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19:30 23.09.2013
Von Conrad von Meding
Foto: Wie ein 70-Jähriger die jungen Wilden alt aussehen lässt: Das gute CDU-Wahlergebnis bringt Wilfried Lorenz in den Bundestag
Wie ein 70-Jähriger die jungen Wilden alt aussehen lässt: Das gute CDU-Wahlergebnis bringt Wilfried Lorenz in den Bundestag Quelle: Archiv
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Hannover

Dass er den Einzug in den Bundestag schaffen könnte, hatte keiner auf dem Plan – er selbst am wenigsten. Deshalb hat der hannoversche Ratsherr Wilfried Lorenz, 70 Jahre alt, den entscheidenden Moment ganz schlicht verschlafen, als irgendwann ganz spät in der Nacht zu Montag feststand: Das furiose Ergebnis der Niedersachsen-CDU bringt ihn in das Bundesparlament. „Meine Frau und ich sind um halb zwölf ins Bett gegangen“, sagt Lorenz mit Unschuldsmine. Beim Frühstück habe er dann erfahren, dass er sozusagen seit einigen Stunden Bundestagsabgeordneter ist. „Da habe ich erst mal meine Frau in den Arm genommen, und wir haben uns gefreut.“

Diese jüngste Episode der Geschichte des Wilfried Lorenz ist bezeichnend für Hannovers CDU. Während sich allerorten beflissene, junge Parteikarrieristen um Kandidaturen für den Bundestag reißen, hat sich in Hannover mal wieder niemand gefunden, der im nördlichen Stadtgebiet gegen Kerstin Tack (SPD) antreten wollte. Lorenz hat die Herausforderung angenommen, nun sitzt er im nächsten Bundestag. Das Direktmandat hat er zwar nicht geholt, dafür stand er aber auf dem eigentlich aussichtslosen Listenplatz 29 seiner Partei – und der war diesmal gar nicht aussichtslos. „Ich habe mich nicht darum beworben“, sagt Lorenz fast entschuldigend: „Ich bin von der Parteispitze gefragt worden, und ich habe mein Bestes dazu gegeben, um zu einem guten Wahlergebnis beizutragen.“

Nun ist der 70-Jährige kein trotteliger Methusalem, sondern seit Jahrzehnten ein Vollblut-Politiker. Allerdings ehrenamtlich und ausschließlich im Kommunalen. Seit rund 25 Jahren sitzt er im hannoverschen Rat, acht Jahre war er im Regionsparlament aktiv, davon fünf Jahre als Vizepräsident. Lorenz ist selbstständiger Unternehmensberater in der Sicherheitsbranche, er führt seit Jahren das Vahrenwalder Wirtschaftsforum, den Verein örtlicher Geschäftsleute. Wer ihn bei Podiumsdiskussionen oder im direkten Gespräch erlebt, der merkt schnell: Da spricht kein Greis, da ist jemand hellwach.

Was er im Bundestag bewegen können wird, muss sich zeigen. Erst mal fährt er heute für zwei Tage mit seiner Frau Rosemarie nach Berlin: die anderen Fraktionsmitglieder kennenlernen. Er muss Mitarbeiter für sein Büro aussuchen und will sich eine Wohnung in der Hauptstadt nehmen. „Meine Heimat bleibt aber Hannover“, verspricht er.

Politische Pläne hat Lorenz auch schon. Die Rolle der Kommunen im Bund will er stärken, natürlich. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei ihm wichtig. Und in der Sicherheitspolitik will er dafür sorgen, dass Investitionen in die häusliche Sicherheit steuerlich absetzbar werden. „Ich will“, sagt Lorenz, „das umsetzen, was ich im Wahlkampf versprochen habe.“ Das ist ja nicht der schlechteste Vorsatz für einen Politiker.

23.09.2013