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Deutschland / Welt Bundespräsident Wulff trifft HAZ-Leser in Berlin
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Bundespräsident Wulff trifft HAZ-Leser in Berlin
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19:00 22.08.2010
Der Bundespräsident zum Anfassen: Jutta Freund (84) aus Groß-Buchholz geht auf Tuchfühlung mit Christian Wulff.
Der Bundespräsident zum Anfassen: Jutta Freund (84) aus Groß-Buchholz geht auf Tuchfühlung mit Christian Wulff. Quelle: Kris Finn
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Nach Auffassung von Bundespräsident Christian Wulff muss noch viel getan werden, um das gegenseitige Verständnis zwischen Bürgern und Politik zu verbessern. „Diese Aufgabe ist noch viel größer, als ich es befürchtet hatte“, sagte Wulff am Freitag vor Beginn eines Treffens mit 1500 Zeitungslesern aus ganz Deutschland, darunter auch 50 Lesern der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, die Wulff am Abend an ihrem Tisch zumindest ganz kurz auch persönlich begrüßte

Früher sei man dafür gelobt worden, dass man sich engagiere und für ein politisches Amt kandidiere. „Heute begleitet die Politiker viel Häme, viel Spott und viel Misstrauen – mehr als früher, und das kann so nicht bleiben“, sagte Wulff. Demokratie funktioniere nur, wenn Menschen Verantwortung übernähmen und nicht jeder Politiker als Karrierist verhöhnt werde. „Für dieses unser Land haben wir die Verantwortung; wir haben kein anderes Land, es ist unser Land, aus dem müssen wir gemeinsam etwas machen.“ Wulff warb zugleich für ein größeres Miteinander in der Gesellschaft: „Es gibt ganz große Erwartungen an den Zusammenhalt unserer Gesellschaft, an das Thema soziale Gerechtigkeit, dass alle ihrer Verantwortung nachkommen und dass diese Gesellschaft nicht auseinanderfällt.“

Gemeinsam mit 1500 Lesern von Tageszeitungen nahm Wulff am Abend an einem Essen vor dem Brandenburger Tor in Berlin teil. Die sogenannte „Tafel der Demokratie“ wurde zum dritten Mal vom Verein Werkstatt Deutschland ausgerichtet; die Veranstalter berufen sich auf historische Vorbilder und sehen das gemeinsame Mahl als „Zeichen für lebendige Demokratie“. Bei niedersächsischem Kartoffeleintopf mit Rinderbrustwürfeln sollten möglichst viele der 1500 eingeladenen Bürger Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit dem Bundespräsidenten und seiner Frau Bettina bekommen. Am Tisch der HAZ-Leser drückte er die 84-jährige Groß-Buchholzerin Jutta Freund an sich, alle anderen grüßte er herzlich im Vorbeigehen.

Derweil wollte die Arbeitsgemeinschaft Soziales Berlin am Freitag mit einer „Tafel der Habenichtse“ und Linsensuppe ebenfalls am Brandenburger Tor für höhere Hartz-IV-Regelsätze demonstrieren. Das Treffen solle auch ironischer Protest gegen eine „Vertafelung“ der Gesellschaft sein, hieß es. Wie Mitorganisator Roland Klautke am Donnerstag sagte, ist das schlichte Essen symbolische Gegenveranstaltung zur Tafel der Demokratie mit dem Bundespräsidenten. Beide Essen fanden in Sichtweite voneinander statt. Die Arbeitsgemeinschaft fordert die Erhöhung der Hartz-IV-Sätze um mindestens 80 Euro, um die Abhängigkeit sozial Bedürftiger von den karitativen Essenstafeln im Land zu beenden.

Gabi Stief und Daniel Behrendt