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Deutschland / Welt Der milde Klang der Macht
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12:00 28.11.2018
Millionär der gehobenen Mittelschicht: Hat Friedrich Merz das Rennen um die Hoheit im Land womöglich bereits verloren? Quelle: dpa
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Hamburg

Der Mensch begehrt Menschlichkeit.Gerade in Zeiten der Entmenschlichung durch Hass und Hetze, Kälte und Abzocke, Robotik und künstliche Intelligenz. Wer das nicht begreift, hat politisch keine Chance mehr. Der Bürger will angesprochen, geschützt und politisch umsorgt werden, und das nicht nur zum Advent.

Deshalb hat Friedrich Merz das Rennen um die Hoheit im Land womöglich bereits verloren. Sich als Millionär der gehobenen Mittelschicht zuzuordnen und das für viele humanitär hehre Individualrecht auf Asyl anzutasten, zeugt dieser Tage von einem bemerkenswerten Mangel an Einfühlung in die „Volksseele“. Finanzpolitische Brillanz, unternehmerische Kompetenz, Rampensau-Qualitäten und ein neuer, von der tastenden Merkel-Modulation befreiter Sound reichen nicht mehr – seit einiger Zeit fordert eine ungeschriebene öffentliche Moral vor allem eines: aktive Empathie.

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Die Rechtsnationalen und Populisten dieser Welt haben genau das verstanden: Sie versprechen ihren Wählern (aber auch nur ihnen) nicht Kompetenz, sondern Intimität. Wer die CDU und in der Folge womöglich die Republik führen will, müsste als Antwort einen mitfühlenden Konservatismus entwerfen und verkörpern – durch eine Sprache der Sorge, Fürsorge, Nähe und Loyalität. Es wird darum gehen müssen, dem Einzelnen das Gefühl von Wertschätzung zu vermitteln. In einer Zeit, da die meisten zwar wirtschaftlich zufrieden sind, gemeinschaftliche Verständigung aber aufs Neue gelernt werden muss, erfordert der Klang der Macht den warmen Ton der Zwischenmenschlichkeit. Eine hohe Kunst.

Christian Schüle ist freier Autor in Hamburg.

Von Christian Schüle