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Deutschland / Welt Hasstiraden vor leeren Stühlen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Hasstiraden vor leeren Stühlen
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23:22 24.09.2009
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad Quelle: afp
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Israel sieht seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Der israelische US-Botschafter Michael Oren sah Elemente des „klassischen Antisemitismus“ in der Rede, die am Mittwoch zum Eklat in den Vereinten Nationen geführt hatte. Mit einer gewissen Genugtuung wurde allerdings in Israel aufgenommen, dass zahlreiche westliche Repräsentanten den Saal während der Rede aus Protest verließen. Der Armeesender zählte die USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Schweden als Staaten auf, deren Vertreter sich dem Boykott der Ansprache anschlossen. „Die (Repräsentanten der) Mehrheit der Staaten der freien Welt sind aufgestanden und sofort gegangen“, sagte der israelische Außenminister Avigdor Lieberman am Donnerstag mit Zufriedenheit. „Dies zeigt, dass Entschlossenheit sich auszahlt.“

Dennoch fühlen sich viele Israelis, die den Iran als existenzielle Bedrohung sehen, vom Rest der Welt alleingelassen. „Das Gefühl der Bedrohung ist sehr stark“, sagt Professor Ephraim Inbar, Leiter des Begin-Sadat-Zentrums für Strategische Studien. „Aber wir sind allein mit diesem Problem.“ Der Rest der Welt reagiere nicht mit ausreichendem Nachdruck und Empörung auf die Tiraden des iranischen Präsidenten. Aus seiner Sicht sind viel härtere internationale Maßnahmen gegen den Iran notwendig, wie etwa der Abbruch diplomatischer Beziehungen.

Dass Ahmadinedschad den Holocaust leugnet, verstärkt Ängste in dem Land, in dem das Trauma der Judenvernichtung bis heute fortlebt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will die Weltöffentlichkeit davon überzeugen, dass von Teheran eine tödliche Gefahr ausgeht und eine nukleare Aufrüstung des antisemitischen Regimes unter allen Umständen zu verhindern ist.

Auch der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) distanzierte sich von den Äußerungen des iranischen Präsidenten. „Äußerungen dieser Art sind nicht nur nicht hinnehmbar, sondern dieser Präsident ist eine Schande für sein Land“, sagte Steinmeier am Donnerstag in Berlin. Der Zentralrat der Juden in Deutschland nannte den Auftritt die „konsequente Fortsetzung der antisemitischen Aggressionspolitik des iranischen Präsidenten“.

von Sara Lemel