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Panorama Wie Billy zu Billy wurde: Möbelklassiker und ihre Geschichten
Nachrichten Panorama Wie Billy zu Billy wurde: Möbelklassiker und ihre Geschichten
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13:00 11.05.2019
Die Stühle namens Eames Plastic Chair für Vitra haben eine Kunststoffschale. Heute gibt es sie zwar mit unterschiedlichen Beinen, das Ursprungsmodell war aus Stahldraht. Quelle: Marc Eggimann/Vitra/dpa
Hannover

Billy, den kennt jeder. Genauer gesagt: Das kennt jeder. Es handelt sich um das berühmte Billy-Regal von Ikea. Warum heißt es eigentlich so? Das Regal hat einen Namenspaten: Billy Liljedahl. Dessen Kollege Gillis Lundgren hat das Möbel im Jahr 1979 für ihn entworfen, da sich Billy nach einem „richtigen“ Bücherregal sehnte. Heute ist das Regal Billy 40 Jahre alt und wird etwa 4,5 Millionen Mal pro Jahr produziert.

Mit der Zeit ist es so beliebt geworden, dass 1992 ein wahrer Shitstorm auf Ikea niederging, als das schwedische Möbelhaus das Regal Billy abgeschafft hatte. „Sie haben uns beschimpft. Sie haben uns geschmeichelt. Sie haben uns bestochen. Sie haben es geschafft. Billy ist zurück“, hieß es daraufhin in einer Anzeige von Ikea.

Zu vielen Möbeln gibt es solche Geschichten. Ihre Entstehung ist häufig auch ein Zeugnis der Zeit. Sie sind so häufig gekauft worden, weil es neue Möglichkeiten der Materialverwendung oder der Produktion gab.

Der typische Kaffeehausstuhl mit schlichtem Gestell und einer Sitzfläche aus Flechtwerk stammt von Michael Thonet und heißt „214“. Quelle: Thonet/dpa

Ein gutes Beispiel dafür aus dem 19. Jahrhundert ist der Stuhl 214 der Firma Thonet. Allein bis 1930 wurde er 50 Millionen Mal verkauft und unzählige Male kopiert. Auch heute kennt man den 214 noch gut, den typischen Kaffeehausstuhl mit einer Sitzfläche aus Flechtwerk.

Er stand in Hunderten Cafés und auch im Restaurant des Pariser Eiffelturms. Von dem übrigens soll einer Legende nach, die Thonet selbst weitergibt, 1889 einer dieser Stühle aus 57 Metern nach unten gestürzt und unbeschadet angekommen sein.

Der Stuhl 214 wurde 1859 von Tischlermeister Michael Thonet entworfen. Er schaffte es, mithilfe von Druck und Dampf lange Holzstäbe elastisch zu machen. Das Verfahren wurde zum Grundstein für die serielle Massenproduktion und arbeitsteilige Fertigung. Bis heute wird der Stuhl auf die gleiche Weise produziert wie früher.

Design sollte Möbel günstiger machen

Ein anderer Stuhl, der bei vielen Menschen im Original oder als Kopie zu Hause steht, hat eine durchgängige Schale aus Plastik auf dünnen Holz- oder Metallfüßen. Die Plastic Chairs sind ein Produkt des Designerpaares Charles und Ray ­Eames.

Die Designer reichten den Entwurf 1948 bei einem Wettbewerb für kostengünstiges Möbeldesign ein. Sie wollten einen industriell produzierbaren Stuhl für den privaten Einsatz anbieten. Da die ursprüngliche Metallschale zu teuer war, suchten sie günstigere Alternativen und stießen auf fiberglasverstärktes Polyesterharz.

Die Stühle sind laut der Firma Vitra die ersten seriell hergestellten Kunststoffstühle. Nach einer kurzen Pause wurden sie in den Neunzigerjahren aus Polypropylen gefertigt, das erschwinglicher und ökologischer ist als Fiberglas.

Designer Verner Panton (2.v.r.), Rolf Fehlbaum (früherer CEO von Vitra, 2.v.l.) und das technische Personal der Firma Vitra haben gemeinsam intensiv an der Entwicklung eines Prototyps des Panton Chairs gearbeitet (aufgenommen ca. 1966). Quelle: Vitra/dpa

Der erste Stuhl, der komplett aus einem Stück Kunststoff gefertigt wurde, trägt ebenfalls den Namen seines Erfinders: Es ist der Panton Chair, ebenfalls von Vitra. Seine Entwicklung dauerte ungewöhnlich lange: Der Entwurf entstand bereits in den Fünfzigerjahren, doch erst seit 1999 kann der Stuhl seiner Grundidee entsprechend produziert werden. Leider erst nach dem Tod des Designers Verner Panton (1926–1998).

Das Problem war der Kunststoff. Vitra spricht von einer „kaum zu bewältigenden Herausforderung“, die Formvorstellungen des Designers mit den Möglichkeiten der damaligen Kunststofftechnik in Einklang zu bringen.

Immer wieder haben Stühle die Designgeschichte geprägt. So auch der Tulip Chair von Eero Saarinen für Knoll International sowie der gleichnamige Tisch. Sie werden von einem einzigen, unten breit auslaufenden Fuß getragen. Die Form erinnert an eine Tulpe.

Der Tulip Tisch von Eero Saarinen für Knoll International hat einen unten breit auslaufenden Fuß, dessen Form an den Fuß eines Weinglases erinnert (historisches Bild aus der Produktion). Quelle: Knoll International/dpa

Von dem Designer ist überliefert, dass er der „hässlichen, verwirrenden, unruhigen Welt“, dem „Slum der Beine“, die er unter anderen Stühlen und Tischen wahrgenommen habe, ein Ende setzen wollte.

Fünf Jahre benötigte die Entwicklung. Die Möbel gehören heute zu den Klassikern. Stuhl und Tisch wurden unzählige Male kopiert, und ihre Form hat jeder schon mal gesehen. Und Knoll International selbst hat die Pedestal Collection seit 1958 nonstop produziert.

Von Simone Andrea Mayer

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