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Deutschland / Welt Anschlag von Christchurch: Attentäter will sich selbst verteidigen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Anschlag von Christchurch: Attentäter will sich selbst verteidigen
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14:23 18.03.2019
Blumen liegen an einer behelfsmäßigen Gedenkstelle nahe der Al-Nur-Moschee, einem der Tatorte. Quelle: Peter Godfrey/dpa
Christchurch

Der mutmaßliche Attentäter von Christchurch will sich nach Aussage seines bisherigen Pflichtverteidigers Richard Peters selbst vor Gericht verteidigen. Peters sagte der Zeitung „New Zealand Herald“, dass ihn der 28-jährige Brenton Tarrant von seinem Mandat als Anwalt entbunden habe und er nicht länger für ihn tätig sei.

Der festgenommene Australier habe ihm selbst gesagt, dass er sich künftig selbst verteidigen werde. Peters äußerte die Vermutung, dass der Rechtsextremist einen Prozess als Plattform nutzen könnte, um „seine ziemlich extremen Ansichten“ vor den Augen der Weltöffentlichkeit zur Schau zu stellen. „Die Aufgabe des Richters wird sein damit umzugehen“, sagte Peters der Zeitung.

Tarrant war nach dem Massaker mit mindestens 50 Todesopfern in zwei Moscheen am Freitag festgenommen worden und allen bisherigen Erkenntnissen nach als Einzeltäter vorgegangen.

Dem Australier, der seit mehreren Jahren in Neuseeland lebt, droht nun lebenslange Haft wegen vielfachen Mordes. Kurz vor der Tat stellte er eine 74-seitige Kampfschrift mit rechtsextremen Parolen ins Internet und verschickte sie auch per E-Mail, unter anderen an Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern. Muslime und Immigranten bezeichnet er darin als „Invasoren“, sich selbst als Rassisten.

Tarrant habe auf ihn den Eindruck gemacht, bei klarem Verstand und psychisch stabil zu sein, sagte Peters. Außerdem habe er weder Reue noch Mitleid erkennen lassen. Nachdem er Tarrant am Samstag vor Gericht vertreten hatte, habe ihn sein Mandant dann von seiner Aufgabe als Pflichtverteidiger entbunden.

Polizei durchsucht Wohnungen an Australiens Ostküste

Im Zuge der Ermittlungen durchsuchten Anti-Terror-Einheiten der australischen Polizei am Montagmorgen zwei Wohnungen an der Ostküste des Landes. Dabei handelte es sich nach Informationen des australischen Senders Nine News um eine Wohnung in der Ortschaft Sandy Beach, die mit Tarrants Schwester verbunden sei, und um ein zweites Objekt in Lawrence.

Die Polizei bestätigte zwar die Durchsuchungen auf der Suche nach ermittlungsrelevantem Material, machte aber keine konkreten Angaben dazu, in welcher Form sie in Verbindung zu dem mutmaßlichen Attentäter von Christchurch stehen.

Mitten im Freitagsgebet stürmt ein bewaffneter Mann eine Moschee in Christchurch. Auch in einer anderen Moschee der neuseeländischen Stadt fallen Schüsse. Die Bilanz: mehrere Tote.

Derweil hat der Besitzer eines Waffenladens in Christchurch bestätigt, vier Waffen und Munition an den mutmaßlichen Angreifer verkauft zu haben. Der Verkauf sei online über einen polizeigeprüften Versandhandelsprozess abgewickelt worden, sagte David Tipple, der Besitzer des Waffenladens „Gun City“. Tipple sagte, er habe der Polizei die Verkaufsunterlagen zur Verfügung gestellt. Es seien keine halbautomatischen Waffen verkauft worden. Ihnen sei nichts Außergewöhnliches aufgefallen, sagte er über den mutmaßlichen Attentäter. Er und seine Mitarbeiter seien „bestürzt und angewidert“ von der Tat.

Neuseeland bringt Verschärfung der Waffengesetze auf den Weg

Unterdessen will die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern eine Reform der Waffengesetze innerhalb von zehn Tagen ankündigen. Das Kabinett habe sich grundsätzlich auf schärfere Gesetze verständigt, müsse die Details aber noch ausarbeiten, sagte sie am Montag.

Sie kündigte außerdem eine Untersuchung des Geheimdienstes an. „Wir wollen so schnell wie möglich damit vorankommen.“

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Von RND/dpa/AP