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Panorama Zweieinhalb Jahre nach Amoklauf in Winnenden ist Schule wiedereröffnet
Nachrichten Panorama Zweieinhalb Jahre nach Amoklauf in Winnenden ist Schule wiedereröffnet
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21:16 16.10.2011
Viel Licht, viel Farbe: Für die älteren Schüler der Albertville-Realschule ist es eine Rückkehr an den Tatort, die jüngeren wissen bloß, dass hier einst was Schlimmes passiert ist.
Viel Licht, viel Farbe: Für die älteren Schüler der Albertville-Realschule ist es eine Rückkehr an den Tatort, die jüngeren wissen bloß, dass hier einst was Schlimmes passiert ist. Quelle: dpa
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Winnenden

Die Einschusslöcher von damals – übertüncht und zugegipst. Lediglich eine bunte Malerei und ein Schriftzug aus Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ schlängeln sich durch den Raum. Die Verzierung, angefertigt vor dem Amoklauf, wirkt wie eine Mahnung: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Der Spruch sei zentral für die trauernden Schüler, sagt Kubick. „Es reicht nicht aus, Menschen nur an der Oberfläche kennenzulernen. Man muss lernen, sie zu verstehen“, sagt er mit Blick auf den Amokläufer, einen ehemaligen Albertville-Schüler. „Dieses Ziel soll unsere Pädagogik künftig auszeichnen, wir schauen nach vorn.“

Der 17-jährige Tim K. hatte 15 Menschen und sich selbst erschossen. Nach dem Amoklauf wurde das Gebäude 13 Monate lang umgebaut und im Inneren und Äußeren neu gestaltet. Erst in diesem Schuljahr wurde der Unterricht am alten Platz wieder aufgenommen. Bis dahin lernten die 600 Schüler in Containern. Mehr als sechs Millionen Euro kostete die Neugestaltung. Sie sollte nicht nur das Gebäude wiederherrichten, sondern auch die seelischen Wunden heilen helfen.

Heute befindet sich eine lichtdurchflutete Aula im überdachten Innenhof. „Ich habe einen Traum“, das Leitmotto, steht meterhoch auf einen Aufzug geschrieben, die Buchstaben ragen zum Himmel. Die Aula verbindet die Klassenzimmer über mehrere Stockwerke miteinander. Wenige Schritte weiter schmücken Pastellfarben das neue Foyer. Den Neubeginn vermittelt auch die einladende Holzfassade des Neubaus – Sekretariat, Verwaltungs- und Lehrerzimmer sowie das Rektorat sind darin untergekommen.

„Wir denken an jedem Schultag daran, was passiert ist. Viele Schüler meistern ihre Erlebnisse sehr gut“, sagt die 15-jährige Schülervertreterin Michelle Wicherek. „Ich glaube, der Zusammenhalt innerhalb der Schule hat sich vergrößert.“ Um die Umstellung zu erleichtern, führten Klassenlehrer und Schulpsychologen die Realschüler bereits in den Sommerferien durch die umgestalteten Räume. „Das erste Herantasten ist allen nicht leichtgefallen“, sagt Vertrauenslehrer Werner Klingel. „Mich hat erstaunt, wie gut wir die Erlebnisse weggesteckt haben. Mittlerweile überwiegt das gute Gefühl.“ Es gibt ein neues Alarmsystem. Jedes Klassenzimmer wurde mit einem Lautsprecher und einem Amok-Knopf ausgestattet. Im Notfall kann so die Polizei alarmiert werden. Zusätzlich lassen sich die Klassenzimmertüren von innen mit einem Drehknopf verriegeln. Sicherheit soll so vermittelt werden. Zum Preis einer stets präsenten Bedrohung.

Für die älteren Klassen 8 bis 10 ist es eine Rückkehr an den Tatort, für die jüngeren bloß ein Umzug vom Schulcontainer in den Klassenraum, erklärt ein Lehrer: Manch ein Fünftklässler wisse von seiner neuen Schule nur, dass dort einmal etwas Schlimmes passiert ist.

dpa

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