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Deutschland / Welt Harte Fronten bei 1. Mai-Demos in Berlin
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Harte Fronten bei 1. Mai-Demos in Berlin
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22:59 01.05.2013
Auf Berlins Straßen tanzen und feiern Zehntausende Menschen friedlich am 1. Mai - andere werfen mit Steinen und sorgen für eine aggressive Stimmung.
Auf Berlins Straßen tanzen und feiern Zehntausende Menschen friedlich am 1. Mai - andere werfen mit Steinen und sorgen für eine aggressive Stimmung. Quelle: dpa
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Berlin

In Berlin-Kreuzberg ist bei der sogenannten Revolutionären 1. Mai-Demonstration auch in diesem Jahr wieder Gewalt ausgebrochen. Die Ausschreitungen waren aber weit weniger heftig als in vorangegangenen Jahren. Der grüne Spitzenpolitiker Hans-Christian Ströbele sagte nach dem Ende des Protestzuges linker und linksradikaler Demonstranten: „Die Deeskalationsstrategie der Polizei hat einwandfrei funktioniert.“ Das, was er gesehen habe, war „fast total friedlich“.

Aus der Demo heraus war es in den vorangegangenen Vorjahren immer wieder zu Gewaltausbrüchen gekommen. Nach Polizeiangaben beteiligten sich an diesem 1. Mai etwa 9000 Demonstranten an dem Zug. Einige von ihnen waren vermummt, etwa 200 liefen im sogenannten schwarzen Block. Nachdem der Demonstrationszug am Axel-Springer-Hochhaus vorbeigezogen war, beruhigte sich die anfangs aufgeheizte Stimmung. Das Areal war besonders gesichert. Vor dem Demonstrationszug liefen Polizisten in voller Montur.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit flogen Steine und Flaschen gegen Polizisten und Einsatzfahrzeuge. Die Scheiben einer Sparkassenfiliale wurden eingeworfen. Mehrere Autos wurden demoliert. Augenzeugen berichteten von verletzten Passanten. Ein Sanitäter verband eine Kopfwunde. Pflastersteine und zerbrochene Flaschen lagen auf der Straße. Auch eine Telefonzelle wurde zerstört. Es gab mindestens eine Festnahme. Genaue Zahlen zu Festnahmen und eventuell verletzten Polizisten wollte die Polizei erst am Donnerstag mitteilen. Auf Plakaten hieß es: „Gegen Kapitalismus und Krise für die Revolution“.

Bereits am Vormittag war es zu Zwischenfällen gekommen, als die Polizei eine von der rechtsextremen NPD angemeldete Demonstration sicherte und Gegendemonstranten vor allem aus dem linken Lager fernhielt. Als von dieser Seite Steine flogen, setzte die Polizei einen Wasserwerfer und Pfefferspray ein. Es gab laut Polizeiangaben 18 Festnahmen, 16 davon auf Seiten der Gegendemonstranten, unter anderem wegen Nötigung. Zuvor hatte die Polizei vier Demonstranten auf der Heckklappe eines Einsatzwagens davongefahren, die sich an einer Betonpyramide verankert hatten.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) zeigte sich mit dem Verlauf des 1. Mai zufrieden. Die Polizei habe die Lage im Griff, sagte Henkel kurz nach Beginn der „Revolutionären 1. Mai-Demonstration“. Wenn sich die Situation ändere, werde konsequent gehandelt, kündigte er an. Am Mai-Tag waren rund 7000 Polizisten in der Hauptstadt im Einsatz.

Bereits am Vorabend hatten in Schöneweide etwa 3000 Menschen gegen Rechts demonstriert, etwa ebenso viele gingen in Wedding gegen steigende Mieten und soziale Verdrängung auf die Straße. Die Polizei war in der Walpurgisnacht mit rund 3300 Beamten im Einsatz. 17 Menschen seien vorübergehend festgenommen worden, 20 Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet. Sieben Polizisten wurden verletzt.

Mehrere tausend Menschen protestierten bei der traditionellen Mai-Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am Brandenburger Tor gegen geringe Löhne und Altersarmut. Etwa 10 000 bis 12 000 Demonstranten seien zu der Kundgebung gekommen, sagte ein DGB-Sprecher.

An vielen Stellen in der Stadt wurde aber einfach nur gefeiert. Im Mauerpark feierten etwa 1500 Menschen nach Polizeiangaben die Walpurgisnacht. Viele Berliner und Touristen verfolgten gemeinsam das Champions League-Halbfinale zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund sowie am Mittwochabend zwischen dem FC Bayern und dem FC Barcelona. Beim „Myfest“ in Kreuzberg, mit dem Einwohner seit mehreren Jahren den Mai-Krawallen etwas entgegensetzten wollen, feierten am Nachmittag rund 40 000 Menschen.

dpa