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Deutschland / Welt E-Zigaretten: Wissenschaftler warnen vor gepanschtem Liquid
Nachrichten Politik Deutschland / Welt E-Zigaretten: Wissenschaftler warnen vor gepanschtem Liquid
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14:01 29.08.2019
E-Zigaretten gelten als weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten.
Berlin

Atemnot und Brustschmerzen, dazu in einigen Fällen Erbrechen und Durchfall: In den USA häufen sich Meldungen ungeklärter Lungenerkrankungen, die anscheinend nach dem Konsum von E-Zigaretten auftreten. Nun gab es sogar den ersten Todesfall. Ein Erwachsener aus dem US-Bundesstaat Illinois sei mit einer "schweren, ungeklärten Atemwegserkrankung" ins Krankenhaus gebracht worden, teilte die leitende medizinische Angestellte des Gesundheitsministeriums, Jennifer Layden, mit. Man prüfe die Verbindung mit den elektronischen Zigaretten. Insgesamt 193 ähnliche Fälle wurden den US-Behörden gemeldet.

Was die Beschwerden tatsächlich ausgelöst hat, ist für Experten derzeit noch ein Rätsel. Ute Mons, Gesundheitswissenschaftlerin am Deutschen Krebsforschungszentrum bei der Stabsstelle Krebsprävention, kann auch nur spekulieren. "Das ist ein bisschen mysteriös", sagt sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Klar sei, dass die Betroffenen alle junge Männer waren, die kurz hintereinander erkrankten - scheinbar, nachdem sie flüssiges Liquid, das bei E-Zigaretten genutzt wird, rauchten.

Liquid könnte gepanscht gewesen sein

Da zu den Symptomen in vielen Fällen auch Durchfall und Erbrechen zählten, vermutet die Wissenschaftlerin, dass der Auslöser "etwas war, was da drin war". Das Liquid könnte demnach "gepanscht" und "vom Schwarzmarkt" gewesen sein. "Die Magen-Darm-Beschwerden sprechen für eine Vergiftung", sagt Mons.

Welcher Stoff das genau sein könnte, darüber kann die Expertin nur spekulieren. "Es gibt Vermutungen, dass sich im Liquid THC befunden haben könnte, das mit Pflanzenschutzmitteln verunreinigt war", sagt sie. THC - Tetrahydrocannabinol - ist in Cannabis enthalten und der Inhaltsstoff, der den Rausch auslöst. Haben die jungen Männer ihr Liquid für die E-Zigarette illegal beschafft, um gleichzeitig Drogen zu konsumieren? Wenn die Pflanzen, die für das Liquid verwendet wurden, nicht frei von Pflanzenschutzmitteln waren, könnte das die Erkrankungen ausgelöst haben, sagt Mons. "Das erscheint mir plausibel."

Auch die US-Behörden hatten zuletzt mitgeteilt, dass viele Opfer mit Beschwerden THC-Liquids geraucht hätten. Zunächst blieb aber unklar, wie hoch der Anteil der THC-Konsumenten unter den Betroffenen war. Bislang konnten die Behörden zudem kein bestimmtes Produkt ausfindig machen, das mit allen Erkrankungen in Verbindung steht. Es gibt viele verschiedene E-Zigaretten und Tausende sogenannte Liquids - also Flüssigkeiten, die verdampft werden. Andere Experten vermuten auch komplexe allergische Reaktion auf Bestandteile des Dampfs. Doch andere Ursachen sind ebenfalls möglich.

Sind auch Deutsche betroffen?

Laut dem Bundesverband Krankenkasse AOK gebe es "keinen Grund zur der Annahme, dass Deutsche von diesen Risiken nicht betroffen sein könnten", teilte Pressereferent Michael Bernatek mit und wies auf Studien hin, die die möglichen Folgen von E-Zigaretten-Konsum offen legen. Demnach könnten Raucher etwa unter erhöhtem Bluthochdruck, Lungenschädigungen und Atemwegserkrankungen leiden. "Wie hoch die Prävalenz entsprechender Gesundheitsprobleme unter Deutschen ist, wissen wir nicht", schrieb Bernatek.

Dass legal erworbenes Liquid an den Erkrankungen schuld sein könnte, kann sich Gesundheitswissenschaftlerin Mons schlecht vorstellen. Es sehe "eher nach einer akuten Ursache" aus, da viele Menschen in kurzer Zeit erkrankten. "E-Zigaretten gibt es aber schon seit zehn Jahren und wird in den USA auch viel verwendet", sagt Mons. "Das wäre uns schon früher aufgefallen." In Deutschland ist der Expertin kein Fall bekannt. Man könne davon ausgehen, dass Liquids aus dem Fachhandel "einigermaßen sicher" seien.

Langzeitfolgen von E-Zigaretten noch nicht geklärt

"Gesund ist die E-Zigarette darum aber nicht", betont sie. Sie sei "nur für Raucher, die vom Rauchen loskommen wollen", eine Alternative. Denn der Konsens in der Wissenschaft sei inzwischen, dass die E-Zigarette weniger schädlich sei als herkömmliche Zigaretten. Wer auf die E-Zigarette umsteige, verzichte immerhin schon mal auf das Verbrennen von Tabak, Papier und weiteren Zusatzstoffen. Das sei ein erster Schritt.

Allerdings seien auch die Langzeitfolgen von E-Zigaretten noch nicht geklärt - hier fehlten noch Studien. E-Zigaretten hätten "trotzdem Schadenspotential" und es sei nicht klar "welche Risiken damit auf lange Sicht verbunden sind". "Ganz aufhören und Bergluft atmen ist natürlich gesünder", sagt Mons.

Lesen Sie auch: Werden Menschen durch E-Zigaretten lungenkrank?

Lisa Neugebauer/RND/dpa

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