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Deutschland / Welt Berlin ist bestürzt über Mord an Ärzten in Afghanistan
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Berlin ist bestürzt über Mord an Ärzten in Afghanistan
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23:00 08.08.2010
Quelle: dpa
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Außerdem gehörten zwei Afghanen zu dem Augenärzte-Team der christlichen Hilfsorganisation International Assistance Mission (IAM). Die getötete deutsche Helferin stammt aus Sachsen. Die Frau war 35 Jahre alt, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte.

Die Bundesregierung reagierte empört auf den Anschlag in der Provinz Badakschan, wo die Bundeswehr in Feisabad 280 Soldaten stationiert hat. Ein Sprecher bezeichnete den bisher schwersten Übergriff auf Helfer in Afghanistan als „feigen Mord“ und forderte die Bestrafung der Täter. US-Außenministerin Hillary Clinton nannte das Massaker einen „verabscheuungswürdigen Akt mutwilliger Gewalt“.

Die Opfer, die in ungeschützten Autos reisten, waren nach Angaben der Polizei am Donnerstag im Grenzgebiet zwischen der gefährlichen Provinz Nuristan und der ruhigeren Provinz Badakschan ausgeraubt und erschossen worden. Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Allerdings gab es aus Sicherheitskreisen in Feisabad auch Hinweise, dass es sich bei den Tätern um Kriminelle handeln könnte und die Taliban den Mord nur für ihre politischen Zwecke ausschlachten wollten. Die Taliban nannten die Helfer „christliche Missionare“, die spioniert und Bibeln verteilt hätten. Dem widersprach die Organisation IAM.

Ungeachtet des Massakers will IAM seine Hilfe am Hindukusch fortsetzen. IAM-Direktor Dirk Frans nannte es „hochgradig unwahrscheinlich“, dass sich IAM zurückzieht. „Wir sind seit mehr als 44 Jahren hier.“ Die deutsche Christoffel-Blindenmission, die mit IAM zusammenarbeitet, will ihre Projekte in dem Land aber zunächst aussetzen.

Der Verband deutscher Entwicklungshilfeorganisationen, Venro, wertet die Ermordung der Ärzte als „ganz bösen Rückschlag“. In jüngster Zeit sei die Zahl der Anschläge auf humanitäre Helfer in Afghanistan zurückgegangen, sagte der Vorsitzende von Venro, Ulrich Post, dieser Zeitung. Es sei „ohnehin wahnsinnig schwer, qualifiziertes Personal für Hilfseinsätze in Afghanistan zu gewinnen. Jetzt wird es noch schwieriger“, sagte Post. In Afghanistan seien unter anderem Caritas-International, die Welthungerhilfe, die Malteser und Oxfam mit Helfern vor Ort. Man werde den Vorfall genau auswerten und Konsequenzen ziehen. Mit einem Abbruch der humanitären Hilfe rechnet Post aber nicht.

Michael Grüter und Klaus von der Brelie

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Die beim schwersten Angriff auf ausländische Helfer in Afghanistan getötete Deutsche stammt aus Sachsen. Die Frau sei 35 Jahre alt gewesen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Sonntag in Berlin. Weitere Einzelheiten teilte er nicht mit. Insgesamt waren bei dem Angriff zehn ausländische Helfer getötet worden.

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