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Deutschland / Welt Kanzlerin spricht beim Gillamoos
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Kanzlerin spricht beim Gillamoos
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17:23 03.09.2012
Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Gillamoos.
Prost: Kanzlerin Angela Merkel beim politischen Jahrmarkt Gillamoos in Abendsberg. Quelle: dpa
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Abendsberg

Der erste Montag im September ist beim Gillamoos seit Jahren deftigen Auftritten von Politikern vorbehalten, die parallel in verschiedenen Bierzelten reden. Ein wenig wie Aschermittwoch im Frühherbst, bei Bier, Brezeln und Blasmusik. Vor zehn Jahren war Merkel freilich als damalige CDU-Vorsitzende schon einmal in Abendsberg aufgetreten. Die Konkurrenz war heuer groß. Der Bierzelt-erprobte Christian Ude, Münchner Oberbürgermeister und SPD-Spitzenmann für die Landtagswahl 2013, Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin, das schleswig-holsteinische FDP-Enfant-Terrible Wolfgang Kubicki und der Chef der Freien Wähler Hubert Aiwanger redeten in den Zelten nebenan.

Zu Merkels Einzug spielte die Blaskapelle zünftig den Marsch „Preußens Gloria“. Es gab einige Spannung vor dem Auftritt der Kanzlerin, die gerade von der China-Reise zurückgekommen war. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt hatte forsch den Rauswurf Griechenlands aus dem Euroraum verlangt und den Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi bierzeltmäßig zum „Falschmünzer Europas“ gestempelt. Merkel stieß, äußerlich ungerührt, mit CSU-Haudrauf Dobrindt an. Zünftig mit einer Maß Bier. Auf die harschen Töne der Schwesterpartei ging sie nicht ein. Stattdessen hielt Merkel eine fast staatstragende Rede. Es gab keine Schenkelklopfer, auf die das Publikum eigentlich wartete. Dafür wurde jedoch viel Beifall gespendet.

Merkel hielt eine Art Regierungserklärung in Sachen Europa- und Weltpolitik. Und sie zeichnete lange historische Linien. 67 Jahre in Frieden zu leben sei keine Selbstverständlichkeit. Starker Beifall, das Murmeln im Zelt verebbte. Zwar mahnte sie Reformen in Griechenland an und schloss einen „Schuldenunion“ in Europa erneut kategorisch aus. Doch Merkel stellte ebenso klar, in einer solch schwierigen Phase hätten „diese Länder unsere Solidarität verdient, dass wir ihnen wünschen, dass sie diese Schwierigkeiten überwinden können“. Dobrindt lächelte bei diesen Worten etwas gequält.

Der CSU und dem Freistaat, über dem gestern ein weiß-blauer Himmel strahlte, lobte Merkel das eine ums andere Mal: Wenn Deutschland von den Bankern die Spitzenwertung Dreimal A bekomme, müsse Bayern noch drei Sterne obendrauf haben. „Ich find`s toll, dass sie an der Spitze sind.“ Ihre Regierung setze auf Zukunftsthemen wie Bildung und Forschung. Deutschland müsse bereit sein für Veränderungen, damit es weiter in Wohlstand leben könne. Wenn anderswo prosperierende Metropolen aus dem Boden schössen, könne sich Deutschland den Widerstand gegen neue Infrastrukturprojekte, gegen neue Landebahnen (Flughafen München) oder Verzögerungen (Flughafen Berlin) einfach nicht leisten. Zumindest an dieser Stelle lachten einige. Zum heftig beklatschten Auszug Merkels spielte die Kapelle „Angie“, nach dem Hit der Rolling Stones.

Reinhard Zweigler

03.09.2012
03.09.2012