Nach Luftangriff - Bundesregierung plant Rückzug aus Afghanistan ab 2015 – WAZ/AZ-online.de
Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Deutschland / Welt Bundesregierung plant Rückzug aus Afghanistan ab 2015
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Bundesregierung plant Rückzug aus Afghanistan ab 2015
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:01 08.09.2009
Von Stefan Koch
Laut Regierungskreisen ist ein Abzug der Bundeswehrtruppen aus Afghanistan ab 2015 im Gespräch.
Laut Regierungskreisen ist ein Abzug der Bundeswehrtruppen aus Afghanistan bis 2015 im Gespräch. Quelle: ddp
Anzeige

Bundeskanzlerin Angela Merkel will am Dienstag zu dem Thema eine Regierungserklärung vor dem Bundestag abgeben.

Mit Frankreich und Großbritannien kam Merkel schon vorab überein, noch für dieses Jahr eine europäische Afghanistan-Konferenz einzuberufen. Ergänzend hieß es am Montag aus Regierungskreisen, bei dieser Konferenz werde es auch um einen Zeitrahmen für den Militäreinsatz gehen. Angepeilt werde ein schrittweiser Rückzug der Truppen vom Jahr 2015 an. Bis dahin müsse es in dem Krisengebiet eine „selbsttragende Sicherheit“ geben.

Am Wochenende hatte bereits Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) das jetzt kursierende Datum genannt. Im Jahr 2015 müsse Schluss sein, hatte Schröder in einer Rede im ostwestfälischen Lübbecke gesagt – dies aber gleich ausdrücklich als seine „private Meinung“ gekennzeichnet. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hatte die Festlegung auf ein Datum abgelehnt.

Unklar blieb am Montag, ob bei dem von der Bundeswehr Ende voriger Woche befohlenen Luftangriff auf Tanklastzüge auch Zivilisten ums Leben kamen. Kämpfer der radikal-islamischen Taliban-Rebellen hatten zwei Tanklastzüge entführt und die Fahrer getötet. Der Bundeswehroberst Georg Klein hatte darin einen Terrorangriff gesehen und gegen 1.30 Uhr in der Nacht zum Freitag die Bombardierung durch US-Kampfflugzeuge angeordnet.

Kritiker sagen, die Lastzüge hätten sich bereits in einer Flussfurt festgefahren. Deutsche Soldaten hätten bis zum Morgen warten und dann nachsehen können, ob die Gefahr noch bestehe. Dagegen betonte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, die Taliban hätten noch in der Nacht Dorfbewohner aufgefordert, ihnen sofort zwei Trecker zur Verfügung zu stellen, um die Tanklastzüge wieder in Gang zu setzen. Damit habe weiter ein extrem hohes Risiko für das nur sechs Kilometer entfernte deutsche Lager bestanden. „Der Luftschlag ist militärisch notwendig und richtig gewesen“, sagte Ministeriumssprecher Thomas Raabe am Montag. Dieser Einschätzung widersprach auch nicht das Auswärtige Amt. Beobachter in Berlin sprachen von einem demonstrativen schwarz-roten Schulterschluss.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai kritisierte, die Bundeswehr habe bei dem Angriff wegen einer „Fehleinschätzung“ Dutzende Menschen getötet. Karsai sagte der Pariser Zeitung „Figaro“, der Oberkommandierende der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe, Stanley McChrystal, habe sich bei ihm entschuldigt und erklärt, er persönlich habe den Angriffsbefehl nicht erteilt.