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Panorama Unterwäsche-Liga wirbelt Frauen-Football in USA auf
Nachrichten Panorama Unterwäsche-Liga wirbelt Frauen-Football in USA auf
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07:55 22.05.2009
Lingerie Football League New York Erotik Spitzenhöschen
Ether Grey (links) und Melissa Teixeira machen Werbung für das New York Majesty Team der "Lingerie Football League" (LFL) Quelle: Emmanuel Dunand/afp
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Die beiden jungen Frauen spielen in der neuen „Football Lingerie League“ (Football-Unterwäsche-Liga), bei der ein findiger Sportvermarkter den ruppigen Ballsport mit einer Prise derber Erotik gewürzt hat. Auf Trikots verzichtet die Liga, außer Höschen und BH tragen die Frauen nichts.

Nackte Haut wird bei den Wettbewerben großzügig zur Schau gestellt - zu großzügig, finden Kritiker. Doch die Flughafenangestellte Wyong will solche Einwände nicht gelten lassen. „Viele sagen, das hier sei entwürdigend, aber das stimmt nicht“, behauptet die 29-jährige Spielerin. „Wir stehen ja nicht nur herum und sehen hübsch aus, sondern wir gehen hart ran.“ Schließlich sei Football auch bei Männern sexuell aufgeladen, findet jedenfalls Wyong: „Die Kerle tragen enge Hosen und präsentieren ihren Körperbau, ihre starken Arme.“

Wyong ist wie zwei Dutzend anderer Frauen ins Stadion von Freeport bei New York gekommen, um sich für einen Spielerposten in der neu gegründeten Unterwäsche-Liga (LFL) des kalifornischen Promoters Mitchell Mortaza zu bewerben. Aus seinen Auswahlkriterien macht der 35-Jährige keinen Hehl: „Du musst gut aussehen, dass sage ich ganz offen. Das ist der große Unterschied zwischen dieser Liga und all den anderen.“ Auf die Frage, ob er an seinem Schönheitsideal Abstriche macht, wenn eine Kandidatin besonderes Spieltalent hat, entgegnet Mortaza knapp: „Nein.“ Er wolle seine Liga profitabel vermarkten, und dabei spiele eben das Äußere die entscheidende Rolle.

Mit seiner Höschen-Liga zielt Mortaza auf den schillernden, aber sehr gewinnträchtigen Nischenbereich an der Schnittmenge zwischen Sex und Sport ab. Bereits etabliert haben sich dort Pseudo-Sportarten wie Schlamm-Catchen und Gladiatoren-Kämpfe, die über eine treue Fangemeinde verfügen und viel Geld einspielen. Enorm viel Geld gibt es auch in der Macho-Welt des American Football zu verdienen, glaubt Mortaza, man muss die Quelle nur anzapfen.

Bislang hat Mortaza seine Spielerinnen bei Spielpausen von Football-Begegnungen im Bezahlfernsehen auftreten lassen, nun baut er eine richtige Liga mit zunächst zehn halbprofessionellen Teams auf. Bei der Auswahl der Spielerinnen für das New Yorker Team in Freeport feuert er die Kandidatinnen zu vollem Körpereinsatz auf:
„Wer hier nur rumtänzelt, wird plattgemacht!“ Zwei Trainer - in voller Bekleidung - treiben die Frauen zu Beweglichkeits- und Wurfübungen. Es wird hart gekämpft: Eine Frau geht mit verstauchtem Fuß vom Platz, eine andere stößt sich den Kopf an, eine dritte hat Kratzspuren auf der Haut - offenbar von den Fingernägeln einer Konkurrentin.

Spitzensportlerinnen sind Mortazas Football-Spielerinnen nur insofern, als sie Wäsche mit Spitzenbesatz aufs Spielfeld tragen. Die meisten Bewerberinnen sind Amateure. „Als Modell habe ich auch schon mal Unterwäsche in der Öffentlichkeit getragen, deshalb stört mich das nicht“, berichtet die sehr blonde 23-jährige Melissa Teixeira. „Ich finde das überhaupt nicht sexistisch, schließlich geht es um athletische Betätigung.“

Die 27 Jahre alte Fitness-Trainerin Allison Vernon gibt zu, dass sie angesichts der leicht bekleideten Auftritte Skrupel hat. „Ist das sexistisch? Die meisten Leute, mit denen ich aufs College ging, würden wahrscheinlich sagen, dass es so ist.“ Das Unterwäsche-Outfit finde sie „etwas unheimlicher als das Training an sich“, sagt Vernon. Selbst Liga-Chef Mortaza verheimlicht nicht sein Unbehagen. Auf die Frage, ob er sich selbst in der Unterhose aufs Spielfeld trauen würde, entgegnet er ausweichend: „Da muss ich erst noch an meiner Bauchmuskulatur arbeiten.“

afp