auf diese Straftatbestände kriminalisiere sie Lesben und Schwule, wirft auch Maischberger ihr im konfrontativsten Part der Sendung vor. Kramp-Karrenbauer bleibt bei ihrem Satz – trennt aber zwischen ihrer „sehr persönlichen Meinung“ und dem, was sie als CDU-Chefin vertritt. Die Partei habe sich im Bundestag für die Öffnung der Ehe ausgesprochen – „und das werde ich mit allem, was ich hab‘, verteidigen“.

Neben diesem persönlichkeitsspalterischen Trick wählt Kramp-Karrenbauer eine weitere Art der Relativierung ihrer angeblichen Überzeugung: Sie zitiert ihre drei Kinder: Die finden die Haltung ihrer Mutter zur Ehe für alle „ausgesprochen dämlich und doof“. Aber sie sei nun einmal nicht bereit, ihre Position zu ändern, bloß weil sie damit nicht auf Zuspruch stoße, empört sie sich. Der eine oder andere Zuschauer wird Kramp-Karrenbauer an dieser Stelle vielleicht den Gefallen getan haben und ihr vom Wohnzimmer aus mit einem „Jawohl!“ zugestimmt haben.

„Wir schaffen das“ – Ja?

AKK – die Kanzlerin? Erwartungsgemäß kommt die Frage, erwartungsgemäß fällt die Antwort aus: Wer CDU-Chef werden wolle, der müsse sich auch die Kanzlerkandidatur vorstellen. Ihre Aufgabe sei es zunächst aber, die CDU zu stärken. Mit oder in Abgrenzung zu ihrer Förderin Angela Merkel? Das ist die schwerste Frage für Kramp-Karrenbauer – an diesem Abend und überhaupt. Sie windet sich, etwa als das Flüchtlingsthema aufkommt und sie sagen soll, ob Deutschland es, wie von Merkel 2015 prophezeit, geschafft hat: „Schwer zu sagen“, antwortet sie. Wie denn ihr Verhältnis zu Merkel sei? Kramp-Karrenbauer sitzt da mit übereinandergeschlagen Beinen, die Schuhspitze malt hektisch Kreise in die Luft. „Gut“, sagt sie. „Ich glaube, dass wir uns gegenseitig vertrauen.“ Es fällt ihr leichter, über Männer zu reden als über Angela Merkel.

Von Marina Kormbaki / RND

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