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Deutschland / Welt Die CDU muss die FDP besänftigen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Die CDU muss die FDP besänftigen
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20:56 14.09.2009
Merkel und Steinmeier beim TV-Duell am Sonntag.
Merkel und Steinmeier beim TV-Duell am Sonntag. Quelle: ddp
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Am Tag nach dem Fernsehabend festigte sich der von neutralen Beobachtern geäußerte Eindruck, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe auffällig oft die Große Koalition gelobt. Der SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier habe einen Achtungserfolg errungen.

FDP-Chef Guido Westerwelle hatte das TV-Duell zuvor als „öffentliche Kabinettssitzung“ bezeichnet. „Aus allen Poren“ habe es nach Großer Koalition gerochen. Der hannoversche FDP-Abgeordnete Patrick Döring sagte der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung: „Während wir Liberale für ein bürgerliches Projekt werben, hat die Union es sich offenbar in der Großen Koalition ganz gemütlich gemacht.“

Dagegen versicherte Pofalla den Liberalen, dass die Union mit der Kanzlerin an der Spitze für eine schwarz-gelbe „Gestaltungsmehrheit“ kämpfe. Eine Große Koalition sei für die nächsten vier Jahre aber keine stabile Variante, weil die SPD nach Pofallas Überzeugung die erste Gelegenheit nutzen würde, aus einer Großen Koalition auszusteigen und ein „instabiles Bündnis mit der Linkspartei“ einzugehen. Die „Niemals-Bekundungen“ von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier zu Rot-Rot seien schlicht unglaubwürdig.

Die SPD ist rundum zufrieden mit dem Auftritt ihres Spitzenmanns am Sonntag. „Das TV-Duell hat einen klaren Sieger, und der heißt Frank-Walter Steinmeier. Unser Spitzenkandidat hat alle Erwartungen deutlich übertroffen und viele unentschlossene Wähler für uns gewinnen können“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Das zeigten auch die anschließenden Umfragen. Struck fügte hinzu. „Für Frau Merkel gilt hingegen: Phrasen und Hochmut reichen nicht, um Kanzlerin zu bleiben. Die SPD geht mit Rückenwind in die letzten 14 Tage Wahlkampf. Das Rennen ist wieder offen.“

Auch Steinmeier, der am Sonntagabend nur selten die Kanzlerin direkt angegriffen hatte, verschärfte am Montag die Tonlage gegenüber Merkel. In der SPD-Parteizeitung „Vorwärts“ warf Steinmeier der CDU-Chefin Ideenlosigkeit vor. „Wir haben es mit der ,Ich auch‘-Kanzlerin zu tun: Wann immer jemand eine Erfolg versprechende Idee hat, sagt Angela Merkel: ,Ich auch.‘ Das mag geschickt erscheinen, ist aber völlig substanzlos“, kritisierte der SPD-Kanzlerkandidat. Er fügte hinzu, wenn es zu Schwarz-Gelb käme und die FDP Sozialabbau und Steuersenkungen für Reiche fordern würde, würde „Frau Merkel wieder laut Ja rufen“.

Führende CDU-Politiker arbeiteten sich am Montag vor allem an den Umfragen ab, denen zufolge Steinmeier bei unentschlossenen Wählern besser punkten konnte als die Kanzlerin. Für den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch liegt das allein an den niedrigen Erwartungen gegenüber Steinmeier. Als Herausforderer, den bisher nur wenige Zuschauer live erlebt hätten, sei der SPD-Kandidat im Vorteil gewesen, sagte Koch. „Da gibt’s nur die positive Überraschung, dass er die Sätze seiner Partei einigermaßen gerade sagen kann.“ In der Präsidiumssitzung der CDU am Montag gab Koch die Parole aus, dass nun mehr denn je vor Rot-Rot-Grün gewarnt werden müsse, weil eine neue Große Koalition nie so sein werde wie die Auflage der Jahre 2005 bis 2009.

Auch CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder zweifelte die Umfrageergebnisse an. „Da rate ich mal zu sehr viel Gelassenheit. Insgesamt kann ich da nur sagen, dass deutlich geworden ist, wer in der Regierung führt und wer führen wird“, sagte Kauder. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff mahnte dagegen einen engagierten Wahlkampf an. „Die Wahl wird am 27. entschieden. Alles Gerede, sie sei jetzt schon entschieden, war immer falsch“, sagte der stellvertretende Parteichef.

Ob sich Steinmeiers Erfolg auszahlt, wird die SPD Ende der Woche erfahren, wenn die letzten Umfragen vor der Bundestagswahl veröffentlicht werden.

von Reinhard Urschel und Alexander Dahl