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Deutschland / Welt Bundespräsident Wulff will türkische Zuwanderer weiter aufnehmen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Bundespräsident Wulff will türkische Zuwanderer weiter aufnehmen
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17:21 22.10.2010
In seiner Rede vor dem türkischen Parlament lobte Christian Wulff Migranten und fordert Religionsfreiheit.
In seiner Rede vor dem türkischen Parlament lobte Christian Wulff Migranten und fordert Religionsfreiheit. Quelle: dpa
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Bundespräsident Christian Wulff hat die türkischstämmigen Migranten in Deutschland aufgefordert, sich verantwortungsvoll in die deutsche Gesellschaft einzubringen. In einer Rede vor dem Parlament in Ankara sagte er am Dienstag an die Adresse der nach Deutschland ausgewanderten Türken: „Unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger türkischer Herkunft (...) sind in unserem Land herzlich willkommen und sie gehören zu unserem Land.“

Wulff fügte hinzu: „Als ihr aller Präsident fordere ich, dass jeder Zugewanderte sich mit gutem Willen aktiv in unsere deutsche Gesellschaft einfügt.“ Es war das erste Mal, dass ein deutsches Staatsoberhaupt vor den türkischen Abgeordneten sprach.

Die Rede war auch in Deutschland mit Spannung erwartet worden, nachdem Wulff am Tag der Deutschen Einheit mit seinem Bekenntnis zum Islam als Teil der deutschen Realität eine heftige Kontroverse ausgelöst hatte.

Zum Auftakt seines Besuches in Ankara hatte sich Wulff gegen einen Zuzugstopp für Zuwanderer aus der Türkei gewandt, wie er von Seehofer verlangt wird. Wulff sagte in einem Interview mit der türkischen Tageszeitung „Hürriyet“: „Zu behaupten, eine ganze Gruppe könne und wolle sich nicht integrieren, halte ich für falsch. Ich wende mich gegen jedes Pauschalurteil.“ Er verlangte aber von Zuwanderern, dass sie die deutsche Gesellschaftsordnung akzeptieren.

Der Bundespräsident begann am Mausoleum des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk in Ankara den offiziellen Teil seines Besuches. Er legte einen Kranz an dem Grabmal nieder und begrüßte auch eine Gruppe deutscher Touristen. Wulff war am Vorabend in Begleitung seiner Frau Bettina und einer 15-köpfigen Wirtschaftsdelegation in Ankara eingetroffen. Geplanter politischer Höhepunkt am Dienstag war die erste Rede eines deutschen Präsidenten vor dem türkischen Parlament.

Wulff verlangte in dem am Dienstag gedruckten Interview von Zuwanderern, dass sie die deutsche Sprache lernen. „In streng religiösen Milieus gibt es bei diesem wichtigen Thema nicht akzeptable Abschottungen und Auffassungen, die mit unserer Rechtsordnung nicht vereinbar sind“, sagte Wulff weiter.

Alle Menschen, die in Deutschland leben, müssten „die Werte unserer Verfassung anerkennen, Respekt vor unserer Gesellschaftsordnung haben und respektieren, wie wir leben“, sagte Wulff. Am Tag der Deutschen Einheit hatte er gesagt, der Islam sei inzwischen Teil der deutschen Lebenswirklichkeit. Damit erntete er großes Lob von der türkischen Führung und Kritik aus Teilen der Union.

Bereits nach seiner Wahl im Juli hatte Wulff einen fairen Umgang der EU mit der Türkei angemahnt. Die Türkei strebt nach Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Wulff wird bei seiner Reise auch Vertreter der kleinen christlichen Minderheit in der Türkei treffen. Er will sich für mehr Religionsfreiheit in dem ganz überwiegend islamisch geprägten Land einsetzen.

Bei dem Empfang des Bundespräsidenten in Ankara am Dienstag schritt erstmals auch die das islamische Kopftuch tragende türkische Präsidentengattin Hayrünnisa Gül die militärische Ehrenformation vor dem Präsidentenpalast ab. Seit dem Amtsantritt von Präsident Abdullah Gül vor etwa drei Jahren hatte sie mit Rücksicht auf das laizistische türkische Militär auf eine Teilnahme an der Zeremonie verzichtet, um Streit zu vermeiden.

dpa

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