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Nachrichten Politik Deutschland / Welt Friedensprozess in Kolumbien
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09:05 16.09.2012
Farc-Anführer Luis Alberto schließt eine Beteiligung der USA an dem bevorstehenden Friedensprozess nicht aus.
Farc-Anführer Luis Alberto schließt eine Beteiligung der USA an dem bevorstehenden Friedensprozess nicht aus. Quelle: dpa
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Havanna

Kolumbiens linksgerichtete Farc-Guerilla schließt eine Beteiligung der USA an dem bevorstehenden Friedensprozess mit der Regierung des südamerikanischen Landes nicht aus. "Diese Möglichkeit besteht", sagte Farc-Anführer Luis Alberto Albán der Nachrichtenagentur dpa in einem Gespräch in Kubas Hauptstadt Havanna. Es dürfe aber nicht sein, dass Washington in diesem Fall den Ton angebe. "Die USA sind nicht unser Boss."

Albán, der unter dem Kampfnamen "Marco León Calarcá" bekannt ist, wird als einer der fünf Farc-Hauptunterhändler an den Friedensgesprächen teilnehmen. Sie beginnen am 8. Oktober in Oslo und werden dann nach Havanna verlegt. Seit einigen Tagen wird spekuliert, der frühere US-Präsident Jimmy Carter könnte mit am Verhandlungstisch sitzen. Die USA unterstützen Kolumbien beim Kampf gegen den Drogenhandel.

Die US-Regierung wirft den "Revolutionären Streitkräften Kolumbiens" (Farc) vor, daran beteiligt zu sein. Die marxistische Rebellengruppe sieht das anders. Nach den Worten Albáns treibt die Guerilla bei den Drogenhändlern lediglich die ihr zustehenden "Steuern" ein. "Als Beteiligung an dem Drogenhandel verstehen wir das nicht. Wir haben nie gesagt: 'Produziert Koks'. Es ist eine Realität, die sich durchgesetzt hat."

Mehrere Farc-Anführer sitzen in den USA in Haft. Die Farc weisen auch den Vorwurf zurück, sie seien weiter an Entführungen beteiligt. "Es gibt viele Lügen", sagte Albán. Die Verschleppung sei in Kolumbien zu einer Industrie geworden, an der sich auch Sicherheitskräfte und gewöhnliche Kriminelle beteiligten. Die Farc hätten aber niemanden mehr in ihrer Gewalt. Hilfsorganisationen werfen den Rebellen dagegen vor, sie hielten nach wie vor mehr als 400 Menschen fest. "Wir sind bereit, bei der Suche nach diesen Leuten zu helfen und herauszufinden, ob sie getötet oder verschleppt worden sind", sagt Albán. Eines müsse aber klar sein: "Wir sind es nicht gewesen."

Der bewaffnete Konflikt in Kolumbien dauert bereits fast 50 Jahre. Mehr als 200 000 Menschen kamen bislang ums Leben, darunter viele unbeteiligte Zivilisten. Auf die Frage, ob die Farc zu einer finanziellen Entschädigung der Opfer bereit wären, antwortet Albán ausweichend. Die Guerilla habe nie die Absicht gehabt, die Zivilbevölkerung zu treffen. "Aus dieser Perspektive sind die Toten, die wir verursacht haben, Opfer von Kriegshandlungen geworden." Auch diese Frage werde am Verhandlungstisch diskutiert werden müssen.

Die Rebellen beharren zudem darauf, dass einer von ihren in den USA einsitzenden Kämpfern als Unterhändler an den Gesprächen teilnimmt. Es handelt sich um Juvenal Ricardo Palmera, alias "Simón Trinidad". Er war nach seiner Festnahme 2004 an die USA ausgeliefert und dort wegen der Entführung von drei US-Bürgern zu 60 Jahren Haft verurteilt worden. Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos hat diese Forderung jüngt als irrealistisch bezeichnet. Albán rechnet aber damit, dass die Farc sich damit durchsetzen: "Es ist schlichtweg so, dass er der Delegation angehört." Möglich wäre, so wird spekuliert, dass Trinidad per Videokonferenz zugeschaltet wird.

dpa

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