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Deutschland / Welt Bürgerrechtler nach Freilassung ungebeugt: „Ich kämpfe weiter“
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10:45 29.11.2010
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Nach Ablauf seiner zwölfjährigen Haftstrafe ist der langjährige chinesische Bürgerrechtler Qin Yongming am Montag auf freien Fuß gesetzt worden. Der 57-Jährige zählte zu den prominenten Gründern der 1998 verbotenen Demokratischen Partei Chinas und war wegen „Untergrabung der Staatsgewalt“ verurteilt worden. Nach der Haftentlassung in der zentralchinesischen Stadt Wuhan kündigte der Bürgerrechtler an, seinen Kampf für Demokratie und Menschenrechte in China fortsetzen zu wollen. „Ich bin schon dabei“, sagte Qin telefonisch der Nachrichtenagentur dpa in Peking.

Weil er seine umfangreichen Schriften nicht mitnehmen durfte, habe er sich zunächst geweigert, die Haftanstalt zu verlassen. Mehrere Polizisten hätten ihn daraufhin zwangsweise auf eine Wache gebracht, wo ihn seine Familie abgeholt habe. „Ich wurde nicht freigelassen, sondern aus dem Gefängnis entführt“, sagte Qin. Er habe Manuskripte mit einem Umfang von 20 Millionen Schriftzeichen zurücklassen müssen. „Für die Vorkämpfer von Demokratie und Menschenrechte ist China nur ein großes Gefängnis“, klagte der Bürgerrechtler. „Ich wurde aus der Haft in ein anderes großes Gefängnis entlassen.“

In Haft sei er schlecht behandelt und als politischer Gefangener besonders verfolgt worden. „Es war grausam.“ Seine Augen seien sehr schlecht, nachdem er in Haft zwölf Jahre lang Bücher geschrieben habe, berichtete der 57-Jährige. „Ich kann fast nichts sehen.“ Auch leide er unter Bluthochdruck. Nach der Entlassung habe ihm die Polizei auf der Wache strenge Auflagen gemacht. Unter anderem dürfe er ausländischen Medien keine Interviews geben, habe es geheißen.

Nach der Auszeichnung des inhaftierten Bürgerrechtlers Liu Xiaobo mit dem Friedensnobelpreis haben die chinesischen Behörden die Kontrolle über die kleine Dissidentenschar in China verschärft. Viele wurden unter Hausarrest oder strenge Beobachtung gestellt. Das Außenministerium bemüht sich auch aktiv, die Berichterstattung ausländischer Medien über Liu Xiaobo einzudämmen. Einige wurden bei ihrem Antrag auf Verlängerung ihrer Akkreditierung für das neue Jahr gewarnt, eine „rote Linie“ besser nicht zu übertreten.

Der Bürgerrechtler Qin hat seit der Bewegung um die „Mauer der Demokratie“ Ende der 70er Jahre wiederholt in Haft gesessen. Er gründete 1998 mit den beiden Bürgerrechtlern Xu Wenli und Wang Youcai die Demokratische Partei Chinas, die sich in mehreren Provinzen um behördliche Zulassung bemühte. Seine Mitstreiter wurden zu 13 und 11 Jahren Haft verurteilt. Durch internationalen Druck besonders seitens der US-Regierung waren Xu 2002 und Wang 2004 freigelassen und ins Exil in die USA abgeschoben worden. Anders als normaler Häftling bei guter Führung kam Qin nicht vorzeitig auf freien Fuß.

dpa

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