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Deutschland / Welt Das sind die Kandidaten für den SPD-Vorsitz
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07:20 04.06.2019
Andrea Nahles, bisherige Vorsitzende der SPD, verlässt nach Ihrem Rücktritt vom Parteivorsitz in der außerordentlichen Klausurtagung des SPD-Vorstands die SPD-Parteizentrale, das Willy-Brandt-Haus. Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa
Berlin

Nach dem Rücktritt von Parteichefin Andrea Nahles soll die SPD vorerst von einem Trio geführt werden. Die engere Parteiführung schlug dem Vorstand am Montag für die kommissarische Leitung die Ministerpräsidentinnen von Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz, Manuela Schwesig und Malu Dreyer, sowie den hessischen SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel vor.

Schäfer-Gümbel will sich im Herbst aus der Politik zurückziehen - er wechselt als Arbeitsdirektor zur Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Der Kölner SPD-Abgeordnete und Fraktionsvize Rolf Mützenich soll kommissarisch die Führung der Fraktion übernehmen.

Zugleich wurden Rufe nach einer Doppelspitze für die krisengeschüttelte Partei laut. Ob der für Dezember geplante Wahl-Parteitag - und damit die mit Spannung erwartete Halbzeitbilanz der große Koalition - vorgezogen wird, blieb zunächst allerdings offen.

Diese Kandidaten werden bereits für die Nachfolge von Andrea Nahles im Amt als Parteichefin diskutiert.

Simone Lange, Oberbürgermeisterin von Flensburg

Die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) hat bislang als einzige offiziell Interesse angedeutet. Die erklärte Gegnerin der großen Koalition war bei der letzten Vorsitzwahl gegen Nahles angetreten. Sie war zwar klar unterlegen, hatte aber mit 27,6 Prozent der Stimmen einen Achtungserfolg erzielt.

Kevin Kühnert, Vorsitzender der Jusos

Wohl keiner in der SPD könnte einen Neuanfang glaubwürdiger vertreten als Juso-Chef Kevin Kühnert. Allerdings hat der 29-Jährige zuletzt Zweifel an seiner Eignung geweckt, als er im Europawahlkampf über die Vergemeinschaftung großer Industriebetriebe philosophierte. Die Frage ist, ob das Spitzenamt für Kühnert zu früh kommt – und ob er sich den Job antun will.

Katarina Barley, Spitzenkandidatin des Europawahlkampfs

Über die Zukunft der 50-jährigen Katarina Barley wird schon länger spekuliert. Sie trat im Europawahlkampf als Spitzenkandidatin der SPD an – gilt nun als unglückliche Verliererin. Barley wechselt als Europaparlamentariern nach Brüssel, das steht fest. In einer Doppelspitze aber könnte sie auch als Parteichefin zur Verfügung stehen – wenn die SPD sie ruft.

Hubertus Heil, Arbeitsminister

Arbeitsminister Hubertus Heil könnte sich für den Chefposten in die Pflicht nehmen lassen. Er sitzt seit 1998 im Bundestag. Zuletzt hat er mit seinem milliardenschweren Konzept für die Grundrente für Schlagzeilen gesorgt.

Matthias Miersch, Sprecher der Parlamentarischen Linken

Der Sprecher der Parlamentarischen Linken, Matthias Miersch, ist ebenfalls im Gespräch für den Parteivorsitz, wäre aber auch ein geeigneter Kandidat für die Fraktionsspitze. Er sitzt seit 2005 im Bundestag, war von 2005 bis 2009 Sprecher der SPD-Fraktion für nachhaltige Entwicklung und von 2009 bis 2017 umweltpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Seit Juli 2015 ist er Sprecher der Parlamentarischen Linken und seit Dezember 2017 stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion für die Bereiche Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit; Energie; Ernährung und Landwirtschaft sowie Tourismus.

Diese Personen haben abgewunken

Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern

Die 45-Jährige Manuela Schwesig wird gemeinsam mit Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel übergangsweise die SPD-Spitze übernehmen. Schwesig gab jedoch an, das Amt nicht dauerhaft bekleiden zu wollen.

Bislang hat Schwesig ihre bisherige Karriere zielsicher, resolut und pflichtbewusst absolviert. Als Bundesfamilienministerin hatte sie eine moderne, junge, weiblich SPD mitverkörpert. Der Wechsel zurück an die Küste, wo sie bereits Landessozialministerin gewesen war, kam früher als erwartet, wegen einer Krebserkrankung des vorherigen Regierungschefs Erwin Sellering. Insofern hat Schwesig den Makel, bisher selbst keine Landtagswahl gewonnen zu haben.

Olaf Scholz, Bundesfinanzminister

Der 60-Jährige Olaf Scholz hat zwar ausgeschlossen, dass er neuer SPD-Vorsitzende wird. „Nein, ich halte das mit dem Amt eines Bundesministers der Finanzen nicht zeitlich zu schaffen“, sagte er am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Anne Will“. Doch der SPD-Politiker Johannes Kahrs nannte den Vizekanzler Olaf Scholz dennoch als möglichen Nachfolger.

Malu Dreyer, Rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin

Die 58-Jährige Malu Dreyer bildet gemeinsam mit Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel vorübergehend die Parteispitze. Dreyer kündigte jedoch am Montag, nicht für den Vorsitz kandidieren zu wollen.

Dreyer ist in der Partei beliebt, erhielt bei der Wahl zur stellvertretenden Parteivorsitzenden 2017 97,5 Prozent und vermittelte im SPD-Streit zwischen GroKo-Gegnern und -Befürwortern. Nach Berlin, so ließ sie sich immer wieder vernehmen, wollte sie allerdings nie wechseln, allerdings gilt die 58-Jährige nun als Übergangskandidatin.

Stephan Weil, Ministerpräsident von Niedersachsen

Der 60-Jährige Stephan Weil gilt vielen in der SPD seit langem als möglicher Hoffnungsträger und Rettungsanker. In Niedersachsen ist er beliebt und führt die dortige große Koalition ohne Turbulenzen. Am Tag nach der SPD-Niederlage bei der Europawahl machte Weil zwar deutlich, dass er weiter hinter Nahles steht. Zugleich zeigte er, dass er einen Plan für die Partei hat: Sie solle sich auf Themen konzentrieren, die die Menschen bewegen. Doch Weil fühlt sich wohl in Hannover. Er will nicht nach Berlin.

Sigmar Gabriel, Ex-Parteichef

Ex-Parteichef Sigmar Gabriel, der immer wieder als Nahles-Nachfolger in der Partei gehandelt wurde, hingegen hatte erklärt, dass er bei der nächsten Bundestagswahl 2021 nicht noch einmal antreten werde. Damit kommt er nicht infrage.

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