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Deutschland / Welt „380 000 Flüchtlinge haben schon einen Job“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „380 000 Flüchtlinge haben schon einen Job“
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08:01 06.08.2019
Herbert Brücker leitet den Forschungsbereich Migration und Integration des Instituts für Arbeits­markt- und Berufsforschung (IAB).
Berlin

Bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt geht es nach Einschätzung des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) deutlich schneller voran als zunächst angenommen.

Herr Brücker, als 2015/2016 Hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland kamen, waren die Hoffnungen groß – die Unternehmen sahen die Chance auf dringend benötigte Arbeitskräfte. Haben sich die Erwartungen erfüllt?

Ich würde sagen: Das Glas ist halb voll. Es gab sicherlich überzogene Erwartungen. Ich denke da an den damaligen Daimler-Chef Dieter Zetsche, der davon sprach, die Zuwanderung von Flüchtlingen könne im besten Fall zu einem neuen deutschen Wirtschaftswunder führen. Die Erwartungen waren überzogen. Wir haben damals schon gesagt, dass 70 bis 80 Prozent der Flüchtlinge ohne Berufsabschluss kamen. Von einer beruflichen Bildung im deutschen Sinne konnte also keine Rede sein.

Wie fällt die Bilanz heute aus?

Aus früheren Erfahrungen mit Flüchtlingen wissen wir, dass nach fünf Jahren ungefähr jeder zweite im Arbeitsmarkt ankommt und einen Job hat. Stand jetzt sind ungefähr 36 Prozent der Flüchtlinge zwischen 15 und 64 Jahren in Beschäftigung. Das sind etwa 380 000 Beschäftigte.

Stimmt die Bilanz zufrieden?

Ja, durchaus. Ich rechne damit, dass im Herbst ungefähr 40 Prozent der Flüchtlinge in erwerbsfähigem Alter einer Beschäftigung nachgehen. Damit wäre die Inte­gration in den Arbeitsmarkt etwa ein Jahr schneller verlaufen, als wir es bei früheren Flüchtlingsbewegungen nach Deutschland festgestellt haben. Damit sind wir recht zufrieden. Zumal die Startvoraussetzungen bei den Flüchtlingen 2015 und danach besonders schwierig waren – schon allein, weil Deutsch vom Arabischen sehr viel weiter weg ist als beispielsweise die Sprachen vom Balkan wie bei den Flüchtlingen der Neunzigerjahre.

Arbeiten Flüchtlinge vor allem in ungelernten Jobs?

Das ist fifty-fifty. Etwa 50 Prozent arbeiten als Fachkräfte oder Spezialisten und Experten. Dies ist ein überraschend hoher Wert, wenn man bedenkt, dass nur jeder Fünfte vor der Flucht einen Berufsabschluss gemacht oder ein Hochschulstudium abgeschlossen hat. Die Erklärung ist, dass diese Menschen in ihren Heimatländern ohne Abschluss relativ qualifizierte Tätigkeiten ausgeübt haben. In Ländern wie Syrien gibt es für Kfz-Mechaniker keine Lehre. Man lernt im Job. Deshalb haben 85 Prozent der Flüchtlinge, die vor dem Zuzug erwerbstätig waren, eine qualifizierte Tätigkeit ausgeübt, obwohl sie keine Abschlüsse im deutschen Sinne hatten.

In welchen Branchen haben Flüchtlinge die besten Chancen?

Sehr viele arbeiten als Leiharbeiter, allerdings zu relativ geringen Löhnen. Darüber hinaus gibt es einen hohen Flüchtlingsanteil in der Gastronomie, in der Security, im Reinigungsgewerbe, auf dem Bau und in der Pflege.

Der Arzt aus Aleppo ist eher die Ausnahme?

Ja, das ist eine relativ kleine Gruppe. Der Arzt wäre in unserer Systematik als Spezialist oder Experte einzustufen. In diesen Bereichen arbeiten höchstens 8 Prozent der Flüchtlinge.

Wie viele Azubis gibt es aktuell, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind?

Das sind in diesem Jahr 35 000 bis 40 000 junge Männer und Frauen.

Wenn es um Ausbildung geht, beklagen die Unternehmen, dass viele Flüchtlinge nicht durchhalten. Woran liegt das?

Dazu haben wir noch keine quantitativen Erkenntnisse. Viel spricht dafür, dass Flüchtlinge als Lehrlinge in den Unternehmen noch relativ gut zurechtkommen. Aber es zeigt sich, dass sie häufig große Schwierigkeiten haben, in der Berufsschule mitzukommen. Häufig fehlt es an schulischen Voraussetzungen und an ausreichenden Deutschkenntnissen. Schließlich geht es in der Berufsschule anders als im Betrieb um relativ abstraktes Lernen.

Von Rasmus Buchsteiner

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