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Deutschland / Welt Weltweites Rätsel um US-Schattenkämpfer
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18:49 15.05.2014
Von Stefan Koch
Foto: Mitarbeiter der privaten US-Sicherheitsfirma Blackwater – jetzt unter dem Namen Academi bekannt – schützen Paul Bremer, den zivilen US-Verwalter im Irak (M.).
Mitarbeiter der privaten US-Sicherheitsfirma Blackwater – jetzt unter dem Namen Academi bekannt – schützen Paul Bremer, den zivilen US-Verwalter im Irak (M.). Quelle: dpa
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Washington

Etwa 20.000 Söldner schickt die private Sicherheitsfirma "Academi" pro Jahr weltweit in Einsätze. Die hochtrainierten Elitekämpfer bewachen amerikanische Militärbasen in Afghanistan, begleiten Reporter und Fernsehteams in Krisengebiete und stehen auf der Honorarliste von unzähligen Diplomaten. Seit einigen Wochen geraten die diskreten Haudegen gegen ihren Willen in das grelle Scheinwerferlicht der internationalen Politik. Kremlnahe Medien sind der festen Überzeugung, dass einige dieser kriegserfahrenen Männer von der jungen Kiewer Regierung angeheuert wurden, um die Ostukraine wieder auf Linie zu bringen. Alles nur ein Gerücht?

Die Sicherheitsfirma weist sämtliche Spekulationen von sich: "Die Anschuldigung, dass wir in irgendeiner Weise in der Ukraine präsent sind, ist absolut falsch", sagt Academi-Sprecher Callie Wang. Der frühere Offizier der US-Navy besitzt in Militärkreisen einen guten Namen: Wang, der neben Englisch auch fließend Chinesisch und Spanisch spricht, war zwischenzeitlich direkt im Büro des US-Verteidigungsministers beschäftigt, bevor er in die Privatindustrie wechselte. Die politischen Folgewirkungen eines Academi-Einsatzes in der spannungsgeladenen Region dürften ihm daher hinreichend bekannt sein. Dennoch ist seine Aussage mit Vorsicht zu genießen, da es für diese Privatfirma keinerlei Verpflichtung gibt, über ihre Einsatzorte gegenüber der Öffentlichkeit Rechenschaft abzulegen. Ebenso wie die berüchtigte Vorgängerfirma "Blackwater" zählt das Unternehmen Diskretion zu seinen obersten Grundsätzen.

Die Blackwater-Vergangenheit wirkt nach

Der Firma "Academi" eilt ein zweifelhafter Ruf voraus. Auf der milliardenschweren Gesellschaft lasten vor allem die Erinnerungen an ihre Vorgänger von "Blackwater", die im Irak-Krieg mehrere Zivilisten erschossen haben sollen. Nach den dramatischen Vorfällen, die zum Teil bis heute juristisch nicht aufgearbeitet sind, nannte sich die Söldnertruppe zunächst in "Xe Services" um. Vor vier Jahren stieg eine private Investorengruppe in das Unternehmen ein und setzte eine weitere Umbennung durch - "Academi". Die bisherigen "Blackwater"-Trainingsflächen und Schießbahnen in North Carolina und die Büros in Virginia wurden direkt von "Academi" übernommen. Der frühere Elitesoldat Erik Prince, der die berühmt-berüchtigte Truppe aufstellte, hat sich zwischenzeitlich allerdings aus dem lukrativen Geschäft verabschiedet. Die Führung von "Academi" betont, keinerlei Verbindungen zu der früheren "Blackwater"-Spitze zu besitzen. Dem gegenwärtigen Chef Craig Nixon gelang es trotz der düsteren Vergangenheit weiterhin größere Verträge mit dem Pentagon abzuschließen. Hilfsreich dürften ihm dabei die Kontakte aus seiner früheren Tätigkeit sein: Nixon diente bis vor wenigen Jahren als Brigadegeneral der US-Armee und war über zwei Jahre für den Nordirak mitverantwortlich. Zu seinen heutigen Mitstreitern zählt John Ashcroft. Der frühere Justizminister sitzt im Aufsichtsrat von Academi. Als Angehöriger der Regierung des damaligen Präsidenten George W. Bush setzte sich Ashcroft unter anderem für die Lockerung der Waffengesetze ein. ko

Wenig erhellendes ist auch von der Central Intelligence Agency (CIA) zu hören, deren Büros nur unweit der "Academie"-Zentrale im Bundesstaat Virginia stehen. "Zu dieser Firma geben wir keine Kommentare ab", sagt CIA-Sprecher Christopher White. Der Geheimdienstmann will sich auch nicht zu seinem obersten Behördenchef John Brennan äußern, der kürzlich zu hochkarätigen Gesprächen nach Kiew flog. In Washington heißt es, Brennan würde ausdrücklich vor dem Eingreifen privater Hilfskräfte aus den USA warnen, da der außenpolitische Schaden für die Vereinigten Staaten immens wäre. Sicherlich würde die Administration von Präsident Barack Obama der Kiewer Regierung "partnerschaftlich" zur Seite stehen und sensible Informationen austauschen. Um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen, gebe es aber keinerlei Überlegungen zu einer bewaffneten Hilfe.

Fest steht, dass die Söldner von "Academi" ebenso wie die Kämpfer der kleineren Firma "Greystone" grundsätzlich von jedermann angeheuert werden können. Wenn sich beispielsweise ukrainische Oligarchen in ihrer persönlichen Sicherheit bedroht fühlen, hätten sie sicherlich die Möglichkeit, gegen ein entsprechendes Honorar einige Leibwächter anzuheuern. Eine größere Kampfeinheit ließe sich vor Ort allerdings kaum geheim halten. So hebt ein hochrangiger Offizier des Pentagons gegenüber dieser Zeitung hervor: "Viele dieser Sicherheitskräfte waren längere Zeit in Afghanistan und im Irak stationiert. Sollten diese Jungs in größerer Anzahl in der Ostukraine einen Auftrag erhalten, sähe die Lage dort wahrscheinlich anders aus."

Ähnlich äußert sich auch die US-Regierung: Jay Carney, Sprecher des Weißen Hauses, hält das Szenario schlicht über "abwegig". In dem Konflikt, der zum Teil einem Propagandakrieg gleichkommt, bleiben allerdings viele Unwägbarkeiten.
Die Meldung der "Bild am Sonntag", dass der Bundesnachrichtendienst das Kanzleramt über den Einsatz von 400 Academi-Söldnern in Ukraine informierte, gilt mittlerweile als bestätigt. Allerdings bleiben die Quellen des deutschen Geheimdienstes überaus schwammig. Es ist ausgerechnet von amerikanischen Zuträgern die Rede. So mancher Beobachter fragt sich daher: Haben sich die Handlanger des US-Militärs durch hohe Provisionen auf Abwege locken lassen? Eine seriöse Antwort ist vor den ukrainischen Präsidentschaftswahlen am 25. Mai wohl kaum zu erwarten.

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