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Deutschland / Welt Exklusiv: 14.833 Schuss Munition aus Geheimdienstkaserne verschwunden
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Exklusiv: 14.833 Schuss Munition aus Geheimdienstkaserne verschwunden
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12:43 30.09.2019
Soldaten der Bundeswehr stehen in Reih und Glied in der Waldkaserne im nordrhein-westfälischen Hilden. Quelle: imago images / Deutzmann
Berlin

Eigentlich soll der Militärgeheimdienst MAD aufklären, zum Beispiel Rechtsextreme aus der Truppe filtern. Jetzt sorgt ein Fall aus Nordrhein-Westfalen für Aufregung.

Die Sache liegt schon einige Jahre zurück. Im Juni 2014 meldete die Bundeswehr den Verlust von Munition aus der Waldkaserne von Hilden. Dort gingen gleich mehrere hundert Kilogramm Munition verloren. 14.833 Schuss sind immer noch spurlos verschwunden. Das geht aus einer als Verschlusssache (VS - Nur für den Dienstgebrauch) eingestuften Auflistung des Bundesverteidigungsministeriums hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

In der Kaserne Hilden sind rund 750 Soldaten stationiert - darunter auch Angehörige des Militärgeheimdienstes MAD. Der MAD ist laut Verteidigungsministerium eigentlich damit betraut zu prüfen, „ob Erkenntnisse mit Extremismusbezug zu möglichen Tatverdächtigen vorliegen“, wie es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Martina Renner heißt. Nähere Angaben zum Hergang macht das Ministerium aber nicht. Die Ermittlungen seien ergebnislos eingestellt, Polizei und Staatsanwaltschaft nicht eingeschaltet worden, heißt es.

Hilden: Nur ein Fall von vielen

Der Fall von Hilden bleibt damit ungeklärt – und er ist einer von vielen. Das vertrauliche Papier aus dem Verteidigungsministerium listet insgesamt den Verlust von 39 Waffen, 39 Waffenteilen und 19.445 Schuss Munition aus den Beständen der Bundeswehr seit Anfang 2014 auf. Davon sind bislang nur zwei Waffen, ein Waffenteil und 3474 Schuss Munition wieder aufgetaucht.

Bei den nach wie vor verschwundenen Waffen und Waffenteilen handelt es sich unter anderem um sechs Maschinengewehre vom Typ MG3, elf Gewehre vom Typ G3, vier Gewehre vom Typ G36, sechs Signalpistolen sowie zwei Pistolen vom Typ P8. Zudem fehlen 30 Waffenrohre für Maschinengewehre vom Typ MG3.

Der Großteil der Fälle an spurlos verschwundenen Waffen und Munition liegt bereits einige Jahre zurück. Die sechs Maschinengewehre vom Typ MG3 gingen im Mai 2015 im niedersächsischen Wilhelmshaven verloren, 30 dazu passende Waffenrohre gut einen Monat davor im bayerischen Erding. Unter den verschwundenen Waffen befindet sich auch eine Maschinenpistole vom Typ MP7, die ausschließlich von Behörden genutzt wird und für die es keine Munition auf dem freien Markt gibt. Auch in Wilhemshaven liegt ein Standort des MAD.

Besonders betroffene Standorte von privaten Sicherheitsunternehmen bewacht

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sind zurzeit 34 private Unternehmen mit 7012 Mitarbeitern in die Bewachung von Bundeswehrliegenschaften eingebunden. Zum Zeitpunkt der Waffen- und Munitionsverluste seien die besonders betroffenen Standorte in Wilhelmshaven, Hilden und Erding von privaten Sicherheitsunternehmen bewacht worden. Eine Sprecherin des Ministeriums sagte, es handele sich um insgesamt 35 verschwundene Waffen. Angesichts von mehr als 300.000 Handwaffen der Bundeswehr liege diese Zahl jedoch im "Promille-Bereich". Zudem sei die Zahl der vermissten Waffen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen.

Angaben dazu, woher die gut tausend Schuss Munition stammten, die Ermittler bei einem Helfer des unter Terrorverdacht stehenden Bundeswehroffiziers Franco A. vor zwei Jahren fanden, machte das Verteidigungsministerium mit Bezug auf laufende Ermittlungen nicht.

Mehr lesen: Bundeswehr: 50 neue rechtsextreme Verdachtsfälle

Linken-Politikerin: Umgang mit Waffen- und Munitionsverlusten ist beängstigend

Der Umfang von Waffen- und Munitionsverlusten bei der Bundeswehr sei „beängstigend“, sagte Martina Renner dem RND. Dies gelte umso mehr, da im Zuge von Ermittlungen kaum etwas wieder aufgefunden worden sei. Die Linken-Politikerin sprach von einer „dürftigen Bilanz“. Renner kritisierte, dass an der Auflistung nicht erkennbar sei, ob sich unter der verschwundenen Munition auch diejenige befinde, die im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen den unter Terrorverdacht stehenden Bundeswehroffizier Franco A. gefunden worden sei. „Und das, obwohl ein Unterstützer von Franco A. kürzlich wegen des Besitzes dieser Munition verurteilt wurde“, sagte Renner. Der mutmaßliche Terrorhelfer hat inzwischen Revision eingelegt.

Der Verlust von Waffen und Munition bei der Bundeswehr zieht eine strenge Aufarbeitung nach sich. Ab fünf Patronen muss der Vorgang dem Verteidigungsministerium gemeldet werden. Bereits bei einer Patrone wird der betroffene Soldat vernommen und ein Schadensvorgang angelegt. Ein Prozedere, dem auch ein Soldat in Wilhelmshaven nicht entging. Ihm war eine Patrone ins Hafenbecken gefallen.

Das Verteidigungsministerium wollte den Vorgang mit Verweis auf die Einstufung des Dokumentes auf RND-Anfrage nicht kommentieren.

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Von Jörg Köpke/RND

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