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Deutschland / Welt Impf-Extra für Politiker
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Impf-Extra für Politiker
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22:52 18.10.2009
Von Reinhard Urschel
Quelle: ddp (Symbolbild)
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Das Mittel für die Funktionsträger des Staates enthält nicht jenen Wirkungsverstärker, der in dem Präparat Pandemrix enthalten ist, das die Bundesregierung für den Großteil der Bevölkerung bestellt hat. Ob das Mittel ohne Verstärker freilich besser ist, lässt sich nicht ohne Weiteres beantworten. Der Impfstoff Celvapan ist nach Angaben von Medizinern weniger erprobt.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte am Sonntag, dass für die Regierung und nachgeordnete Bundesbehörden 200.000 Dosen eines Impfstoffs ohne Wirkungsverstärker vom US-Hersteller Baxter International bestellt worden sind. Dieser Impfstoff hat Experten zufolge weniger Nebenwirkungen als das Konkurrenzprodukt vom Pharmahersteller GlaxoSmithKline. Dessen Pandemrix soll diese Woche in 50 Millionen Dosen in Deutschland bereitgestellt werden, kommenden Montag kann die Massenimpfung beginnen.

Der Chef der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, sprach von einem „Skandal“, der den Menschen kaum zu vermitteln sei. Die Impfkampagne werfe viele Probleme auf, und ihr Nutzen sei ungewiss: „Die Gesundheitsbehörden sind auf eine Kampagne der Pharmakonzerne hereingefallen, die mit einer vermeintlichen Bedrohung schlichtweg Geld verdienen wollen“, sagte Ludwig dem „Spiegel“. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der „Bild am Sonntag“: „Dieser Vorgang ist äußerst unglücklich. So entsteht der Eindruck einer Zweiklassenmedizin bei der Impfung.“

In den Ländern werde es eine Sonderbehandlung beim Impfen hingegen nicht geben, kündigte die niedersächsische Gesundheitsministerin Mechthild Ross-Luttmann an: „Niedersachsen hat, wie übrigens alle Bundesländer, für die Politiker, die Beamten und die Bevölkerung denselben Impfstoff geordert.“

Die Bundesregierung bemüht sich nach Angaben von Gesundheitsstaatssekretär Klaus Theo Schröder derzeit, den Impfstoff ohne Verstärker auch für Schwangere zu besorgen. Ärztefunktionäre verwiesen am Sonntag darauf, dass auch Kinder unter drei Jahren den milderen Impfstoff benötigten.

Weshalb es überhaupt unterschiedliche Impfstoffe gibt, wurde von den zuständigen Ministerien für Inneres und Gesundheit am Sonntag nicht schlüssig beantwortet. Dem Vernehmen nach geht es tatsächlich darum, mögliche Nebenwirkungen bei den Funktionsträgern zu vermeiden. Dazu sollen zeitweiliges Unwohlsein und Hautrötungen gehören.