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Deutschland / Welt Die Wulffs zeigen neue Gelassenheit
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21:47 09.01.2012
Foto: Von „Krieg“ keine Spur: Souverän trat Bettina Wulff beim Neujahrsempfang des „Hamburger Abendblatts“ auf.
Von „Krieg“ keine Spur: Souverän trat Bettina Wulff beim Neujahrsempfang des „Hamburger Abendblatts“ auf. Quelle: dpa
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Berlin

Wenn die „Bild“-Zeitung eine Abschrift des Mailbox-Inhalts drucken wolle, „dann mag sie es tun“, sagte der Medienanwalt Gernot Lehr am Montag im Deutschlandfunk. „Das muss sie selbst in eigener Verantwortung entscheiden.“

„Es ist nicht richtig, dass hier eine große Angst besteht vor einer Veröffentlichung, aber es ist Angelegenheit der „Bild“-Zeitung, diesen Tabubruch zu begehen“, sagte Lehr weiter. Wulff habe in seinem Schreiben von vergangener Woche deutlich gemacht, dass die Medien in eigener Verantwortung entscheiden müssten, ob sie ein solches Dokument veröffentlichten. „Er hat ihnen keinen Persilschein dafür gegeben“, sagte Lehr.

Dem Dokument wird eine große Bedeutung zur Klärung der Frage beigemessen, ob Wulff eine Verhinderung der kritischen Berichterstattung über seinen Hauskredit verhindern wollte, wie die „Bild“-Zeitung argumentiert. Wulff selbst hatte in einem Fernsehinterview beteuert, er habe die Berichte nicht verhindern wollen, sondern nur um Aufschub bei der Veröffentlichung gebeten. Er wolle zuvor noch „mit Redakteuren“ reden.

Mittlerweile sind zahlreiche Passagen der Mitschrift von Wulffs Botschaft auf der Mailbox von Diekmann undementiert veröffentlicht worden. Daraus geht hervor, dass Wulff um eine Verschiebung bat. Zugleich aber drohte er auch juristische Schritte an und stellte eine Pressekonferenz zu den journalistischen Methoden der „Bild“-Zeitung in Aussicht.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass der Bundespräsident im Amt bleibt. Kanzlerin Angela Merkel hat nach Darstellung ihres Sprechers Steffen Seibert keine Veranlassung, sich Gedanken über einen Rücktritt von Wulff und über dann anstehende Nachfolgefragen zu machen. „Sie tut es auch nicht“, fügte Seibert hinzu. Er wiederholte damit Äußerungen vom Wochenende, als schon einmal Vermutungen dementiert worden waren, innerhalb der Führung der Koalitionsparteien werde darüber gesprochen, wie CDU, CSU und FDP auf einen Rücktritt Wulffs zu reagieren hätten.

Merkel selbst vermied es, sich am Montag bei einer Pressekonferenz im Beisein des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy zum Thema Wulff zu äußern. Als ihr Sprecher gefragt wurde, ob Merkel angesichts der Mailbox-Affäre „ihr Telefonverhalten“ geändert habe, antwortete er, es gebe nichts zu verändern: „Sie wissen sicherlich, dass die Bundeskanzlerin nicht die Gepflogenheit hat, Journalisten oder Chefredakteure anzurufen.“

Ein Lächeln für Springer

Nach dem viel zitierten „Krieg“ zwischen den Wulffs und dem Haus Springer sah es am Montag in Hamburg nicht aus: Bettina Wulff, Ehefrau des Bundespräsidenten, erschien zur  Überraschung der versammelten Medienszene als prominenter Gast beim Neujahrsempfang des „Hamburger Abendblatts“. Es gehört ebenso wie das Boulevardblatt „Bild“ zu Springer.

Bettina Wulff mischte sich unter die Gäste der Veranstaltung in der Hansestadt und war ein gefragtes Motiv für die Fotografen. Lächelnd schüttelte die erste Frau im Staat unzählige Hände zur Begrüßung und bahnte sich selbstbewusst ihren Weg durch die dichte Menschenmenge.

Der streitbare FDP-Fraktionschef im schleswig-holsteinischen Landtag, Wolfgang Kubicki, war beeindruckt: „Ich bin sehr überrascht, dass Frau Wulff heute hier ist. Das zeugt von Souveränität.“

Bettina Wulff sagte, sie hoffe, dass  nach der Kredit- und Medienaffäre wieder Ruhe für ihre Familie einkehrt und sie gemeinsam mit ihrem Mann ihren Aufgaben nachgehen kann. Zur Affäre sei „alles gesagt“, wurde Bettina Wulff vom Onlinedienst abendblatt.de zitiert. Sie freue sich, in Hamburg zu sein, „in einer Stadt, in der der Bürgersinn gelebt wird“, sagte sie. Sie wünsche sich, dass sich viele Menschen ehrenamtlich engagierten.

Zu den Gästen aus Politik, Kultur, Medien und Sport gehörten auch Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sowie seine sozialdemokratischen Amtsvorgänger Henning Voscherau und Klaus von Dohnanyi. Exbürgermeister Ole von Beust (CDU) war ebenso gekommen wie Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU). Die EU war mit Kommissar Günther Oettinger vertreten. Das „Hamburger Abendblatt“ erinnert in diesem Jahr mit mehreren Aktionen an seinen Gründer Axel Springer (1912–1985). Es gebe wohl keine Zeitung, die Springer so geliebt habe, wie das „Hamburger Abendblatt“, sagte Chefredakteur Lars Haider in seiner Rede. Im Beisein Bettina Wulffs scherzte Haider, die „Abendblatt“-Leser interessiere in erster Linie alles, was mit Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) zu tun habe: „Sie wissen, unser eigentliches Staatsoberhaupt.“

Thomas Krumenacker

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