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Panorama Vater der getöteten Leonie (6): „Ich habe es aus der Zeitung erfahren“
Nachrichten Panorama Vater der getöteten Leonie (6): „Ich habe es aus der Zeitung erfahren“
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11:09 17.01.2019
Kerzen und Plüschtiere stehen vor dem Eingang des Hauses in Torgelow, in dem eine Sechsjährige ums Leben kam. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Torgelow

Im Todesfall von Leonie (6) erhebt jetzt der Vater Oliver E. (27) schwere Vorwürfe gegen den tatverdächtigen Stiefvater David H., der noch auf der Flucht ist. Auch der kleine Noel (2), der nach den Vorfällen in Torgelow nun in E.s Obhut ist, soll misshandelt worden sein. Oliver E. war mit dem Jungen inzwischen beim Kinderarzt und in der Klinik, um die Verletzungen begutachten zu lassen, sagt der Wolgaster im Gespräch mit der „Ostsee-Zeitung“.

„Er hat Verletzungen und mehrere Hämatome am Rücken, am Oberschenkel, Arm und ein Loch am Kopf, das gerade verheilt. Außerdem eine weit aufgeschnittene Lippe, so dass die Leute denken, er hätte mal eine Hasenscharte gehabt. Das Nasenbein ist auch gebrochen. Er wacht oft auf und sagt Aua“, zählt der Vater auf. Für ihn sei der ganze Vorfall schwer zu verkraften. Er versucht ruhig und stark zu sein, aber der Schmerz ist ihm mit jedem Wort anzumerken. „Noel ist jetzt mein einziger Halt und Trost.“ Seiner Tochter wolle er die schönste Beerdigung, die man sich nur wünschen kann, organisieren, sagt er unter Tränen in einem Video auf www.ostseewelle.de.

Leonie war am Samstag leblos in der Wohnung von Mutter und Stiefvater in Torgelow aufgefunden worden. Der Stiefvater David H. gab gegenüber der Polizei später an, das Kind sei die Treppe heruntergefallen. Die Verletzungen weisen laut Gerichtsmedizin jedoch auf Gewalteinwirkungen hin. Seit seiner Vernehmung, als ihm die eigens angereisten Kripo-Beamten aus Anklam mitteilten, dass er festgenommen wird, ist der Mann auf der Fluch und wird mit einer Großfahndung gesucht.

In all den Stunden am Wochenende, als Rettungskräfte und Polizei in dem Torgelower Haus ein und aus gehen, ahnt Oliver E. in Wolgast noch nichts. Niemand von Seiten der Behörden habe ihn benachrichtigt, sagt er. Erst am Montag habe er einen Zeitungsartikel zugesandt bekommen, in dem von dem Tod eines Mädchens berichtet wurde. „Da habe ich sofort meine Ex-Partnerin angerufen.“ Irgendwann ging der Stiefvater ans Telefon. „Ist das meine Leonie, die in der Zeitung steht?“, fragt der 27-jährige E. „Ja“, antwortet der Stiefvater. Daraufhin legt E. auf – seine Welt brach zusammen, sagt er.

Verzweifelter Kampf ums Sorgerecht

Lange hat der leibliche Vater darum gekämpft, seine beiden Kinder sehen zu dürfen, schildert seine Schwester Eva E. (30). Im November habe er endlich per Gericht Sorge- und Umgangsrecht zugestanden bekommen. Trotzdem darf er seine Kinder an den verabredeten Wochenenden nicht sehen. Die Mutter Janine Z. habe immer wieder die Termine abgesagt. Zu Weihnachten kein Wiedersehen. Auch nicht am Silvestertag, als Leonie ihren sechsten Geburtstag feierte. So hat Oliver E. Leonie seit neun Monaten nicht mehr gesehen. Und jetzt ist sie tot. Den kleinen Noel hat das Jugendamt nach einer Kontrolle seiner Wohnung am Montag an ihn übergeben. Janine Z. ist gemeinsam mit einem weiteren Kind (sechs Monate alt) in einer Mutter-Kind-Einrichtung untergebracht.

Bereits vor etwa einem Jahr hat Leonies Tante Eva E. den Verdacht, dass eine Kindeswohlgefährdung vorliegen könnte. „Ich habe die Familie zufällig auf einem Parkplatz beim Einkaufen getroffen. Die beiden Kinder sahen aus wie nach einem Autounfall, ich war geschockt“, berichtet Eva E. Die Wolgasterin schildert blaue und grüne Flecken im Gesicht, eine offene Lippe, eine geschwollene Wange und einen Cut an der Augenbraue. „Ich habe auch Kinder, die schlimme Stürze und Ähnliches hatten, aber so sahen sie nie aus“, sagt die 30-Jährige. Sie habe ihrem Bruder von den Beobachtungen berichtet. Daraufhin hatte er das Jugendamt informiert. „Aber das wird jetzt alles heruntergespielt“, sagt Eva E.

Betroffenheit und Spendenaktion in Torgelow

Der Landkreis Vorpommern-Greifswald hatte bereits in einer ersten Anfrage offen darüber berichtet, dass es diese Anzeige im Februar 2018 gegeben habe. Die Familie sei vorgeladen und befragt worden, sagt Kreissprecher Achim Froitzheim. „Es ergaben sich aber keinerlei Hinweise auf Kindeswohlgefährdung.“ Das Kind wurde begutachtet. Auch im Umfeld der Familie hätten Jugendamtsmitarbeiter sich umgehört. Zudem seien die Pädagogen in der Kita zu Auffälligkeiten befragt worden. All das habe nichts ergeben. „Wir haben alles umfangreich nachgeprüft.“

In der Kleinstadt Torgelow herrscht große Betroffenheit. Vor der Tür des Hauses stehen Plüschtiere, Blumen und Trauerkerzen. Kaum einer kannte das Mädchen, das mit seiner Familie noch nicht lange in Torgelow wohnte. Trotzdem ist es vielen ein Bedürfnis, am Schicksal der Sechsjährigen Anteil zu nehmen. Im Internet rufen Menschen zu Trauermärschen auf. Seit gestern Abend gibt es eine „Offizielle Spendenseite für Leonie’s Beerdigung“. Ein Spendenkonto soll bald bekannt gegeben werden, heißt es da. „Wir möchten Leonies Vater die Beerdigungskosten gerne komplett erstatten“, heißt es dort.

Noch keine Fahndung mit Foto geplant

David H., der wegen mehrerer Delikte bereits polizeilich bekannt ist, befindet sich unterdessen weiter auf der Flucht. Ihm wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Eine Öffentlichkeitsfahndung mit Foto gebe es bisher noch nicht, habe man aber im Blick, sagt Beatrix Heuer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg am Mittwoch. So ein Schritt werde erst gewählt, „wenn alle Möglichkeiten der Aufenthaltsbestimmung ausgeschöpft sind“. Wann das der Fall sein könnte, bleibt offen.

Von Virginie Wolfram und Cornelia Meerkatz/RND

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