Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Deutschland / Welt Horst Seehofer wird auf dem CSU-Parteitag zum Phantom
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Horst Seehofer wird auf dem CSU-Parteitag zum Phantom
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:52 18.10.2019
CSU-Chef Markus Söder will seine Partei neu erfinden. Mit 50-Prozent-Frauenquote, Klimaschutz und Seitenhieben auf Horst Seehofer. Quelle: imago images/Alexander Pohl
München

Es gibt eine Lücke bei der CSU. Sie ist erst mal nicht zu sehen, aber sie ist präsent. Bundesinnenminister Horst Seehofer ist nicht nach München gekommen zum CSU-Parteitag. Er hat offenbar früh genug abgesagt, es gibt nicht einmal ein Namensschild für ihn, die ersten Reihen sind voll besetzt.

Bis vor Kurzem waren das seine Veranstaltungen, Seehofer war CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident. Andere Ehemalige sind gekommen: Theo Waigel zum Beispiel, Edmund Stoiber redet mit seiner ewig dringlichen Miene auf Markus Söder ein. Der spart sich dadurch ein Foto mit Andreas Scheuer, dem mit der Pkw-Maut schlingernden Verkehrsminister, der von selbst diskret am Rand bleibt.

Die Niederlage des Phantoms

Söder ist der Neue, ein Stoiber-Vertrauter. Er hat Seehofer abserviert. Jetzt ist er der Chef, der der Partei und der der Regierung. Vielleicht wollte Seehofer ihm einfach nicht applaudieren müssen nach einer Wahl. „Das Phantom der Hauptstadt“, hat Ex-Verkehrsminister Peter Ramsauer ihn im Deutschlandfunk genannt. Ramsauer hatte auch seine Probleme mit Seehofer, das erklärt die Schärfe.

„Aufbruch Bayern. Zukunft Deutschland“, steht dort auf einer riesigen Wand hinter der Bühne. Es kann also endlich losgehen in diesem Bayern, findet die CSU, die dort seit Jahrzehnten regiert.

Vor einem Jahr sei die CSU in einer Existenzkrise gewesen, sagt Söder in seiner Rede als Erstes. „Ein Jahr später sind wir wieder so in Schuss, dass manche uns mehr zutrauen als nur in Bayern erfolgreich zu sein.“

Der Absturz bei der bayerischen Landtagswahl vor einem Jahr ist damit nicht mehr Söders Absturz, obwohl er damals schon Ministerpräsident war. Es ist die Niederlage des Phantoms.

Söder stellt sich zur Wiederwahl, es ist ein neuer Söder. Seit der Landtagswahl hat sich der 52-Jährige einen anderen Ton übergestreift. „Zusammenführen, statt zu spalten“, darum gehe es, hat er der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt. Vor der Wahl hat er im Streit von CDU und CSU um die Flüchtlingspolitik fleißig mitgemacht, er war keiner der zartesten. Nun sagt Söder, man habe auf die Menschen „negativ und zum Teil sogar aggressiv“ gewirkt. Er klingt fast etwas verwundert. „Uns fehlte der Optimismus“, sagt Söder. Kern des Streits mit der CDU war unter anderem, dass die CSU Angela Merkels Optimismus blauäugig nannte.

Nun steht im Entwurf für die Parteireform, die am Samstag beschlossen werden soll: „Die Zugezogenen und Neubürger schätzen Bayern als erfolgreiches und lebenswertes Land, sie sind leistungsbereit und wertkonservativ – gerade auch Personen mit Migrationshintergrund.“ Sie will man nun als CSU-Mitglieder haben. Und Frauen obendrein, der CSU gehen die Mitglieder aus und langsam auch die Wähler.

Mehr zum Thema

Ex-Parteichef Huber: “Die CSU ist nicht so gewöhnt, Kompromisse zu schließen”

Lebkuchenherzen für „starke Frauen“

Nur jedes fünfte CSU-Mitglied ist eine Frau, der Anteil der weiblichen Abgeordneten in den Parlamenten ist nach den letzten Wahlen gesunken. Jetzt soll die 40-Prozent-Quote für Partei- und Bezirksvorstände auf 50 Prozent erhöht werden. Kreisverbände bekommen eine 40-Prozent-Quote aufgebrummt. Außerdem soll es künftig kostenlose Kinderbetreuung auf Parteiveranstaltungen geben.

Auf dem Parteitag werden Lebkuchenherzen verteilt. „Starke Frauen für die CSU“ steht darauf, mit einer blauen Blume darunter.

Aber es geht bei der CSU auch um Holz-Jo-Jos und Bambus-Kugelschreiber. Die hat die Partei seit Neuestem als Werbematerial. Söder hat sich das das Klimathema geschnappt, die Grünen haben schließlich gerade die positivste Ausstrahlung. Söder ist also jetzt Waldschützer und – nachdem ein Volksbegehren zum Insektenschutz in Bayern erfolgreich war – auch oberster Bienenfreund.

Bayern ist heute anders als vor 25 Jahren“, sagt er. „Es wird nicht reichen, nur zu wünschen, dass wir wieder in den alten Zeiten wären.“ Die alten Zeiten, in der CSU sind das die von Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber und mühelos errungenen absoluten Mehrheiten.

Söder als Gamer

„Entweder man geht mit der Zeit oder man muss mit der Zeit gehen“, sagt Söder und beruft sich auf die bayerischen Könige und „die bayerische Lässigkeit“. Zu der gehört, dass er sich in einem Einspielfilm auf dem Parteitag zum Videospieler erklärt: „Im Prinzip war man Gamer“, sagt er. Noch so ein Haken gegen Seehofer.

Der ehemalige CSU-König Seehofer ist auf eine Innenministerkonferenz gefahren. Bei der CSU haben sie das erst mal nicht gewusst. „Er ist nicht mehr erreichbar für uns“, sagt ein Vorstandsmitglied.

Für den Samstag hat sich CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem Parteitag angekündigt.

Von Daniela Vates/RND

Die Anschlagswelle in Afghanistan reißt nicht ab. In der ostafghanischen Provinz Nangarhar beten Menschen in einer Moschee, als die Decke einbricht - das Gotteshaus soll völlig zerstört sein. Mindestens 62 Tote gibt es bislang, darunter offenbar auch Kinder.

18.10.2019

Die Innenminister von Bund und Ländern berieten nach dem Anschlag von Halle über den Schutz von Synagogen. Das ist gut und wird doch nicht reichen. Das zentrale Problem bleibt, dass Antisemitismus längst wieder Alltag geworden ist in Deutschland, kommentiert Markus Decker.

18.10.2019

In Thüringen hat die Polizei am Freitag gleich zwei Wohnungen im Zusammenhang mit der anstehenden Landtagswahl durchsucht. Ein Mann soll im Internet zu schweren Straftaten gegen Grünen-Chef Robert Habeck aufgerufen haben, auch eine Morddrohung gegen ihn soll es gegeben haben. Ein polizeibekannter Rechtsextremist soll sich außerdem Waffen besorgt haben.

18.10.2019