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Deutschland / Welt Frühere bosnisch-serbische Präsidentin Plavsic aus Haft entlassen
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17:35 27.10.2009
Musste nur zwei Drittel ihrer Haftstrafe absitzen: Biljana Plavsic.
Musste nur zwei Drittel ihrer Haftstrafe absitzen: Biljana Plavsic. Quelle: afp
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Die 79-Jährige wurde nach Angaben der schwedischen Justizverwaltung zum Flughafen gebracht und „verließ Schweden“. Das Justizministerium in Stockholm hatte die Freilassung am Donnerstag angekündigt. Nach Informationen mehrerer schwedischer und serbischer Medien wurde Plavsic am Nachmittag in Belgrad erwartet.

Plavsic war im Februar 2003 vom Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Ihre Freilassung nach zwei Dritteln der Haftzeit wegen „guter Führung“ entspricht den Bestimmungen des schwedischen Strafrechts. Das vom UN-Sicherheitsrat eingerichtete Haager Tribunal hatte sich im September mit der vorzeitigen Haftentlassung einverstanden erklärt.

Die schwedische Regierung hatte zuvor mehrere Gnadengesuche Plavsics abgelehnt. Die frühere bosnisch-serbische Präsidentin verbüßte die Haftstrafe seit Juni 2003 im schwedischen Hochsicherheitsgefängnis Hinseberg in Örebro westlich von Stockholm. In der vergangenen Woche wurde sie in eine Haftanstalt in Stockholm verlegt. Plavsic hatte sich im Januar 2001 freiwillig dem Tribunal gestellt und sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg (1992 bis 1995) schuldig bekannt, in dessen Verlauf 100.000 Menschen getötet wurden.

Das Tribunal ließ daraufhin die anderen Anklagepunkte gegen lavsic fallen, darunter den des Völkermordes. Plavsic hatte 1996 den untergetauchten bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic an der Spitze der Republika Srpska abgelöst. Karadzic, der im vergangenen Jahr gefasst wurde, muss sich seit Montag ebenfalls vor dem UN-Tribunal verantworten. In den neunziger Jahren vertrat Plavsic extremistische Ansichten - etwa, dass die ethnischen Vertreibungen im Bosnien-Krieg ein „natürliches Phänomen“ seien. Später rückte sie von den nationalistischen Äußerungen teilweise ab.

afp