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Panorama Vor einem Jahr starb Eisbär Knut
Nachrichten Panorama Vor einem Jahr starb Eisbär Knut
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22:05 18.03.2012
Foto: Vor einem Jahr starb in Berlin der Eisbär Knut.
Vor einem Jahr starb in Berlin der Eisbär Knut. Quelle: dpa
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Berlin

Karin Gude-Kohl hat immer an ihn gedacht. An jedem Tag des vergangenen Jahres. Und sie trauerte. „Er fehlt mir sehr“, sagt die Berlinerin. Gude-Kohl spricht von dem am 19. März 2011 verstorbenen Berliner Eisbären Knut. Heute jährt sich sein Todestag zum ersten Mal.

Bereits am Sonntag trafen sich die treuesten Anhänger des wohl berühmtesten Eisbären der Welt an dessen ehemaligem Gehege im Berliner Zoo, um gemeinsam zu trauern. Gude-Kohl hat eine selbst gemachte Traueranzeige mitgebracht, legt sie auf die Hecke vor dem Eisbärfelsen. „Wenn die Tränen der Fans eine Leiter wären, würde diese bis zu Knut in den Himmel reichen“, steht dort. „Das war mir ein ganz großes Bedürfnis, heute herzukommen“, erklärt sie.

Gude-Kohl sieht ihren Besuch aber auch symbolisch: „Ich bin hier für die Fans, die vom Zoo seit Knuts Tod so schlecht behandelt worden sind.“ Die Leitung des Tierparks wolle nicht, dass ein Kult um Knut betrieben werde. „Als wir zu seinem Geburtstag am 5. Dezember Rosen und Briefe niederlegten, wurden die noch am Abend weggeräumt“, klagt sie. „Knut forever in our hearts“ steht auf dem Anstecker, den sie trägt. Um den Hals hat sie eine Kette, ein großes rotes Herz mit „Knut“-Schriftzug. „Wir waren die, die jeden Tag da waren, die zehn Millionen Euro in die Kasse des Zoos gespült haben. Das interessiert aber keinen.“ Nicht mal einen offiziellen Akt zur Erinnerung gebe es.

Und Gude-Kohl ist nicht die Einzige, die für Zoochef Bernhard Blaszkiewitz wenig Sympathien hat. Petra W. aus Berlin gibt ihm sogar direkt die Schuld am Tod Knuts. „Die Eisbären wurden hier immer stiefmütterlich behandelt. Als Knut auf die Anlage kam, gab es frisches Wasser im Graben, aber erst ein halbes Jahr später neues.“ Unter diesen Umständen „ist es ja kein Wunder, dass das Immunsystem von Knut geschwächt war“. Eine Virusinfektion im Gehirn hatte den Eisbären 2011 getötet.

Petra W. hatte ein enges Verhältnis zu Knut. „Der war einzigartig. Wie er immer geguckt hat, wer da an seinem Gehege steht. Wenn ich mit ihm gesprochen habe, hat er immer reagiert.“ Besondere Momente seien es gewesen, „wenn ich die Hand an die Scheibe legte und er seinen Kopf dagegen drückte.“ W. ist Mitglied im „Knutitis“-Forum. „Wir haben das damals aufgebaut, bis heute Kontakt und treffen uns alle drei Monate, um Knut zu gedenken“, sagt Bea aus Aachen, eine Freundin von W., die sie über die gemeinsame Liebe zu Knut kennenlernte.

Vielleicht auch wegen der Kritik an Blaszkiewitz hatte dieser sich in Sachen Gedenken zunächst quergestellt. Auch sagen wollte er nichts. Selbst der Berliner Sender RBB – er hatte die ersten Monate von Knut begleitet – erhielt zunächst keine Drehgenehmigung für die Gedenktage. Der Förderverein des Zoos darf keine Fanartikel wie etwa Kunstdrucke verkaufen – obwohl der Erlös dem Zoo zugutekommen sollte. Auch das Aufstellen eines Info-Standes wurde zunächst untersagt. Jetzt darf der Verein zumindest die Knut-Gedenkmedaille verkaufen, die der Zoo aufgelegt hat.

Zwischen den vielen Debatten gibt es aber am Sonntag auch Besucher, denen das „Politikum Knut“ völlig egal ist. Laura Lindenstein findet es „einfach doof, dass der gestorben ist“. Laura war fünf, als sie Knut 2007 das erste Mal im Zoo Berlin sah. „Der war so niedlich. Ich werde den nie vergessen.“

Sebastian Scherer