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Deutschland / Welt Koran-Verteilung stößt auf breite Kritik
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Koran-Verteilung stößt auf breite Kritik
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13:43 12.04.2012
Foto: Radikalislamistische Salafisten haben erklärt, in Fußgängerzonen von Großstädten und im Internet 25 Millionen Koran-Exemplare an Nichtmuslime abgeben zu wollen.
Radikalislamistische Salafisten haben erklärt, in Fußgängerzonen von Großstädten und im Internet 25 Millionen Koran-Exemplare an Nichtmuslime abgeben zu wollen. Quelle: dpa
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Berlin

Unionsfraktionschef Volker Kauder hat die Gratis-Abgabe von 25 Millionen Koran-Exemplaren durch radikale Salafisten als Missbrauch der Heiligen Schrift des Islam kritisiert. Zugleich stellte er die Frage nach der Finanzierung der Aktion.

„Ich verurteile die Aktion scharf. Der Koran wird hier für extremistische Umtriebe missbraucht“, sagte Kauder am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Zurecht distanzieren sich muslimische Verbände in Deutschland von diesem Missbrauch der Religionsfreiheit. Im Übrigen würde mich dringend interessieren, woher das Geld für diese Aktion stammt“, sagte der CDU-Politiker.

Radikalislamistische Salafisten hatten erklärt, in Fußgängerzonen von Großstädten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz und im Internet 25 Millionen Koran-Exemplare an Nichtmuslime abgeben zu wollen. Die Ulmer Druckerei Ebner & Spiegel stoppte einem Zeitungsbericht zufolge die Lieferung der Ausgaben. Der Salafismus ist nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes ein Sammelbecken für gewaltbereite Islamisten und hat in Deutschland rund 2500 Anhänger. Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und bestehen etwa auf die Vollverschleierung von Frauen.

Wenig Chancen für Verbot

Die FDP-Innenexpertin Gisela Piltz sieht wenig Chancen für ein Verbot der angekündigten massenweisen Verteilung von Koranen durch Salafisten. Dafür gebe es keine gesetzliche Grundlage, sagte die innenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Solange bei der konkreten Verteilung in Fußgängerzonen oder anderswo keine Gesetze verletzt werden, ist ein Verbot nicht mit dem Rechtsstaat vereinbar.“ Die Verfassung schütze das Werben für den eigenen Glauben, solange dieser nicht die Verfassung ablehne.

Radikalislamistische Salafisten hatten erklärt, in Fußgängerzonen von Großstädten und im Internet 25 Millionen Koran-Exemplare an Nichtmuslime abgeben zu wollen. Unions-Fraktionsvize Günter Krings (CDU) hatte gefordert: „Wo immer dies möglich ist, muss diese aggressive Aktion gestoppt werden.“ Auch Politiker von Grünen und SPD wandten sich gegen die Aktion. Die Ulmer Druckerei Ebner & Spiegel stoppt nach Angaben eines Sprechers in der „Welt“ (Donnerstag) die Lieferung der Gratis-Korane. Der NRW-Verfassungsschutz beobachtet die Vorgänge.

Für den Religionssoziologen Rauf Ceylan ist die Koran-Verteilung in erster Linie eine große PR-Kampagne der Salafisten. „Fundamentalistische Gruppen wollen vor allem eins: Aufmerksamkeit“, sagte der Osnabrücker Islamwissenschaftler der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Piltz forderte mehr Aufklärung, welche Botschaft friedlicher Glaubensausübung der Koran für die weit überwiegende Mehrheit der Muslime enthalte. „Die schwarzen Schafe des radikalen Salafismus dürfen nicht mit dem Islam verwechselt werden“, sagte sie.

dpa

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