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Deutschland / Welt Weniger Interviews: Kanzlerin Merkel spricht immer seltener mit den Medien
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Weniger Interviews: Kanzlerin Merkel spricht immer seltener mit den Medien
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15:38 01.11.2019
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht immer seltener mit Medien. Quelle: Fabian Sommer/dpa/imago images/Christian Thiel/Montage RND
Berlin

Ob Atomausstieg oder Flüchtlingspolitik: Es galt nie als große Stärke von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), den Bürgern ihre Politik ausführlich zu erklären. Ob das zum Ende ihrer Kanzlerschaft besser wird, ist fraglich: Mit Rundfunk und Presse jedenfalls redet die 65-Jährige immer seltener.

Wie eine Übersicht des Bundespresseamts (BPA) verrät, hat die Kanzlerin im vorigen Jahr deutschen Medien nur noch 22 Interviews gegeben. In den Jahren zuvor waren es im Durchschnitt noch mehr als 60 einzelne Beiträge. Das berichtet der "Tagesspiegel". Merkel gab 2018 achtmal Zeitungen und Zeitschriften ein Interview. 14-mal trat sie in einzelnen TV- oder Radiosendungen auf.

Nur 2015, als die Massenmigration nach Deutschland einen Höhepunkt erreichte, war Merkel gegenüber den deutschen Medien ähnlich wortkarg. Damals waren es aber immerhin noch 33 Interview-Auftritte. Das Bundespresseamt hatte die Zahlen erst nach der Klage eines Anwalts veröffentlicht und zunächst behauptet, diese Zahlen ließen sich nicht ermitteln.

Das Kanzleramt setzt verstärkt auf die sozialen Medien

Warum macht sich die Kanzlerin in den Medien so rar? Das könnte auch mit den digitalen Strategien von Kanzleramt und BPA zusammenhängen. Die Bundesregierung nutzt Social-Media-Angebote wie Facebook, YouTube, Flickr, Instagram und Twitter nach eigenen Angaben als „zeitgemäße Erweiterung ihrer Öffentlichkeitsarbeit“. Diese Angebote seien „bürgernah“ und sorgten für mehr Transparenz. Zudem unterhält die Kanzlerin seit 2006 einen eigenen Video-Podcast.

Mitte Oktober sorgte ein "Interview" von Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus mit Angela Merkel für Aufsehen, das die Bundestagsfraktion auf Youtube stellte. Brinkhaus befragte darin die Kanzlerin zur deutschen Einheit.

Über die digitalen Netzwerke und selbst produzierte Inhalte lässt sich das eigene Bild in der Öffentlichkeit besonders gut formen. Auf die Spitze hat das US-Präsident Donald Trump getrieben, der seine Botschaften praktisch nur über Twitter verbreitet und mit Journalisten, die kritische Fragen stellen könnten, praktisch nicht redet.

"Platte PR, kein erklärender Journalismus"

Der Deutsche Journalisten-Verband kritisiert den Rückzug Merkels von der Presse: „Interviews mit Spitzenpolitikern zu führen, ist Aufgabe von Journalisten“, sagte der Bundesvorsitzende Frank Überall der Zeitung. Die Videobotschaften der Kanzlerin seien „platte PR, aber kein erklärender Journalismus.“ Zudem hält Überall es für „verhaltensoriginell“, dass das BPA die Informationen angesichts Transparenzbeteuerungen der Regierung zurückhalten wollte. „Geheimniskrämerei verträgt sich nicht mit Regierungshandeln in einer Demokratie.“

Aufschlussreich ist auch ein Blick auf die Regierungspressekonferenzen in Berlin, die in der Regel dreimal in der Woche stattfinden: Während Merkels Vorgänger Gerhard Schröder (SPD) in den sieben Jahren seiner Amtszeit 26-mal daran teilnahm, erschien Merkel in 13 Jahren Kanzlerschaft nur zu 24 Terminen.

Von Christian Burmeister/RND

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