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Deutschland / Welt Experiment: Wie Freiwillige eine Mittelmeer-Flucht erleben
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Experiment: Wie Freiwillige eine Mittelmeer-Flucht erleben
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18:52 25.04.2019
Die Hilfsorganisation SeaWatch simulierte mit 40 Freiwilligen eine Flucht übers Mittelmeer. Festgehalten wurde das Experiment in einem Film, hier dessen Titelbild. Quelle: obs/Sea-Watch e.V.
Berlin

Ein Schlauchboot schaukelt auf dramatischen Wellen, Menschen sitzen darin dicht gedrängt. Das Licht ist düster. Irgendwann gehen einzelne Personen über Bord. Es sind Bilder in einem Film, die an Aufnahmen aus den Fernsehnachrichten erinnern, von überfüllten Flüchtlingsbooten im Mittelmeer und dramatischen Rettungsaktionen.

Aber auf diesem Boot sitzen 40 Freiwillige aus Deutschland. Die Wellen rollen nicht durchs Mittelmeer, sondern durch ein künstliches Becken, fünf Stunden lang. Die Flüchtlingshilfsorganisation Sea-Watch simuliert eine Flucht übers Mittelmeer und hat dies in einem Film verarbeitet. „Lifeboat – Das Experiment“ mache „die Tortur der Flüchtlinge sichtbar“, erklärt die Organisation.

Allein 2018 seien 2277 Menschen während ihrer Flucht über das Mittelmeer gestorben. Vielen Deutschen sei nicht bewusst, welcher Todesgefahr sich Flüchtlinge aussetzten.

Augenbinden und harsche Befehle

Also sind nun unter anderem die 19-jährige Freya in das Schlauchboot ins Becken geklettert und die 68-jährige Irmgard, dazu ein Polizist, eine Fotoassistentin, ein Kaufmann. Sie sind in diesem Experiment die Flüchtlinge. Und los geht es im Dunkeln mit harschen Befehlen: „Ruhe, alles hört zu. Das Boot ist da.“ Augenbinden müssen angelegt werden, nur einige bekommen Rettungswesten. Die Stimmung unter den Freiwilligen sei schon gesunken, als die ersten Befehle gekommen seien, erzählt hinterher einer der Teilnehmer.

Zwischen die Bilder vom Experiment hat Regisseur Skye Fitzgerald Interviews mit Männern und Frauen geschnitten, die tatsächlich übers Mittelmeer geflohen sind. „Man kann nicht reden oder fragen“, erzählt einer. Auf den Booten liege man einfach übereinander. „Die schmeißen dich einfach rauf.“

Wichtig sei der Perspektivwechsel, sagt der Psychologe Michael Thiel in dem Film. „Menschen, die ein ganz normales Leben in Deutschland führen, schlüpfen in die Situation von Flüchtlingen und können damit die Situation von Flüchtlingen auch besser begreifen.“

Tränen, Panik und Erschöpfung

Und tatsächlich sind die Menschen in dem Boot im Wasserbecken zwar nicht auf einem endlos scheinenden Mittelmeer – der Beckenrand ist nur ein paar Meter entfernt. Aber die Belastung ist dennoch groß: „Nach zwei bis drei Stunden war man wirklich erschöpft“, sagt ein junger Mann. „Wir durften nicht reden und wussten nicht, wer neben uns sitzt“, berichtet die 68-jährige Irmgard. Ein älterer Mann erinnert sich mit flauem Gefühl an die Gerüche im Boot.

Ein anderer erzählt, manche im Boot seien in Panik geraten oder hätten angefangen zu weinen. „Ich habe ein besseres Verständnis dafür bekommen, in was für einer Notsituation man sich befinden muss, um so ein großes Risiko einzugehen“, zitiert Sea-Watch einen weiteren Teilnehmer.

Sieben der 40 Teilnehmer hätten das Boot vorzeitig verlassen, schreibt die Organisation.

„Ich bin dankbar, nicht um mein Leben kämpfen zu müssen“, sagt eine junge Frau am Ende des Films. Ihr kommen dabei die Tränen.

Von RND/vat

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