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Deutschland / Welt Frankreichs Ex-Präsident Chriac wegen Korruption angeklagt
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16:11 30.10.2009
Frankreichs Altpräsident Jacques Chirac
Frankreichs Altpräsident Jacques Chirac Quelle: afp/Archiv
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Die Vorgänge in der politischen Elite Frankreichs sind nicht gerade vertrauenerweckend. Altpräsident Chirac steht im Verdacht, als Pariser Bürgermeister bis 1995 Scheinarbeitsverhältnisse im Rathaus wenn nicht selber veranlasst, so doch zumindest geduldet zu haben. Die zuständige Richterin leitete am Freitag ein Verfahren wegen Unterschlagung öffentlicher Gelder ein.

Der heute 76-jährige Chirac hatte 43 Jahre lang öffentliche Ämter inne. Er war nicht nur zweimal hintereinander Präsident, sondern zuvor auch zweimal Regierungschef, mehrfach Minister und 18 Jahre lang Bürgermeister von Paris. Die meisten Franzosen werden sich kaum an eine Zeit ohne Chirac erinnern können. „Die Regierungen haben gewechselt, ich gehöre zum Inventar“, witzelte Chirac selbst über seine politische Langlebigkeit.

Der Pariser Bankierssohn bemühte sich um Volksnähe, trank Bier statt Champagner und zeigte sich der deftigen Küche zugetan - Kalbskopf ist angeblich sein Leibgericht. Bei der jährlichen Landwirtschaftsmesse hielt er stundenlang Schwätzchen und tätschelte Kühen das Hinterteil. Er genoss das Bad in der Menge und lässt sich bis heute mit strahlenden Fans fotografieren. Die Franzosen danken es ihm mit ihrer Sympathie: Zweieinhalb Jahre nach Ausscheiden aus dem Amt ist der frühere Staatschef der bei weitem beliebteste Politiker. Seine Beliebtheitswerte in Umfragen liegen bei 76 Prozent.

Während Anhänger den früheren Präsidenten als herzlich, großzügig und aufmerksam schildern, warfen seine Gegner ihm stets Sprunghaftigkeit und Unbeständigkeit vor. Chirac sei besser darin, „die Macht zu erobern als sie auszuüben“, hieß es über ihn. Hinter der bodenständigen, volksnahen Fassade war er demnach ein berechnender Machtmensch, der sich durch die Eliminierung diverser politischer Gegner einen Ruf als „Killer“ erarbeitete. Erst in hohem Alter biss er sich an einem die Zähne aus: An seinem verstoßenen Ziehsohn, Nicolas Sarkozy, für den er den Elyséepalast räumen musste.

Außenpolitisch fuhr Chirac mit einer „unabhängigen Vorstellung der Welt“ im Kielwasser von Republikgründer Charles de Gaulle. Eines der prägendsten Ereignisse seiner Präsidentschaft bleibt der Widerstand gegen den Irak-Krieg im Jahr 2003, als sich Chirac gegen den damaligen US-Präsidenten George W. Bush stellte und seine Beliebtheit kurzzeitig auf neue Höhen brachte. Als „Rentner“ gründete Chirac eine Stiftung für Umwelt und einen Austausch der Kulturen, kommende Woche kommt der erste Band seiner Memoiren heraus.

Doch jetzt holte den Altpräsidenten seine Vergangenheit im Pariser Rathaus ein, an dessen Spitze er 18 Jahre lang stand. Chirac soll sich wegen 21 verdächtiger Arbeitsverträge vor Gericht verantworten; nach Einschätzung der Ermittler standen die „Mitarbeiter“ zwar auf der Gehaltsabrechnung, arbeiteten aber gar nicht dort. Die Affäre um Gefälligkeitsjobs ist nicht die einzige, die ein schlechtes Licht auf Chirac fallen ließ. Er steht noch in einem anderen Fall unter Verdacht, Parteifreunden Scheintätigkeiten im Rathaus zugeschanzt zu haben.

Zu den Akten gelegt wurden Untersuchungen in Zusammenhang mit Schmiergeldzahlungen, Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Bauaufträgen der Stadt und Auffälligkeiten auf Wählerlisten in zwei Stadtvierteln. „Besonders gut“ für Frankreichs Ansehen im Ausland sei es nicht, wenn ein ehemaliger Staatschef sich wegen Scheinbeschäftigungsverhältnissen vor Gericht verantworten müsse, merkte die sozialistische Opposition am Freitag an.

afp