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Deutschland / Welt Kapitän der „Hansa Stavanger“ wieder bei seiner Familie
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20:20 12.08.2009
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Der Kapitän der „Hansa Stavanger“ und seine Frau sitzen mit ihrem Labrador Ivo in einem Park vor ihrem Haus. Quelle: Joerg Koch/ddp
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„Wir sind einfach beide fertig mit den Nerven“, schildert Bozena Kotiuk ihre Gefühlslage. Sie könne es „fast nicht glauben“, dass ihr Mann nach viermonatiger Geiselhaft wieder zu Hause ist. Am Dienstag konnte sie ihn wieder in die Arme schließen: Es sei der „wunderbarste Moment“ ihres Lebens gewesen, sagt sie.

Beim Spaziergang durch die Grünanlage um einen schmucklosen Wohnblock im Münchner Süden, wo das Ehepaar wohnt, wird Krzysztof Kotiuk am Mittwoch von Anwohnern angesprochen. „Schön, dass Sie wieder da sind. Wie geht’s Ihnen?“ ruft ein Mann dem Kapitän zu und schüttelt dessen Hand. Freundlich wechselt Kotiuk mit dem Nachbarn ein paar Sätze, berichtet ihm, dass er in der Gewalt der Piraten 15 Kilogramm abgenommen habe. Eigentlich aber sehnt sich der 60-Jährige nach seiner Rückkehr einfach nur nach viel Ruhe, wie er immer wieder betont.

Die Geiselhaft sei für ihn „psychisch eine ganz große Belastung“ gewesen, denn die ganze Last habe auf seinen Schultern gelegen: Zum einen habe sich der ganze Druck und Terror der Piraten auf ihn konzentriert, zum anderen habe er seine Crew betreuen und beruhigen müssen. „Ich habe gedacht, ich komme nicht mehr zurück“, sagt er nachdenklich. Über nähere Details der Entführung mag er vorerst lieber nicht reden. Bozena Kodiuk ist sich sicher: „Es wird nicht einfach, das alles zu verarbeiten.“

Umso größer ist die Freude des Kapitäns, wieder bei seiner Frau und seinem preisgekrönten schwarzen Labrador mit dem klangvollen Namen „Duke of Bakehouse Spirit Ivo“ zu sein. In München fühlt sich der gebürtige Pole seit mehr als 20 Jahren „einfach wie zu Hause“:
Die Mentalität der Menschen sei ähnlich wie in seiner Heimat Südpolen. Seinen Humor hat der Kapitän trotz der Strapazen und Ängste der vergangenen Monate nicht verloren: Hund Ivo habe ihn bei seiner Rückkehr begeisterter empfangen als seine Frau, scherzt er. Bozena Kotiuk protestiert: „Ich bin gar nicht an Dich rangekommen wegen Ivo.“

Die am 4. April rund 400 Seemeilen östlich von Mombasa von somalischen Piraten gekaperte „Hansa Stavanger“ der Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg war vor mehr als einer Woche wieder freigekommen. Medienberichten zufolge erhielten die Seeräuber 2,75 Millionen Dollar Lösegeld. Das Bundeskriminalamt (BKA) will die Entführung weiter aufklären. Ein BKA-Beamter habe ihm versprochen, ihm eine Woche Ruhe zu gewähren, sagt Kotiuk. Dann werde er bei den Ermittlungen mithelfen müssen: „Das ist das Schwerste für mich.“

Zur See werde er „nicht so schnell“ wieder fahren, sagt der 60-Jährige. Er müsse erst wieder „der alte Kapitän“ werden. Im Moment würde er nach eigener Einschätzung in jedem Fischerboot ein Piratenschiff sehen. „Ich könnte etwas Falsches machen, die falschen Befehle geben.“

Dreieinhalb Jahrzehnte lang war Kotiuk auf den Weltmeeren unterwegs, und die Leidenschaft für die Seefahrt scheint er auch durch die Schrecken der Geiselhaft nicht verloren zu haben. Nach einer Pause fügt er hinzu: „Ich hoffe, dass alles wieder ok wird und ich wieder zurück zur See kann.“

ddp

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