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Deutschland / Welt Neue Unruhen: Situation in Katalonien spitzt sich zu
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23:22 18.10.2019
Die Demonstrationen in Katalonien nehmen immer größere Ausmaße an. Unter die Demonstranten mischen sich vermehrt gewaltbereite Schlägertrupps. Quelle: imago images/Agencia EFE
Barcelona

Massendemonstrationen, neue schwere Unruhen und ein 24-stündiger Generalstreik haben den Unabhängigkeitskonflikt in Katalonien bedrohlich angeheizt. Mehr als eine halbe Million Menschen versammelten sich am Freitagabend nach Schätzung der Stadtpolizei im Zentrum der Regionalhauptstadt Barcelona, um gegen Haftstrafen für neun Separatistenführer zu protestieren.

Unweit von der Hauptkundgebung im Zentrum Barcelonas kam es auf einer Demo von mehreren Hundert zumeist jungen Menschen vor dem Polizeipräsidium erneut zu Zusammenstößen mit der Polizei. Es war der fünfte Krawalltag in Folge in Barcelona.

Vermummte randalieren

Vermummte und dunkel gekleidete Antifa-Aktivisten, die in dieser großen Zahl erst seit kurzem an den Separatisten-Protesten teilnehmen, bewarfen Polizisten unter anderem mit Steinen und Eiern und zündeten erneut Müllcontainer an. Die Beamten setzten Schlagstöcke gegen die Krawallmacher ein. Wie die Polizei mitteilte, wurden drei Kundgebungsteilnehmer - darunter zwei Minderjährige - festgenommen. Ein Beamter sei verletzt worden. Ausschreitungen gab es am Abend auch in Girona, Tarragona und Lleida.

Innenminister Fernando Grande-Marlaska sagte, seit Beginn der Proteste am Montag seien in ganz Katalonien 128 Demonstranten festgenommen worden. Von diesen seien neun aktuell hinter Gittern, sie seien entweder in U-Haft oder warteten auf die Anhörung durch den Ermittlungsrichter. Man werde gegen gewalttätige Demonstranten „das Strafrecht in aller Härte anwenden“, sagte der Minister der sozialistischen Zentralregierung vor Journalisten in Madrid. Grande-Marlaska bezifferte die Zahl der „organisierten gewaltbereiten Demonstranten“ auf etwa 400.

Die Proteste erreichten am Freitag auch die Sagrada Familia, eines der Wahrzeichen Barcelonas. Hunderte Demonstranten blockierten zeitweise die Zugänge zum weltberühmten Gotteshaus. Später wurden die Pforten der bis heute unvollendeten Basilika des Architekten Antoni Gaudí (1852-1926) komplett geschlossen, „um die Sicherheit von Besuchern, Arbeitern und Belegschaft zu garantieren“.

Hunderttausende auf den Straßen Barcelonas

Nach Schätzungen spanischer Fernsehsender gingen im Zentrum von Barcelona am Freitag Hunderttausende auf die Straßen. Bei einer Großkundgebung sollten am späten Nachmittag fünf "Märsche für die Freiheit" zusammentreffen - Teilnehmer hatten sich vor einigen Tagen in Massen aus verschiedenen Teilen der Region in Richtung ihrer Hauptstadt aufgemacht.

Wegen des Generalstreiks wurden unter anderem mehrere Dutzend Flüge vor allem der Gesellschaften Iberia und Vueling gestrichen. Auch der Zugverkehr war teilweise beeinträchtigt, Dutzende Straßen wurden von Demonstranten blockiert. Hafenarbeiter und Angestellte der VW-Tochter Seat legten die Arbeit ebenso nieder wie die Belegschaft der katalanischen Supermarktkette Bonpreu. Auch zahlreiche Hörsäle an den Unis und viele Klassenzimmer blieben leer.

Ein Generalstreik hat Barcelona lahmgelegt. Hunderttausende gingen in der Stadt auf die Straße. Quelle: Emilio Morenatti/AP/dpa

In Teilen des Zentrums von Barcelona wirkten Straßen teilweise wie ausgestorben. Geschäfte waren geschlossen, kaum ein Auto war unterwegs. "So habe ich das an einem Wochentag hier noch nie gesehen", sagte ein Hausmeister im zentralen Viertel Eixample. Auf dem berühmten Boulevard La Rambla und auf den Plätzen im Herzen der Stadt waren hingegen zahlreiche Abspaltungsbefürworter mit Estelada-Flaggen unterwegs - die Estelada ist ein Symbol der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung.

In den vergangenen Tagen und vor allem Nächten war es in verschiedenen Teilen Kataloniens zu teils heftigen Ausschreitungen und Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Auch am Freitag kam es abseits der Hauptdemonstration zu vereinzelten Zusammenstößen.

Vierte Nacht in Folge: Proteste in Barcelona

Puigdemont bleibt auf freiem Fuß

Der von Spanien zur Festnahme ausgeschriebene katalanische Politiker Carles Puigdemont bleibt in Belgien vorerst auf freiem Fuß. Der frühere katalanische Regionalpräsident meldete sich selbst bei der Polizei in Brüssel, nachdem Spanien europäischen Haftbefehl gegen ihn ausgestellt hatte. Puigdemont habe dies aus freien Stücken getan, erklärte sein Büro am Freitag. Er widerspreche den Vorwürfen der spanischen Justiz. Der Politiker wurde daraufhin verhaftet, wie die Staatsanwaltschaft in Brüssel mitteilte. Ein belgischer Untersuchungsrichter verfügte am Freitagnachmittag aber die Freilassung unter Auflagen. Puigdemont muss am 29. Oktober wieder vor dem Richter erscheinen.

Der frühere Separatistenführer war 2017 nach Belgien geflohen. Die spanische Justiz wirft ihm Aufruhr und Zweckentfremdung öffentlichen Geldes vor. Einem früheren Auslieferungsbegehren waren die belgischen Behörden nicht gefolgt. Puigdemont war 2018 in Deutschland festgenommen worden, aber nach einigen Tagen Haft wieder freigekommen. Später hob das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht den Auslieferungshaftbefehl auf. Am Montag hatte die spanische Justiz den internationalen Haftbefehl reaktiviert.

RND/dpa

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